23:56 11 Juli 2020
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    Neulich hat sich der Top-Virologe von der Charite, Christian Drosten, über Morddrohungen per Email beklagt - für Personen des öffentlichen Lebens wohl kein Novum. Für die „einfachen“ Leute dürfte dagegen Cyberkriminalität ein zentraleres Thema sein. Experten erinnern an die Schutzregeln und geben Einblicke in die digitale Corona-Realität.

    So meldete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schon Anfang April eine Zunahme von Cyber-Angriffen mit Bezug zum Corona-Virus auf Unternehmen und Bürger. Auch in Russland registriert Roskomnadsor, der Föderale Dienst für die Aufsicht im Bereich der Kommunikation, eine höhere Aktivität von IT-Schwindlern. Nachdem sie personenbezogene Daten von Bürgern gesammelt haben, verwenden sie diese, um Spam-Datenbanken aufzufüllen, Geräte zu infizieren und Zahlungsinformationen zu stehlen. Im sogenannten Home-Office kommen allerdings zusätzliche Risiken zum Tragen.

    Wie schützt man sich davor? 

    Es sei vor allem die sogenannte digitale Hygiene gefragt, sagt der Leiter der System- und Netzwerkintegration bei der russischen IT-Firma Prof-IT Group, Alexej Schtscherbakow. Seine Firma ist für die Automatisierung der Arbeit bei mehreren Großunternehmen zuständig. Das Gebot der „digitalen Hygiene“ scheint leicht zu sein: Fragwürdige Apps, Programme oder Links zu derartigen E-Mails vermeiden. Verdächtigen Webseiten aus dem Weg gehen, besonders wenn sie eine Dateneingabe fordern. „Oft reicht schon einfache Antivirensoftware, wo nun zusätzliche Funktionen integriert werden: mit Schutz vor verdächtigen Inhalten, Phishing, Spam usw.“, sagt  Schtscherbakow weiter. Er empfiehlt noch dazu, Festplatten mit wichtigen Informationen zu verschlüsseln und die Daten immer zu sichern und an einem separaten Ort zu speichern. 

    Wie spezifisch ist der Anstieg von Cyberkriminalität in Deutschland? Das BSI konnte unter anderem eine exponentielle Zunahme an Registrierungen von Domainnamen mit Schlagwörtern wie „corona“ oder „covid“ beobachten. Dabei werden Nutzer zum Download und anschließender Installation vermeintlicher Software-Updates aufgefordert und infolgedessen die Systeme der Nutzer mit Schadprogrammen infiziert. Auch betrügerische Online-Shops für etwa Schutzbekleidung oder Atemmasken würden im Vordergrund stehen.

    Im Digitalverband Deutschlands Bitkom weist man auf Sputnik-Anfrage auf die klassischen Regeln für die IT-Sicherheit hin, wie etwa:

    • komplexe Passwörter nutzen,
    • Passwort-Manager als Kennwort-Tresor einsetzen,
    • auf eine Mehr-Faktor-Authentifizierung zurückgreifen
    • oder regelmäßig Updates durchführen.

    Für das Home-Office haben die Bitkom-Leute spezifische Empfehlungen parat: Neben neuesten Softwareversionen und Anti-Virensoftware auch den vom Arbeitgeber bereitzustellenden VPN-Zugang bzw. vielfältige Kommunikationskanäle zu verwenden oder etwa  den Rechner zu sperren, wenn man nicht am Schreibtisch sitzt. Dubiose oder auffällige E-Mails von unbekannten Absendern mit Corona-Bezug müssten ebenso kritisch beäugt werden. 

    Diese Hardware ist im Trend 

    Ein Gerät feiert derzeit einen Riesenerfolg: die Wärmebildkamera. Laut Schtscherbakow ist die Nachfrage nach Wärmebildkameras in Russland um das Zehnfache gestiegen - noch vor ein paar Monaten lag sie bei einem Prozent Anteil bei allen Temperaturmessgeräten. Kürzlich sind entsprechende Kameras bereits für zahlreiche Grenzkontrollen bestellt worden. In den USA setzte vor allem der Onlinehändler Amazon den Berichten zufolge Wärmebildkameras ein, um fiebrige Mitarbeiter zu identifizieren. In deutschen Flughäfen wurde das Gerät bei den ausbleibenden Fieberkontrollen bisher vermisst. Zurecht?

    Schtscherbakow ist sich sicher: Eine Wärmebildkamera ist ein Gerät mit strategischer Bedeutung. Man könne damit gesundheitliche „Anomalien“ erkennen, sagt der IT-Techniker, und nicht nur Büro- und Industrieräume, sondern vor allem Bahnhöfe, Flughäfen, Einkaufszentren und anderen öffentlichen Orte damit ausstatten. 

    Eine heikle Software, 

    die gerade für viele Diskussionen sorgt, ist allerdings die sogenannte Corona-App, die in mehreren Ländern zum Einsatz kommt. In Australien haben innerhalb von zwölf Stunden 1,13 Millionen Menschen eine App zur Corona-Eindämmung heruntergeladen. In Russland wird ein vergleichbares System zur Verfolgung von Kontakten mit Erkrankten auf Grundlage der Geolokalisierungsdaten im Einsatz sein. In Deutschland hofft die Bundesregierung, dass eine dezentrale Speicherung von Kontaktdaten die Akzeptanz für die geplante App erhöhen wird. Die App soll die Zurückverfolgung der Kontakte von Infizierten beschleunigen. Trotzdem bestehen weitere Datenschutzbedenken. Ist die Befürchtung, die Technologie könnte künftig doch zur Überwachung der Bevölkerung eingesetzt werden, begründet?

    „Viele digitale Giganten wie Google und Facebook nutzen bereits unsere Daten als eine Art Bezahlung für die Nutzung kostenloser Dienste. Es besteht immer die Möglichkeit einer Überwachung“, kommentiert Schtscherbakow.

    Allerdings sei es eine Gewissensfrage des Ausführenden solcher Maßnahmen.

    lk/ae

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    Tags:
    Computerkriminalität, Cyberkriminalität, Kriminalität, Hackerattacken, Hackerangriff, Hacker, Coronavirus