09:45 12 August 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    8631
    Abonnieren

    Beim Deutschen Werberat ist die Anzahl der Beschwerden 2019 gegenüber dem Vorjahr um das Dreifache gestiegen. Geschlechterdiskriminierende Werbung war erneut Hauptbeschwerdegrund. Die meisten Unternehmen zeigten sich einsichtig und änderten oder entfernten die beanstandeten Inhalte. Der Werberat sagt: Werbeselbstkontrolle wirkt.

    Der Deutsche Werberat hat sein Jahrbuch für 2020 veröffentlicht. Darin enthalten ist die Beschwerdebilanz für 2019. Demnach hat der Werberat im vergangenen Jahr 793 Werbemaßnahmen überprüft, zu denen es 3636 einzelne Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben hatte. Gegenüber dem Vorjahr mit 1235 Einzelbeschwerden waren es 2019 rund dreimal so viele.

    Von den 793 beanstandeten Werbemaßnahmen fielen 279 Fälle nicht in die Zuständigkeit der Selbstkontrolleinrichtung, weil es sich beispielsweise nicht um kommerzielle Werbung, sondern um Werbung von Behörden oder Parteien handelte. Bei den restlichen 514 Sujets teilte der Werberat in 141 Fällen die Kritik der Beschwerdeführer und informierte die betreffenden Unternehmen über den Verstoß gegen den Werbekodex. In 128 Fällen zeigten sich die Unternehmen einsichtig und änderten oder entfernten die beanstandeten Werbeinhalte. In 13 Fällen reagierten die Unternehmen nicht auf die Beanstandung und erhielten eine Öffentliche Rüge.

    Katja Heintschel von Heinegg, Leiterin des Deutschen Werberats,  zieht eine positive Bilanz:

    „Die Beschwerdezahlen haben 2019 erneut zugenommen, der Werberat wird als Beschwerdestelle weiter gut von der Öffentlichkeit angenommen. Er ist die Anlaufstelle für Beschwerden aus der Bevölkerung über Werbeinhalte und fungiert als Mittler zwischen Wirtschaft und Verbrauchern. Bürgerinnen und Bürger können sich an den Werberat wenden, wenn kommerzielle Kommunikation zwar rechtlich nicht zu beanstanden ist, aber aus anderen Gründen als unangemessen empfunden wird. Dem Werberat ist es wichtig, in einen Dialog mit den werbenden Unternehmen einzutreten und die Sichtweise der Beschwerdeführer darzulegen. Wir können hier eine große Bereitschaft zur Kooperation mit der Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft feststellen, wie die Beschwerdebilanz 2019 erneut belegt. Aber auch die Beschwerdeführer sind durchaus bereit, andere Sichtweisen anzuerkennen.“

    Mit 259 Fällen war geschlechterdiskriminierende Werbung erneut Spitzenreiter bei den Beschwerden. Der Werberat beanstandete davon insgesamt 84 Werbemaßnahmen. Darunter fällt etwa der Spot der Supermarktkette Edeka zum Muttertag.

    Verstöße gegen ethische und moralische Mindestanforderungen rangierten mit 70 Fällen auf Platz zwei der Beschwerden. Beispielsweise fielen in diese Kategorie die Beschwerden über einen TV-Spot, in dem ein Junge in Gegenwart seines Joghurt löffelnden Opas sagt: “Ich warte, dass Opa den Löffel abgibt“, ein Werbeplakat für einen Supermarkt, auf dem unter zwei in der Pfanne brutzelnden Steaks der Slogan stand „So sieht Liebe machen aus“ oder ein Werbespot, der auf den Kalten Krieg und die Grenzöffnung nach der deutschen Wiedervereinigung Bezug nahm, was als unethisch empfunden wurde, mit deutscher Geschichte dürfe man generell keine Werbung machen (alle drei Beschwerden wurden zurückgewiesen).

    Weitere Beschwerdeinhalte betrafen den Kinder- und Jugendschutz (27 Fälle), die Diskriminierung von Personengruppen (45), die Nachahmungsgefahr gefährlichen oder unsozialen Verhaltens (20) sowie sexuell anstößige Werbung (15). In 14 Fällen wurden Verstöße gegen den Kodex zur Alkoholwerbung geltend gemacht, ein Anstieg um zwei Fälle gegenüber dem Vorjahr. In 5 Fällen wurde ein Verstoß gegen den Lebensmittelkodex vorgebracht.

    Online-Werbung wurde am häufigsten beanstandet (130 Fälle). Dahinter folgten Plakatwerbung (108) und TV-Werbung (75). Die Top-Ränge nach Branchen belegten Handel (64), Kfz und Zubehör (42) und Medien (35).

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Russlands Militär warnt USA: „Jede Rakete auf unser Territorium werten wir als Nuklear-Schlag“
    Impfstoff als populistische Maßnahme? Russische Fachkräfte reagieren auf mediale Kritik
    Ungeliebter Gastbeitrag: Der Sputnik-Impfstoff als lebensrettende globale Partnerschaft
    Corona-Krise zeigte Schwachstellen im Zusammenwirken der WHO-Mitgliedstaaten auf – Lawrow
    Tags:
    Sexismus, Deutschland, Werbung