11:15 01 Oktober 2020
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    Die seit Wochen andauernden Brände um die Atomruine Tschernobyl in der Ukraine sind aus Sicht der Umweltorganisation Greenpeace ein neuer Weckruf für eine Abkehr von der Atomenergie. Der Atomexperte Heinz Smital sagte gegenüber der dpa in Moskau, durch die Flammen würden radioaktive Teilchen aufgewirbelt und über weite Strecken getragen.

    Die Brände in der radioaktiv verseuchten Sperrzone seien beunruhigend, aber er sehe erst einmal keine direkte Gefahr in Deutschland, sagte Smital. Der Greenpeace-Experte warnte mit Blick auf die Nutzung von Atomenergie in vielen Ländern jedoch vor einem „Rückfall in alte Atomträume“. Er bezeichnete die Atomenergetik als „eine menschenfeindliche und eine sehr kostspielige Technologie“. Dem Experten zufolge sei die Verbreitung der Atomenergie nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima (Japan) „trotz einiger Neubauten und Absichtserklärungen doch insgesamt rückläufig“.

    Seit Jahrzehnten pendele die Anzahl der Reaktoren so um 440. „Selbst Länder, die sehr auf Atomenergie setzen - wie Frankreich und die USA - bauen deutlich weniger AKW, als es für die Beibehaltung des Status quo erforderlich wäre“, so Smital. Mit russischer Hilfe werden aktuell unter anderem in Weißrussland, in der Türkei und in Indien neue Kraftwerke gebaut.

    Der Experte forderte außerdem ein Ende der Uran-Transporte aus Deutschland nach Russland. Diese lösten zuletzt auch in Russland Proteste aus. „Es handelt sich hier nicht um einen Wertstoff zur Weiterverwendung, wie die Bundesregierung glauben machen will, sondern in Wahrheit um Atommüll, dessen Export verboten ist“, betonte der Kernphysiker. In Russland werde das radioaktive Material nicht verarbeitet, sondern endgelagert, fügte er hinzu.

    Die Explosion des Blocks vier in dem damals sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 führte zur größten Nuklearkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Verstrahlte Landstriche um die Atomruine wurden gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt.

    ls/mt/dpa

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    Tags:
    Greenpeace, Deutschland, Ukraine