15:50 19 September 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    199222
    Abonnieren

    US-Präsident Trump hat schon interessante Heilideen für die Corona-Pandemie öffentlich ins Gespräch gebracht - die naheliegendste war noch das Malariamedikament Chloroquin. Lichttherapie und interne Anwendung von Desinfektionsmitteln waren da schon etwas weiter hergeholt. Eine Studie zeigt nun ein Resultat solcher Gedankenspiele

    Nicht nur US-Präsident Trump, auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro sind Fans der Malariaheilmittel Hydroxychloroquin und Chloroquin im Kampf gegen Covid-19. Auch der Unternehmer und Tesla Gründer Elon Musk hatte Mitte März auf Twitter geschrieben:

    „Vielleicht eine Überlegung wert: Chloroquin bei C19“

    Nachfrage nach Medikamenten stiegt um fast 1400 Prozent an

    Derartige öffentliche Empfehlungen von Prominenten führten dazu, dass die Nachfrage nach unerprobten und möglicherweise sogar gefährlichen Medikamenten stark ansteige. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie, die im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde. Demnach erhöhte sich in den USA die Zahl der Google-Suchanfragen nach den zwei Malariamedikamenten im März deutlich, nachdem erst Elon Musk und danach Donald Trump sie als möglicherweise wirksame Mittel gegen das neuartige Coronavirus beworben hatten.

    Suchanfragen nach Kaufmöglichkeiten des Wirkstoffs Chloroquin schnellten demnach um 442 Prozent in die Höhe, Anfragen nach Hydroxychloroquin sogar um 1389 Prozent, schreibt das Team um Erstautor Michael Liu von der britischen Universität Oxford. Das Interesse der Suchenden an den beiden Mitteln war demnach auch dann noch überdurchschnittlich hoch, nachdem Ende März ein erster Chloroquin-Vergiftungsfall bekannt geworden war.

    Die Forscher nutzten Google Trends, ein öffentlich zugängliches Suchmaschinen-Archiv, und analysierten Anfragen mit den Begriffen Chloroquin und Hydroxychloroquin zwischen Anfang Februar und Ende März. Die ersten Äußerungen von Musk und Trump fielen in die Woche ab dem 16. März. Um nur solche Suchanfragen herauszufiltern, die von einem Kaufinteresse geleitet wurden, berücksichtigten die Wissenschaftler lediglich Begriffskombinationen aus den jeweiligen Wirkstoffen und Wörtern wie „kaufen“, „bestellen“ oder den Namen großer Onlinehändler. Danach verglichen sie das Ergebnis mit der Häufigkeit früherer Suchanfragen zu diesen Begriffen.

    Trump empfahl auch die interne Anwendung von Desinfektionsmittel

    „Die vorliegende Analyse legt nahe, dass die Nachfrage nach ungeprüften und womöglich riskanten Covid-19-Behandlungen in Zeiten von Krisen des Gesundheitswesens durch Werbung massiv ansteigt“, kann man in der Studie, an der auch viele US-Forscher beteiligt waren, lesen. „Therapien, die nicht durch ausreichende Nachweise gestützt werden (...), sollten nicht von Personen des öffentlichen Lebens angepriesen werden.“

    Weiter heißt es: Das Bewerben solcher Medikamente könne „zur unbeaufsichtigten Anwendung mit gefährlichen Konsequenzen für die Menschen, die sie einnehmen, führen.“ Zudem könne es passieren, dass die Mittel gehamstert würden ­ und dann denen fehlten, die sie wirklich brauchten.

    Das könnte auch bei Desinfektionsmittel passieren. Nachdem Trump auf einer Pressekonferenz darüber nachgedacht hatte, das Mittel gegen das Coronavirus zu spritzen, oder anderweitig Kranken zuzuführen, sah sich unter anderem der führende Desinfektionsmittel-Anbieter in Großbritannien „Dettol“ dazu genötigt öffentlich davor zu warnen:

    Laut einem Bericht der „New York Daily Post“ seien bei den New Yorker Gesundheitsbehörden am Tag nach Pressekonferenz doppelt so viele Meldungen von Menschen, die Desinfektionsmittel getrunken haben, als im gleichen Zeitraum im Jahr davor eingegangen. Das „Poison Control Center“ in New York verzeichnete zwischen Donnerstagabend und Freitagnachmittag 30 entsprechende Fälle. Trump sagte anschließend, seine Bemerkung zu Desinfektionsmittel sei „sarkastisch“ gemeint gewesen. Er könne sich nicht erklären, warum die Nachfragen nach dem Mittel anschließend zugenommen hätten.

    Die Weltgesundheitsorganisation hat schon Ende März davor gewarnt, Medikamente gegen das Coronavirus einzusetzen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. In einer vor einigen Tagen präsentierten US-Studie hatten Covid-19-Patienten, die Hydroxychloroquin bekamen, sogar eine höhere Sterblichkeitsrate als die der Vergleichsgruppe. Bei einer Studie über die Wirksamkeit von Chloroquin zur Behandlung von Patienten mit dem Coronavirus sind in Brasilien Anfang April elf Patienten gestorben.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Machen uns sehr angreifbar“: CSU-Urgestein und Rechtsanwalt Gauweiler zum Fall Nawalny – Exklusiv
    Fall Nawalny: Deutsche Eliten und „Ausdruck eines Niedergangs“ – Experte Fischer knallhart
    US-Trägerkampfgruppe in den Persischen Golf eingelaufen
    USA kündigen Verlegung von Schützenpanzern in den Nordosten Syriens an
    Tags:
    Chloroquin, Studie, USAF, Donald Trump