12:48 03 Juni 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    810210
    Abonnieren

    Alles begann mit leichten Kopfschmerzen. (…) In der Nacht bekam ich Fieber: 38,3 Grad Celsius. Das war am Mittwoch, dem 18. März, drei Tage nach dem Ausrufen der Ausnahmesituation in Spanien.

    Das Fieber hielt stundenlang an und erreichte manchmal fast 39 Grad. Dennoch konnte ich, im Bett liegend, ein Buch lesen, weil ich mich auf ein Interview vorbereitete. Ich hoffte, dass dies doch nur blinder Alarm war. Einige Tage zuvor war immerhin meine Frau davon betroffen worden, doch einige Stunden später war schon alles vorbei.

    Für mich war das aber erst der Anfang. Mit jeder Stunde verstand ich mehr, dass ich wirklich krank war. Das Fieber blieb konstant bei 39 Grad Celsius. Ich verlor den Geruchs- und den Geschmackssinn – und auch den Appetit. (…) Ich hatte Gliederschmerzen, mein Kopf war fast daran, zu explodieren, und ich hatte Schüttelfrost.

    Ich konnte nicht schlucken und spürte, wie mein Körper zunehmend austrocknete. Meine Schmerzen ließen nur nach, wenn ich die Übelkeit mit Paracetamol oder Analgetika unterdrückte. Das waren die einzigen Mittel, die man mir per Hotline verordnet hatte.

    Krankenhaus Infanta Leonor de Vallecas im Süden von Madrid. Foto von Alberto García Palomo
    © Sputnik /
    Krankenhaus Infanta Leonor de Vallecas im Süden von Madrid. Foto von Alberto García Palomo

    Am fünften Tag stieg das Fieber weiter. Ich war äußerst schwach und versuchte, etwas Wasser zu trinken. (…) Ich wollte unter die Dusche – warmes Wasser beruhigte die Wirkung des Virus und schenkte mir für einige Stunden Erholung. Es war früh am Morgen, und es gelang mir, die Dusche zu erreichen. Ich spürte jedoch, dass ich immer schwächer wurde. Irgendwann verlor ich für einige Sekunden das Bewusstsein und fiel zu Boden.

    Angesichts dessen beschloss ich, in die Notaufnahme zu gehen. Bis dato hatte ich immer nur die Covid-19-Hotline angerufen, aber dort beantwortete man nur mit müder Stimme meine Fragen, ohne mir etwas zu erklären – man betonte lediglich, dass es sich um eine Krankheit handele, die 14 Tage dauere, und dass ich Geduld haben müsse. Dann legte man den Hörer auf, ohne mir weiter zuzuhören. Das war die schlimmste Antwort von Vertretern der Gesundheitsbehörden, die ich je bekam.

    Einige meiner Verwandten, die Ärzte von Beruf sind, empfahlen mir, ins Krankenhaus zu fahren. So begab ich mich in das Krankenhaus Infanta Leonor de Vallecas im Süden von Madrid, unweit von meinem Haus. Ich war fast überrascht, aber man hat mich dort sofort aufgenommen. Die Ärzte in „Raumfahreranzügen“ maßen bei mir Fieber und fragten mich nach den Symptomen. Außer mir gab es dort etwa ein Dutzend andere Menschen. Dem Chefarzt zufolge ist das Verfahren ganz einfach: Man macht Röntgenbilder und prüft, ob der jeweilige Patient eine Lungenentzündung hat. Wenn ja, dann wird er auf SARS-CoV-2 getestet. Abhängig von den Ergebnissen würde ich also entweder im Krankenhaus bleiben oder zurück nach Hause fahren.

    Obwohl ich eine zweiseitige Lungenentzündung hatte, wurden bei mir keine zusätzlichen Erkrankungen entdeckt. Man gab mir Azithromycin und Hydroxychloroquin und schickte mich nach Hause: Das sind zwei Medikamente, die während dieser Pandemie eingesetzt werden (eines von ihnen ist gegen Malaria). Ich sollte je zwei Pillen am Tag einnehmen und 48 Stunden später wieder ins Krankenhaus kommen, um die Testergebnisse abzuholen.

    Ich fragte die Ärzte, warum es im Krankenhaus so ruhig sei, denn es wird ja nur vom Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems geredet. Man antwortete mir:

    „Das ist ziemlich untypisch. Gestern hatten wir hier 53 Patienten, die auf Betten warteten. Heute haben wir bemerkt, dass erkrankte Menschen in private Krankenhäuser geschickt werden. Aber wir erwarten, dass alles wieder beginnt.“

    Bis zum festgelegten Tag konnte ich jedoch nicht warten: Schon am nächsten Morgen stieg mein Fieber auf 40 Grad.

