11:22 03 Juni 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 810
    Abonnieren

    Viele kennen eines der ältesten Forschungsinstitute Deutschlands: Das Robert-Koch-Institut. Doch wer war Robert Koch und welche Entdeckungen haben ihn zu einer Berühmtheit gemacht? Koch kennt man als den Entdecker des Tuberkuloseerregers und den Medizinnobelpreisträger 1905.

    Weniger bekannt dagegen sind die „dunklen Kapitel seiner Laufbahn“.

    Entdeckung von Bakterien

    Schon in frühen Jahren erforschte der Doktor Robert Koch Krankheiten wie Milzbrand. Im Jahr 1876 schaffte es Koch einen Erreger zu finden, der die bisher geheimnisvolle Ursache von Milzbrand darstellte. Somit hatte er als erster nachgewiesen, dass Mikroorganismen (Bakterien) die Ursache für Infektionskrankheiten sind. Zwei Jahre später 1878 – da war Koch gerade 34 Jahre alt – veröffentlichte er sein erstes Buch: „Über die Aetiologie der Wundinfectionskrankheiten“. Dieses und sämtliche weitere Titel, Berichte und Briefe stellt das Robert-Koch-Institut auf ihrer Internetnet-Seite zur freien Verfügung.

    Nicht lange Zeit darauf wurde Koch zum Kaiserlichen Gesundheitsamt berufen und fertigte dort seine bakteriologische Methodik aus. Dort geschah auch schließlich das, wofür Robert Koch heute noch Ruhm angesehen wird: Am 24.März 1882 gab er die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers bekannt. Diese wirkte sich schlagartig auf seine Berühmtheit aus. Da Tuberkulose im 19. Jahrhundert zu einer Volkskrankheit mit immensen Fallzahlen wurde, erhielt diese Entdeckung der Tuberkulosebazillen eine große Bedeutung. 1905 wurde Robert Koch mit dem Nobelpreis für Medizin für diese Entdeckung gekürt.

    Weitere Entdeckungen und das Robert-Koch-Institut

    Neben der Forschung zur Tuberkulose wird Koch auch als der Entdecker des Cholera-Erregers angesehen. Dies stimme jedoch nicht vollkommen laut der Seite des Robert-Koch-Instituts. Schon 1854 hatte der italienische Anatom Filippo Pacini den Erreger, der Cholera auslöste, gesehen und beschrieben. Diese Arbeit war in Deutschland jedoch nicht bekannt und es ist davon auszugehen, dass Koch sie nicht kannte.

    Dank seiner Arbeit als Direktor am Hygienischen Institut der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität und wissenschaftlichen Leistungen veranlasste die preußische Regierung den Bau eines neuen Forschungsinstitutes. Das „Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten“ eröffnete am 1. Juli 1891 mit Robert Koch als Leiter. Dieses sogenannte „Koch’sche Institut“ zählte zu den ersten biomedizinischen Forschungsinstituten der Welt. Dieses wurde auch später umbenannt zum Robert-Koch-Institut, welches bis heute zu den renommiertesten Forschungsinstituten für Infektionskrankheiten in Deutschland zählt.

    Expeditionen

    Seit 1896 war Koch wieder zunehmenden auf Expeditionen unterwegs. Bei diesen untersuchte er sowohl tierische Erreger und Seuchen (beispielsweise Rinderpest, Texas- und Küstenfieber), wie auch menschliche. So wurde ihm 1905 der Auftrag von den Kolonialverwaltungen gegeben, die Schlafkrankheit zu erforschen. Bei der Schlafkrankheit waren Ursachen und Übertragungsweg nämlich noch völlig unbekannt. Grund für diesen Auftrag war die Gefährdung der Arbeitskraft der sogenannten Eingeborenen, sagt der Historiker Jürgen Zimmerer in einem Interview mit der „Welt“.

    Robert Koch (der dritte von rechts) und seine Begleiter auf der Deutschen Cholera-Expedition in Ägypten 1884
    Robert Koch (der dritte von rechts) und seine Begleiter auf der Deutschen Cholera-Expedition in Ägypten 1884

    Bei seinen Forschungsarbeiten versucht er einerseits den Übertragungsweg der Parasiten zu beobachten, andererseits mit einer medikamentösen Behandlung experimentieren. Diese Experimente bezeichnet das Robert-Koch-Institut als das „dunkelste Kapitel seiner Laufbahn“, da solche Experimente bei weitem nicht ethisch-korrekt abgelaufen sind.

    Bei seinen Behandlungsversuchen setzte Koch das arsenhaltige Mittel Atoxyl ein. Dieses wirkte sich in hohen Dosen schädlich auf die Gesundheit aus, war schmerzvoll und konnte gar zur Erblindung führen. Koch hätte nach heutigem Wissen keine Menschen infiziert, doch er habe die Medikamente an bereits infizierte Menschen zwangsweise verabreicht, beschreibt Zimmerer. Im Grunde habe er also eine Möglichkeit genutzt, medizinische Experimente durchzuführen, die in Deutschland mit deutschen Bürgern nicht möglich gewesen wären. Zimmerer erklärt dies im Interview mit der „Welt“ wie folgt:

    „Koch nutzte den Spielraum, den die Kolonialherrschaft eröffnete. Dass die Kolonialherrschaft die Afrikanerinnen und Afrikaner nicht schützte, darin lag auf jeden Fall Rassismus. Ob Koch es auch in Deutschland gemacht hätte – das große Ganze, die Entdeckung einer Therapie über das individuelle Leid zu stellen –, können wir nicht abschließend klären. In Deutschland durfte er nicht, in Ostafrika schon.“

    Tod und Nachlass

    Robert Koch erlitt April 1910 einen schweren Herzanfall und starb am 27. Mai des gleichen Jahres an dessen Folgen. Sein Nachlass mit sämtlichen Briefen, Urkunden, Manuskripten, Vorträgen, Veröffentlichungen und Fotografien wird im Robert-Koch-Institut aufbewahrt.

    lm

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Kampf gegen Corona: EU stellt Afrika und anderen Ländern 15 Milliarden Euro bereit
    RKI stellt App für Krankheitssymptome vor
    Britische Kampfjets fangen russischen Aufklärungsjet ab – Royal Air Force
    Tags:
    Forschungsanstalt, Forschung, Medizin, Robert Koch-Institut (RKI)