13:44 09 Juli 2020
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    Die Corona-Krise hat das Alltagsleben zum Stillstand gebracht. Was passiert mit abgesagten Reisen und Veranstaltungen? Geld zurück oder Gutscheine? Was ist mit Abos für den Nahverkehr und dem Vertrag für das geschlossene Fitnessstudio? Für manche Bereiche gibt es Gesetze. Vieles ist jedoch unklar oder beruht auf individueller Kulanz.

    Ganz offensichtlich betroffen von corona-bedingten Ausfällen sind Besitzer von Jahres-Abos für den öffentlichen Nahverkehr. Busse und Bahnen sind so leer wie noch nie. Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind um fast drei Viertel zurückgegangen. Viele Arbeitnehmer, gerade in Großstädten wie Berlin, arbeiten seit Wochen im Home-Office und benutzen nur noch selten öffentliche Verkehrsmittel. Andere sind von Kurzarbeit betroffen, fahren nicht mehr auf Arbeit und könnten so die Kosten für das Abo umso mehr gebrauchen. Dies hat in den letzten Wochen zu einer Kündigungswelle von ÖPNV-Abos geführt, wie Zahlen des Kündigungsdienstleisters Aboalarm nahelegen.

    Zumindest die Berliner Verkehrsbetriebe haben ihren Jahresabonnementen bisher kein Kulanzangebot für die Wochen und vielleicht Monate des Stillstands unterbreitet. Verständlich ist das schon, da den Verkehrsbetrieben durch die Corona-Krise Einnahmen wegfallen durch fehlende Käufer von Einzel, Tages-, Wochen- oder Monatstickets. Jahresabos dürfte im Moment auch niemand abschließen. Andererseits werden die Betreiber von der Politik angehalten, die Frequenz der eingesetzten Züge und Busse möglichst hochzuhalten, um zu gewährleisten, dass die Kontaktsperre unter den Fahrgästen eingehalten werden kann.

    Es gibt aber auch Städte, die zeigen, wie Kundenfreundlichkeit geht in diesen schweren Zeiten. So hat der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) eine „Abo-Pause“ eingeführt. Einfach eine Mail schicken oder anrufen und man kann sein Abonnement bis zum 1. Juli ruhen lassen. In Nordrhein-Westfalen gibt es ähnliche Angebote.

    Fitnessstudio kündigen?

    Ein weiteres Opfer der Corona-Krise sind die Fitnessstudios. Auch hier sind Jahres-Abos verbreitet. Die Sportsäle mussten am 20. März schließen. Die Beitragszahlungen laufen weiter. Dies führte, nimmt man die Zahlen von Aboalarm zur Grundlage, ebenfalls zu einem kräftigen Anstieg bei Kündigungen von Fitness-Abos. Hier gibt es – wie so oft in diesen Zeiten – keine generelle, gesetzliche, sondern individuelle Lösungen. Eine Variante, die bereits einige Studios anbieten, ist es, die aufgrund der Schließung verlorene Trainingszeit nach Auslaufen des Jahresvertrages kostenlos hinten dran zu hängen. Solche Angebote der Fitnessstudios sind jedoch freiwillig. Juristisch kann bisher keine Erstattung von Abo-Gebühren oder laufenden Vertragszahlungen aufgrund corona-bedingter Schließungen eingeklagt werden. Andersherum ist es aufgrund der präzedenzlosen Umstände juristisch unklar, ob der Kunde nicht einfach monatliche Abbuchungen beziehungsweise Zahlungen einstellen darf. Vieles beruht hier auf individuellen Absprachen. Da die meisten Anbieter, daran interessiert sein sollten, die Kunden für den hoffentlich eines Tages wieder eintretenden Normalbetrieb zu erhalten, sind sicher Zugeständnisse, wie das zeitweilige Ruhenlassen des Vertrages möglich. Andererseits sollten auch die Kunden daran interessiert sein, dass die Anbieter nicht pleitegehen, wenn sie denn auch in Zukunft ihr Fitnessstudio um die Ecke besuchen wollen.  

    Verein bleibt Verein

    Schwieriger zeigt sich die Situation bei Vereinen. Auch hier finden durch die Corona-Bestimmungen Kultur-, Musik- oder Sportveranstaltungen nicht statt. Da man bei einem Verein jedoch keine Abo-Gebühr, sondern einen Mitgliedsbeitrag bezahlt, ist rein rechtlich eine Aussetzung eigentlich nicht möglich. Individuell gibt es hier jedoch auch bereits viele Lösungen, wie das spätere kostenfreie Nachholen von Terminen.

    Urlaubsreisen – Geld zurück oder Gutschein?

    Eigentlich ist hier die Rechtslage, zumindest bei Pauschalreisen, eindeutig. Da private Reisen ins Ausland im Moment nicht möglich sind, Hotels geschlossen und Flüge storniert wurden, wird der Reisepreis zu 100 Prozent zurückerstattet. In den kritischen Tagen um den 19. März gab es jedoch noch Fälle, in denen Urlauber ihre Reise antreten mussten, um dann im Urlaubsland in Quarantäne gesteckt und bereits nach wenigen Tagen wieder nach Hause geflogen zu werden. Ihr Geld bekamen sie nicht erstattet. Für Reisen, die nicht mehr angetreten werden konnten, da die europäischen Grenzen geschlossen wurden, wurde den Urlaubern eine Gelderstattung zugesichert. Inzwischen wird jedoch von der Bundesregierung und auch auf EU-Ebene eine Gutschein-Variante diskutiert, da eine hundertprozentige Erstattung viele Reiseveranstalter in den Ruin treiben würde. Die Stornowelle für die laufenden Osterferien mögen Tui & Co noch stemmen können. Wenn nun auch der Sommerurlaub ins Wasser fällt, wie es einige Experten und Politiker, unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, bereits mutmaßen, dann dürfte dies die meisten Touristikunternehmen in die Pleite führen.

