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    Ein U-Boot der Sowjetmarine zielt am 17. April 1945 auf die „Goya“: Das Frachtschiff unter der Flagge des Dritten Reiches mit Tausenden Militärangehörigen an Bord wird von zwei Torpedos getroffen und sinkt in der Danziger Bucht. Ein harter Einsatz für die sowjetischen U-Bootfahrer – einer von vielen.

    Die dieselelektrische L-3 war bis Mitte April 1945 schon über mehrere Wochen im Einsatz gewesen. Das U-Boot der Leninez-Klasse unter dem Kommando von Wladimir Konowalow jagte deutsche Kriegsschiffe in der Ostsee und patrouillierte an der Öffnung der Danziger Bucht. Über die Danziger Bucht nämlich evakuierte die Kriegsmarine die Reste der Hitlertruppen in den Westen des Reiches. Die „Goya“ – ein Frachter von 5230 Tonnen Wasserverdrängung – hatte bis dahin schon vier Überfahrten bewerkstelligt und insgesamt an die 20.000 Wehrmachtssoldaten und -offiziere aus Ostpreußen fortgebracht. Der fünfte Auftrag der „Goya“ wurde zu ihrer letzten.

    In der Dämmerung des 16. April entdeckte die L-3 einen Konvoi aus drei Fracht- und zwei Geleitschiffen. Kapitän Konowalow richtete das Periskop auf das größte Schiff des Geleitzugs, aber um es einzuholen, musste das Boot auftauchen und über Wasser fahren. Die deutschen Frachter waren schnell, das sowjetische U-Boot drehte seine Dieselmotoren auf Hochtouren auf.

    U-Boot der Leninez-Klasse (auch als Typ L bekannt) vor dem Zweiten Weltkrieg
    U-Boot der Leninez-Klasse (auch als Typ L bekannt) vor dem Zweiten Weltkrieg

    Als günstig erwies sich für das Boot eine Panne an Bord der „Kronenfels“, die im deutschen Fünferverband mitfuhr. Um 22.30 Uhr fiel die Maschine des Frachters aus, der ganze Konvoi musste anhalten. Eine Stunde dauerte die Reparatur – Zeit genug für die L-3, das Ziel einzuholen und eine taktisch günstige Feuerstellung einzunehmen. Circa um Mitternacht gab Konowalow den Befehl, die Torpedos abzufeuern.

    Wenige Sekunden nach dem Feuerbefehl meldete der Sonaroffizier zwei Detonationen im Zielgebiet. Ein Torpedo hatte die „Goya“ mittschiffs im Maschinenraum getroffen, der andere war im Bug eingeschlagen. So heftig waren die Explosionen, dass die Schiffsmasten auf das Deck stürzten – der Schiffsrumpf brach entzwei und versank nach wenigen Minuten. Von den 7000 Militärangehörigen an Bord der „Goya“ überlebten nur 185.

    Frachtschiff MV Goya in Oslo, ca. 1940
    Frachtschiff MV Goya in Oslo, ca. 1940

    Die deutschen Geleitschiffe nahmen die Verfolgung des sowjetischen U-Boots auf, aber die L-3 konnte entkommen und in ihren Heimathafen zurückkehren. Der U-Boot-Kapitän Wladimir Konowalow wurde für seinen Einsatz mit dem höchsten Orden der Sowjetunion ausgezeichnet: „Held der Sowjetunion“.

    Ein legitimes Ziel

    Einen weitaus verheerenderen Einsatz der sowjetischen U-Boot-Flotte hatte es wenige Monate zuvor gegeben. Am 30. Januar 1945 torpediert die S-13 unter dem Kommando von Alexander Marinesko die „Wilhelm Gustloff“: Über 6500 Menschen sterben, darunter 1300 Matrosen und Offiziere der deutschen U-Boot-Flotte.

    Wilhelm Gustloff als Lazarettschiff im Danziger Hafen, Herbst 1939
    "Wilhelm Gustloff" als Lazarettschiff im Danziger Hafen, Herbst 1939

    Die Kriegsmarine nutzte Fahrgastschiffe wie die „Wilhelm Gustloff“ als Truppentransporter. Entgegen allen Regeln der Taktik hielt das Schiff nach der Abfahrt in Danzig am 30. Januar 1945 geradlinig Kurs gen Westen ohne Ausweichmanöver zum Schutz vor U-Boot-Angriffen. Die Schiffsbesatzung hatte nicht einmal die helle Bordbeleuchtung abgestellt.

