00:38 05 Juli 2020
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    Als die beiden Triebwerke ihrer Jak-28P ausgefallen sind, haben zwei sowjetische Kampfpiloten ihr Leben geopfert, um eine Katastrophe im dichtbebauten Berlin zu verhindern. Die Namen der Helden vom 6. April 1966: Hauptmann Boris Kapustin und Oberleutnant Juri Janow.

    Banaler hätte ihr Auftrag nicht sein können: Unter dem Kommando von Hauptmann Kapustin sollten neue Kampfjets Jak-28P vom Flugplatz Finow in das 35. Jagdgeschwader in Zerbst überführt werden. Die Armeegruppe West wartete auf Verstärkung mit neuesten tiefflugfähigen Kampfflugzeugen.

    Die Jak-28 war für den Einsatz an der Front zugeschnitten. Das Flugzeug konnte von sehr kurzen Pisten nahezu senkrecht starten und war mit neuester Funk- und Ortungstechnik ausgerüstet. Aber wegen zahlreicher Unzulänglichkeiten (die Entwicklungszeiten im Kalten Krieg waren knapp bemessen) mangelte es dem Jet an Zuverlässigkeit. Auch die Maschine von Kapustin und Janow hatte man vor der Überführung reparieren müssen. Die Mängel waren eigentlich behoben worden, die Rotte startete.

    Kurze Zeit später meldete Kapustin, er werde nach Finow zurückkehren. Die andere Maschine der Rotte solle weiter Kurs halten auf Zerbst. Es war das Unmögliche geschehen: Die beiden, voneinander unabhängig funktionierenden Triebwerke der Jak-28P waren gleichzeitig ausgefallen. Der Kampfjet fiel nach rechts ab und verlor rasch an Höhe.

    Wie schlimm die Lage war, erkannten Kapustin und sein Co-Pilot Janow erst, als ihr Flugzeug die Wolkendecke durchbrach: Berlin! Sie flogen über einem dichtbesiedelten Wohngebiet. Die Kerosintanks der Maschine waren voll, ein Absturz hätte ein Feuerinferno ausgelöst. Die Maschine mit den Schleudersitzen zu verlassen, hätte den grausigen Tod unzähliger Menschen am Boden bedeutet.

    Aus den Blackbox-Aufzeichnungen geht später hervor, dass Hauptmann Kapustin den Oberleutnant Janow mehrmals aufforderte, sich mit dem Schleudersitz zu retten. Doch der weigerte sich, auch um die ohnehin kritische Fluglage des Kampfjets nicht zusätzlich zu erschweren.

    Vergeblich versuchten die Piloten die Triebwerke wieder zu starten. Also suchten sie nach einer Notlandemöglichkeit. Der Stößensee kam in Frage, aber es zog sich ein Damm mit einer vielbefahrenen Straße durch das Gewässer. Um nicht auf die Autos zu krachen, zog Kapustin den Steuerknüppel zu sich, doch das Flugzeug geriet außer Kontrolle und stürzte ins Wasser.

    Es war britisches Gebiet in Westberlin, bald trafen Ermittler an der Absturzstelle ein. Die Jak-28 war bis dahin geheim gewesen, natürlich war die verunglückte Maschine für die Briten ein willkommener Fund. Die Trümmer wurden eingehend untersucht. Am 8. April übergaben die britischen Militärbehörden die Leichen von Kapustin und Janow an die sowjetische Armee. Einen Monat später wurden den beiden Piloten posthum Heldenorden verliehen.

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    Tags:
    Heldentum, Kampfpilot, Flugzeugabsturz, Sowjetunion, UdSSR, Ost-Berlin, DDR