15:20 31 Oktober 2020
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    Das dem Konzern Gazprom gehörende Schiff „Akademik Cherskiy“, das als möglicher Fertigbauer von Nord Stream 2 betrachtet wird, hat erneut einen Kurswechsel gemeldet. Dies berichten russische Medien unter Berufung auf Daten der Monitoring-Ressourcen Marine Traffic.

    Statt des zuvor angekündigten Endziels in Nachodka soll das Schiff nun nach Kaliningrad unterwegs sein, wo es am 1. Juli ankommen soll. Dabei soll das Schiff seinen Weg über die Skagerrak-Straße fortsetzen, die die Nord- und die Ostsee verbindet. Auf seinem Weg nach Kaliningrad soll das Schiff offenbar das Gebiet der Bauschlussetappe von Nord Stream 2 passieren.

    Immer wieder neues Endziel

    Im Februar hatte die „Akademik Cherskiy“ ihren langfristigen Ankerort, den Hafen von Nachodka im Fernen Osten, verlassen und Kurs auf Singapur genommen, wo es am 22. Februar hätte ankommen sollen. Allerdings hatte das Schiff dann auch sein weiteres Reiseziel - Sri Lanka - passiert. Danach wurde der Kurs bis zur Stadt Suez verlegt, die Route dann aber wieder geändert: auf den Hafen Maputo in Mosambik. Danach war das Schiff auf dem Weg nach Kapstadt und hätte am 10. April in Kongo ankommen sollen.  Danach änderte es seinen Kurs in Richtung Las Palmas. Von dort aus wurde die Route in die ägyptische Hafenstadt Port Said verlegt, wo das Schiff am 30. April erwartet worden sei. Allerdings passierte es die Straße von Gibraltar nicht und nahm Kurs auf den Nordatlantik, und zwar auf den Hafen Aberdeen in Großbritannien. Am Sonntag änderte die „Akademik Cherskiy“ erneut ihr Endziel.

    Eventueller Retter von Nord Stream 2

    Im Dezember 2019 hatte Russlands Energieminister Alexander Nowak erklärt, der Gazprom-Rohrverleger „Akademik Cherskiy“ sei eine der Varianten für den Fertigbau von Nord Stream 2, allerdings werde eine gewisse Zeit für die zusätzliche Vorbereitung des Schiffs erforderlich sein.

    Nord Stream 2

    Die Pipeline Nord Stream 2 hat einen geschätzten Wert von umgerechnet etwa 9,5 Milliarden Euro. Erdgas aus Russland soll in die EU durch zwei parallel verlaufende Stränge von mehr als 2400 Kilometer Gesamtlänge fließen – bis zu 55 Milliarden Kubikmeter jährlich. Die Leitung verläuft durch das Territorialgewässer Russlands, Finnlands, Schwedens, Dänemarks und Deutschlands.

    Gegner und Befürworter

    Mehrere Länder stemmen sich gegen das Projekt: Die Ukraine befürchtet schwere Einbußen nach einem möglichen Wegfall des russischen Gastransits durch ihr Territorium. Polen, Lettland und Litauen lehnen das Vorhaben als politisch motiviert ab. Und die USA wollen russisches Pipelinegas in Europa durch ihr deutlich teureres verflüssigtes Erdgas (LNG) ersetzen.

    Im Dezember 2019 hatte der US-Senat Sanktionen gegen das Gasprojekt Nord Stream 2 in seinen Gesetzentwurf über den Rüstungsetat (NDAA/National Defense Authorization Act) für 2020 einbezogen. Der amerikanische Staatschef, Donald Trump, unterschrieb das Dokument am 20. Dezember.

    Die aktivsten Befürworter der Leitung sind Deutschland und Österreich. Beide Länder sind der Ansicht, dass das Projekt die Energiesicherheit Europas stärken wird, und weisen auf die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant hin. Präsident Putin zufolge soll der ukrainische Gastransit auch nach dem Fertigbau dieser Pipeline bestehen bleiben.

    Moskau spricht von konkurrenzfähigem Projekt

    Moskau hatte mehrmals erklärt, dass Nord Stream 2 ein ausschließlich kommerzielles und konkurrenzfähiges Projekt sei. Russlands Vize-Energieminister Pawel Sorokin sagte Mitte Februar in Berlin, die Ostsee-Gaspipeline werde bis Ende 2020 oder spätestens bis Anfang 2021 fertiggebaut.

    ak/ae

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    Tags:
    Kaliningrad, Kurs, Gazprom, Nord Stream 2