    Um circa 19.00 Uhr hatte die Besatzung der S-13 die hellen Lichter bemerkt: Das sowjetische Boot nahm die Verfolgung auf und steuerte die „Gustloff“ um 21.00 Uhr aus Küstenrichtung an, von wo aus es am wenigsten erwartet würde. Vier Minuten später feuerte das U-Boot aus 1000 Metern Entfernung den ersten Torpedo ab – beschriftet mit dem Kampfspruch „Für die Heimat“. Es folgten zwei weitere Geschosse – mit den Aufschriften „Für das Sowjetvolk“ und „Für Leningrad“.

    Sowjetisches U-Boot der S-Klasse
    © Sputnik / Zentrales Museum der Seekriegsflotte St. Petersburg
    Sowjetisches U-Boot der S-Klasse

    Alle drei Torpedos trafen das Ziel, der Truppentransporter sank nach circa einer Stunde. Die meisten Menschen an Bord waren Flüchtlinge; nur 2500 von ihnen überlebten die Katastrophe. Dem sowjetischen U-Boot-Kapitän wurde vorgeworfen, ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. Doch Marinesko hatte als Offizier gemäß den Vorschriften und dem Usus der Kriegszeit gehandelt: Das versenkte Schiff war bewaffnet, es transportierte Angehörige einer gegnerischen Armee in Begleitung eines Kriegsschiffs und wies keinerlei Kennzeichen eines Sanitätsschiffes auf – war also ein in Kriegszeiten legitimes Ziel.

    Die Ölzufuhr kappen

    Ein erfolgreicher U-Boot-Angriff kann den gesamten Kriegsverlauf verändern – das haben die U-Boot-Fahrer der sowjetischen Schwarzmeerflotte im Herbst 1941 gezeigt. Kapitänleutnant Alexander Dewjatko, Kommandeur des U-Boots Schtsch-211, spürte vor der Küste Bulgariens einen gegnerischen Konvoi auf dem Weg vom rumänischen Constanta nach Italien auf.

    Das Flaggschiff des Geleitzugs – der Tanker „Superga“ (6000 Tonnen Wasserverdrängung, randvoll mit Rohöl) – war als erstes anzugreifen, beschloss der U-Boot-Kommandeur. Die Mannschaft hatte die Torpedorohre im Bug schon schussbereit, als die Schtsch-211 plötzlich abtauchen musste: Ein Schutzschiff aus dem Verband hatte es entdeckt.

    Sowjetisches U-Boot der Schtsch-Klasse
    © Sputnik / Michail Oserskij
    Sowjetisches U-Boot der Schtsch-Klasse

    So schnell gab Dewjatko jedoch nicht auf: Nach einem Ausweichmanöver ließ er die „Superga“ aus den Heckrohren beschießen. Der Tankerrumpf wurde durch den Einschlag zwar aufgerissen, aber noch konnte das Schiff sich auf dem Wasser halten. Am Abend des Folgetages gelang es dem U-Boot schließlich, auf 370 Meter an den Konvoi heranzuschleichen: Nach zwei Torpedoeinschlägen sank der Tanker endgültig.

    Einen weiteren Öltanker des Gegners versenkte am 5. November 1941 die Mannschaft des U-Boots Schtsch-214, befehligt von Kapitänleutnant Wladimir Wlassow. Torpediert wurde das italienische Tankschiff „Torcello“ auf dem Weg vom Bosporus nach Constanta. Ein Torpedoschuss aus 750 Metern Entfernung genügte, um den 3500 Tonnen schweren Tanker zu versenken.

    Wrackteile des italienischen Tankers „Superga“ im Schwarzen Meer heute:

    Damit verlor das faschistische Italien innerhalb eines Monats zwei seiner fünf Tankschiffe, die unter anderem die italienische Marine mit rumänischem Rohöl versorgten. Bis Mai 1942 war die Ölzufuhr auf diese Weise gekappt, die italienischen Kampfschiffe lagen solange im Hafen vor Anker. Das Mittelmeer war somit frei für die britischen Seestreitkräfte, die ihrerseits die Nachschubkonvois jagten, die die Wehrmachtstruppen in Afrika mit Treibstoff, Technik, Menschen und Munition versorgten.

    Zwei kurze Torpedoangriffe hatten dazu geführt, dass das Kräfteverhältnis in Nordafrika sich massiv verschob: Die Westalliierten rissen die Initiative endgültig an sich.

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    Nordflotte, Kriegsmarine, Drittes Reich, U-Boot, Nordafrika, Italien, Danzig, Sowjetunion, Zweiter Weltkrieg