    Rücktritt von der Reiserücktrittsversicherung?

    Stark betroffen von Kündigungen sind im Moment wohl nicht nur Reisen, sondern auch Reiseversicherungen. Gerade Familien sichern sich für Krankheitsfälle gern durch Reiserücktrittsversicherungen ab. Pandemien gehören allerdings nicht zu den Szenarien, für die solchen Versicherungen gelten. Die Policen zu kündigen ist allerdings gar nicht so einfach. Viele Kunden verzichten auch im Moment auf diese Mühen, da es oft schon schwer genug ist, den weit größeren Betrag, den sie für die Urlaubsreise bezahlt haben, erstattet zu bekommen.

    Individualurlaub fordert individuale Lösungen

    Weniger rechtlich abgesichert als Pauschalreisen sind individuelle Flugreisen und Buchungen von Hotels, Pensionen und der entsprechenden touristischen Infrastruktur – Schwimmbäder, Ausflugsgaststätten, Museen. Bereits getätigte Buchungen können hier meist storniert werden. Im Interesse der Anbieter entscheiden sich auch hier Urlauber teils individuell für Gutscheine oder buchen erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt um.

    Wer sind die Gewinner der Krise?

    Es gibt allerdings auch Abo-Gewinner der Corona-Krise. Offensichtlich sind dies Firmen, die unabdingliche Dinge für Zuhause anbieten. Als wichtigster Draht nach draußen dient heutzutage das Internet. So wird im Moment kaum jemand seinen Mobilfunk- oder Internetvertrag kündigen. Im Gegenteil, es ist anzunehmen, dass eher neue Verträge über höhere Datenvolumen abgeschlossen werden, um Home-Office und Home-Entertainment abzudecken. Neben den Leitungsanbietern, dürften „Content-Provider“, also Anbieter von Inhalten zu Gewinnern der Krise werden. Streaming-Abos werden wohl dank Corona den endgültigen Durchbruch schaffen. Die Aktie von Netflix ist am Dienstag um satte sieben Prozent gestiegen. Der neue Streaming-Kanal von Disney geht durch die Decke. Spotify deckt immer mehr Haushalte mit Musik-Streaming ab. Einzige Verlierer dieses Abo-Trends im Entertainment-Bereich scheinen im Moment die Übertragungsanbieter von Sportveranstaltungen zu sein, da diese im Moment einfach nicht stattfinden. Sowohl die Bundesliga, als auch die Formel 1 pausieren. Der Marktführer im Sportbereich Sky bietet dafür noch keine Kompensation an. Beim Konkurrenten DAZN kann man das Abo zumindest pausieren. Hier laufen im Moment vor allem Interviews, Dokumentationen und Wiederholungen.

    Kita, Zug, Theater, Sprachkurs und Gutscheine

    In den meisten Bundesländern müssen die Eltern für den Monat April keine Kita- und Hortgebühr zahlen, manche Kommunen verzichten auch auf den Obolus für März. Bisher ist unklar, ob diese Regelung auch bei einer Verlängerung der Kita- und Hortschließungen beibehalten wird.

    Für Zugtickets wurde die Zugbindung aufgehoben. Das heißt, bereits gekaufte Tickets für eine bestimmte Strecke können zu einem beliebigen Zeitpunkt bis vorerst 30. Juni eingelöst werden. Außerdem kann die Reise auch kostenfrei storniert werden.

    Bei Theater-Abonnement, also Karten für mehrere Veranstaltungen über einen bestimmten Zeitraum gilt ähnlich wie bei Einzelkonzerten: bei nicht erbrachter Leistung gilt ein Geld-Rückgaberecht. Allerdings sind auch hier bereits Gutscheine im Gespräch beziehungsweise ein Verschieben des Gültigkeitszeitraums.  

    Sprachkurse an Volkshochschulen, Fortbildungen und dergleichen, die gewöhnlich eine Anwesenheit erfordern und im Moment nicht stattfinden können, werden im Moment, ähnlich dem Schulunterricht, verstärkt in den digitalen Raum verlegt. Sollte ein Teilnehmer dieses Angebot jedoch ablehnen oder technisch nicht in der Lage sein, dieses wahrzunehmen, befindet man sich wieder in einer rechtlichen Grauzone, in der man sich um eine individuelle Lösung bemühen sollte.

    Für Gutscheine, die nicht an einen konkreten Termin gebunden sind (Massage, Fallschirmsprung, etc.) gibt es eine gesetzliche Einlösefrist von drei Jahren nach Erwerb. Also selbst, falls der Gutschein nur für ein Jahr ausgestellt ist, können Sie auf eine Verlängerung bestehen. Auch hier gilt - setzen Sie sich individuell mit dem Anbieter in Verbindung und finden Sie eine Lösung.

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    Tags:
    Verträge, Stornierung, Kündigung, Coronavirus