03:40 25 November 2020
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    Mit seinen äußerst umstrittenen Äußerungen zu Coronavirus sorgt Xavier Naidoo seit Tagen für viel Aufruhr. Nun behauptet der Sänger, dass es überhaupt kein Coronavirus gebe, und verlangt „Beweise“. Er stellt sich dazu noch an die Seite eines Reichsbürgers und will offenbar die Bundesregierung verklagen.

    Nachdem Naidoo Anfang März wegen eines umstrittenen Videos seinen Platz in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ beim RTL verloren hatte, ist der 48-Jährige auf Telegram äußerst aktiv. „Diese Dinger hier, die sind für den Arsch“, sagt Naidoo in einem Video am 22. April und wirft eine Schutzmaske weg. „Es sollte jedem klar sein, dass wir uns jetzt nicht länger verarschen lassen sollten.“ 

    Naidoo weiter: „Lieber Herr Spahn, lieber Herr Drosten, böse Frau Merkel. Wir können das nicht mitmachen. Sie fahren nicht nur die Wirtschaft an die Wand, Sie bringen unsere Alten um! <..> Und wir müssen es so machen, als gebe es eine tödliche Pandemie. Bringt uns Beweise, dass dieses Ding echt ist. <..> Ihr bringt gerade Deutschland um.“ Das Video wird anschließend von diversen radikalen Gegnern der Corona-Maßnahmen sowie Coronavirus-Leugnern im Netz verbreitet. „Wir wehren uns“, meint Naidoo weiter in der längeren Videoversion und kündigt an, persönlich vor Gericht zu gehen. 

    Auch stärkt Naidoo in seiner Telegram-Gruppe sogar dem Reichsbürger Rüdiger Hoffmann in dessen „harter Kritik“ den Rücken und nennt ihn „einen wahren Helden“. Hoffmann war früher bei der NPD und spricht heute für die vom Verfassungsschutz längst beobachtete Gruppierung „Staatenlos“. Ein Großteil der Bevölkerung sei psychisch schwer erkrankt, so Hoffmann in dem von Naidoo gelobten Video. „Sollte es hier eine Pandemie geben, ich sage, es gibt gar keine Pandemie, es ist unglaubwürdig, weil ihr alle zur Arbeit fahrt. Erzählt mir nicht, dass ihr da Kontaktverbot einhaltet“, behauptet Hoffmann, ohne klarzustellen, was er unter einer „wahren“ Pandemie versteht. Der Sänger ging noch weiter und griff die Bundeskanzlerin mehrmals direkt an. Das System sei „krank“ und „faschistisch“, die „geborene Diktatorin“ hätte nie gewollt, dass „das Volk etwas zu sagen hat“. Er unterstellt Merkel persönlich und „allen Politikern in Berlin“, während der ganzen Amtszeit das „Deutsche Volk und sein schönes Land zu ruinieren“. Mit dem „Corona-Hype“ setze man dem Ganzen noch „die Krone“ auf. 

    Naidoo vs. Wirklichkeit

    Mit der Corona-Leugnung lässt Naidoo die gesamte Forschungslage sowohl zum neuartigen als auch zu den älteren Coronaviren außer Acht, gestützt auf die Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) und des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland - geschweige denn von den vielen unbestrittenen Corona-Toten, selbst wenn die Datenlage nicht ganz geklärt sein sollte. Den Politikern und führenden deutschen Virologen wirft der Sänger vor, „keine Ahnung“ von der Situation im Lande zu haben und „strafbare Panik“ unter der Bevölkerung zu verbreiten. Dass die Pandemie jetzt milder verläuft, als am Anfang vorhergesagt wurde, verbindet der Sänger irgendwie nicht mit den Anti-Corona-Maßnahmen, sondern mit der Inkompetenz der Politiker. 

    Für seine merkwürdigen Äußerungen kassiert der Sänger weitere persönliche Konsequenzen. Die Stadt Dortmund will schon ein Konzert von ihm Anfang September verhindern. Naidoo habe öffentlich Äußerungen „mit rassistischer und antidemokratischer Tendenz“ getätigt, hieß es in der Erklärung. Man wolle Xavier Naidoo nicht in der Stadt und auch nicht jene Anhänger seiner Musik, die seine Positionen teilen würden, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau dazu in einer Pressemitteilung. In den sozialen Netzwerken geben die kritischen Nutzer dem Sänger mittlerweile flashmobartig Kontra. „Idee: Solange Xavier #Naidoo meint, Viren oder die BRD existiere nicht, tun wir einfach alle so, als existiere Xavier Naidoo nicht“, schlug der Unternehmer Tom Noppen vor. 

    „Xavier Naidoo bezweifelt angeblich, dass Viren überhaupt existieren. Aus meiner Warte vollkommener Unsinn, denn ich bezweifle, dass Xavier Naidoo existiert“, legte der Foodblogger „Der Graslutscher“ nach. 

    „Sechs von sieben Bundesbürgern finden die Maskenpflicht angemessen. Alle anderen injizieren sich einfach weiterhin Desinfektionsmittel und hören dabei Xavier Naidoo“, kommentierte der Blogger „Kaffeecup“. 

    Der Blogger Ingmar Stadelmann nahm sich seinerseits die erkennbare Widersprüchlichkeit der Argumentationsbasis des Sängers zum Anlass für Kritik. 

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    Tags:
    Bundesregierung, Xavier Naidoo, Coronavirus