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    Der Theaterregisseur Frank Castorf ruft zu „republikanischem Widerstand“ gegen die Pandemie-Maßnahmen auf. Er wolle sich „von Frau Merkel nicht sagen lassen“, dass er sich „die Hände waschen muss“. Die Kritik aus Medien und dem Internet an diesen Aussagen ließ nicht lange auf sich warten.

    Der Theaterregisseur Frank Castorf hält die Corona-Maßnahmen für überzogen. „Mich stört in der momentanen Krise der Grad der Ideologisierung“, sagte der 68-Jährige in einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“.

    „Man schreibt mir vor, was ich zu denken, was ich zu tun habe.“

    Castorf, laut „Spiegel“ der „wohl einflussreichste deutsche Theaterregisseur der vergangenen 30 Jahre“ äußerte Zweifel daran, „dass im Augenblick der Nutzen dem Aufwand entspricht“. „Wenn die Deutschen jetzt anfangen, aufgehetzt durch ihre Regierung, nicht bloß sich selbst dauernd gegenseitig zu erziehen, sondern die ganze Welt, dann finde ich das unverschämt“, so der ehemalige Intendant der Berliner „Volksbühne“.

    Der Theatermacher kritisierte den „Hauruck-Aktionismus“, mit dem das „Momentane zum einzigen Maßstab“ erklärt werde. Er fügt hinzu:

    „Die Vorschriften und Gesetze sind ein Eingriff in unsere abendländische Normalität. Man schreibt mir vor, was ich zu denken, was ich zu tun habe. Da werde ich unwirsch, da werde ich unbotmäßig, das lasse ich mir nicht gefallen. Meine Erfahrung aus der DDR sagt mir, dass mir niemand vorschreibt, wie ich mich benehmen muss. Es sind offenbar keinerlei verlässliche Zahlen da. Nicht über die Infizierten, nicht über die Wiedergenesenen, die Antikörper gebildet haben.“

    „Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung.“

    Castorf weiter:

    „Ich möchte mir von Frau Merkel nicht mit einem weinerlichen Gesicht sagen lassen, dass ich mir Hände waschen muss. Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung.“ Er selbst sei Fatalist und habe keine Angst vor dem Tod. „Wenn ich todkrank werde, werde ich sagen: Es war ein gutes Leben, ich habe gekämpft.“

    ​Er arbeite im Theater, da würde man sich „die Bereitschaft zum Fantasieren, zum Nachdenken über das, was außerhalb geschieht“ erhalten. Zumal sei er weder Biologe noch Mediziner.

    „So ein erbärmlicher Horizont“

    Derartige Erklärungsansätze reichen dem „Mainstream“ nicht. Auf Twitter ist es schwer einen positiven Kommentar zu dem Interview zu finden, die meisten Medien üben schwere Kritik an Castorf.

    Christina Böck, Feuilleton-Ressortleiterin bei der Wiener Zeitung, verweist natürlich auf die Toten in Bergamo und die Särge, die sich in den USA stapeln würden. Das Schlagtot-Argument für jede Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Ihr Fazit zu Castors Aussagen:

    „So ein erbärmlicher Horizont ist selbst eines gewohnt provokanten Künstlers nicht würdig.“

    ​Markus Decker sieht in einem Kommentar für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), wie sich Castorf „nach rechts verrennt“. Der Korrespondent der Dumont-Hauptstadtredaktion hält sich unter anderem an einem Kommentar von Castorf zu 1945 auf:

    Eine Lanze für den „widerlichsten Frauenverächter“?

    „Die Deutschen verdanken ihre geschenkte Freiheit historisch Russland und Amerika, die sie 1945 befreit haben. Wenn sie jetzt anfangen, aufgehetzt durch ihre Regierung, nicht bloß sich selbst dauernd gegenseitig zu erziehen, sondern die ganze Welt, dann finde ich das unverschämt.“

    Decker korrigiert: „Nachdem sowjetische – nicht russische – Truppen 1945 halfen, (Ost-)Deutschland von der nationalsozialistischen Diktatur zu befreien, ließen sie anschließend an gleicher Stelle eine zweite Diktatur errichten.“

    Dass Castorf sich positiv über die Befreiung von sowjetischen Soldaten äußert, scheint schwer zu wiegen, noch schlimmer ist, allerdings, dass er den US-Präsident Donald Trump positiv erwähnt. Das bringt den Autor des RND-Kommentar zu dem Fazit:

    „Dass einer, der Merkel nicht mag, für den weltweit größten und widerlichsten Frauenverächter eine Lanze bricht – allerspätestens das richtet sich selbst.“

    ​Unter „republikanischem Widerstand“, wie ihn Castorf fordert, versteht Decker dann auch Widerstand, „den selbsternannte Linke, bekannte Rechte, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker seit einigen Wochen exakt vor jener Volksbühne proben, an der besagter Frank Castorf so lange Chef war.“ Er meint:

    „AfDler und Pegidisten könnten große Teile des Interviews ohnehin problemlos unterschreiben.“

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