14:59 03 Juni 2020
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    Tausende ausländische Prostituierte, die in Deutschland arbeiten, sind nun obdachlos, nachdem die Bordelle wegen des Coronavirus-Ausbruchs geschlossen und die Grenzen dicht gemacht wurden, so dass sie nicht nach Hause zurückkehren konnten. Dies meldet die Agentur Reuters am Freitag.

    „Das Coronavirus war eine Katastrophe für mich. Ich habe seit Mitte März kein Einkommen mehr und keinen Platz zum Schlafen“, so eine polnische Prostituierte in Bochum, die ihre Kunden als Nicole kannten.

    Ihren eigentlichen Namen gab sie gegenüber Reuters nicht an. Vor der Schließung der Bordelle habe sie ihrer Anstalt 90 Euro pro Tag für ein Zimmer gezahlt, in dem sie Kunden treffen und wohnen konnte. Jetzt wohne sie bei einem Bordellmanager.

    Die Sexarbeiterinnen in Deutschland gelten als selbständig, zahlen Steuern und können theoretisch Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung aus einem von der Regierung eingerichteten Fonds haben, der Freiberuflern während der Pandemie helfen soll.

    Aber viele Prostituierte (besonders aus dem Ausland) arbeiten illegal, und sogar die vielen, die wie Nicole Steuern zahlen, seien sich ihrer Rechte nicht bewusst, sagen Wohltätigkeitsorganisationen. Einige suchen die Kunden auf der Straße, um über die Runden kommen zu können, bis die Bordelle wieder geöffnet werden.

    „Die Nachfrage nach bezahltem Sex ist trotz des Risikos, sich mit dem Virus zu infizieren, immer noch da“, sagte Heike Koettner von dem Bochumer Verein „Madonna“, der die Prostituierte berät. „Einige Frauen gehen dieses Risiko ein“, so Koetter. 

    Nach der Einschätzung von Susanne Bleier-Wilp, dem Vorstandsmitglied des Berufsverbands Sexarbeit in Berlin, gibt es in Deutschland zwischen 100.000 und 200.000 Prostituierte. 80 Prozent davon seien Ausländerinnen, meistens aus Bulgarien, Rumänien, Polen und der Ukraine.

    „Den meisten ist es gelungen, nach Hause zu gehen. Die anderen sind aber obdachlos.“  Es handle sich um drei bis vier Prozent der Sexarbeiterinnen, die in der ganzen Branche besonders gefährdet seien.

    „Sie sind mit nichts hingekommen und haben gehofft, Geld zu verdienen. Nun wohnen sie bei Freunden oder leben auf der Straße. Einige wenige Glückliche leben in den Bordellen“, so Bleier-Wilp.

    Die deutschen Behörden haben im vergangenen Monat die Bordelle nebst den Restaurants und Nachtclubs geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen.

    pd/mt/rtr

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    Tags:
    Sexarbeit, Coronavirus, Deutschland, Bordell