    Am darauffolgenden Tag war es im Krankenhaus tatsächlich völlig anders: Dort wimmelte es von Menschen. Manche von ihnen saßen in Rollstühlen, andere saßen im Halbschlaf auf Stühlen.

    Es dauerte eine Ewigkeit, bis die Tests fertig waren. Manche sagten, sie hätten darauf mehr als 24 Stunden gewartet. Und alle husteten immer wieder.

    Foto von Alberto García Palomo
    © Sputnik /
    Foto von Alberto García Palomo

    Mein Testergebnis kam gegen 05.00 Uhr morgens. Drei Lappen meiner rechten Lunge waren infiziert, und ich musste im Krankenhaus bleiben. Außerdem hatte ich Hochdruck, mein Puls erreichte 89 Schläge pro Minute, und mein Blut war zu weniger als 90 Prozent mit Sauerstoff angereichert. Ich brauchte ein Beatmungsgerät.

    Von diesem Moment an und in den nächsten zwölf Stunden geriet die Situation völlig außer Kontrolle: Die gesamte Aufnahmestruktur des Krankenhauses brach im Nu in sich zusammen “. (…) Neben den schon da gewesenen Patienten kamen 103 weitere hinzu, die auf Krankenbetten warteten.

    Am Ende wurde ich in einem Krankenhaus-Flügel im Obergeschoss untergebracht. Dieses Zimmer schien lange Zeit nicht genutzt worden zu sein. Später wurde ich in eine andere Abteilung überführt.

    Jeden Tag kam ein neuer Arzt zu mir und sagte: „Guten Tag, ich bin der Arzt, der Sie jetzt behandeln wird.“ Sie hörten mich an und gingen weg, ohne mir etwas zu sagen. Sie alle hatten Schutzanzüge an. Die Krankenschwestern kontrollierten den Sauerstoffgehalt im Blut und das Fieber der Patienten.

    Sandra – so hieß eine von ihnen - arbeitete schon die ganze Woche ohne Ruhetage. „Es ist inzwischen ruhiger geworden, obwohl es uns immer noch an Geld mangelt. Ich trage diese Schutzmaske schon seit mehreren Tagen“, sagte sie mir.

    Dann ließ mein Fieber allmählich nach. Ich hatte schon fast keinen Husten mehr und meine Blut- und Urinproben wurden von Tag zu Tag besser. Jetzt konnte ich lesen und fernsehen – ohne Kopfschmerzen. Aus meinem Zimmer konnte ich sehen, wie Leichenwagen den Parkplatz vor dem Krankenhaus verließen.

    Ich musste in den vier Wänden bleiben und durfte keinen Besuch bekommen. Aber ich sprach jeden Tag mit meinen Verwandten, die endlich erleichtert aufatmen konnten.

    Am vergangenen Montag konnte ich vom Beatmungsgerät genommen werden – in meinem Blut gab es genug Sauerstoff. Ich wurde gesundgeschrieben.

    Mir fehlen immer noch die Worte, um die Selbstaufopferung der Ärzte zu beschreiben, die gegen diese Pandemie „an vorderster Front“ kämpfen.

    Es ist mir gelungen, ein paar Worte der Dankbarkeit an alle Mitarbeiter aufzuschreiben, die sich um mich kümmerten, mir das Essen zubereiteten und mein Zimmer reinigten.

    Ich muss jetzt ein bis zwei Wochen in Isolation verbringen. Dann, wird angenommen (aber eigentlich gibt es keine Beweise dafür), habe ich die Corona-Infektion überstanden.

    Vermutlich werde ich dagegen immun sein. Ich werde nie erfahren, wann und wo ich mich angesteckt habe, aber damit kann ich leben. Ich verstehe, dass die Vorsichtsmaßnahmen entscheidend sind.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Britische Kampfjets fangen russischen Aufklärungsjet ab – Royal Air Force
    Massenproteste in den USA: Besitzer schützt russisches Restaurant vor Randalierern – Video
    Pentagon schickt 1600 Militärs in die Region um Washington
    Trump-Drohung sorgt bei Trudeau für 20 Sekunden langes Schweigen vor Kamera – Video
    Tags:
    Coronavirus, Spanien