08:24 01 Dezember 2020
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    Mindestens neun Menschen sind am Donnerstagmorgen infolge eines Giftgaslecks von einer Chemiefabrik in Visakhapatnam im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh ums Leben gekommen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf die Mitteilung der lokalen Polizei.

    Demnach sind mindestens neun Menschen gestorben und zwischen 300 und 400 ins Krankenhaus gebracht worden. Weitere 1500 Menschen seien evakuiert worden, die meisten aus einem Nachbardorf, sagte der stellvertretende Polizeikommissar in Visakhapatnam, Swarupa Rani.

    „Hunderte Menschen haben es eingeatmet und wurden entweder bewusstlos oder hatten Atembeschwerden“, schrieb die Sprecherin der Stadtverwaltung Srijana Gummalla auf Twitter.

    ​Primary report is PVC gas (or Styrene) leaked from LG Polymers, Vepagunta near Gopalapatnam in Visakhapatnam at around 2:30 AM today
    Because of the leakage of the said compound gas hundreds of people have inhaled it and either fell unconscious or having breathing issues. pic.twitter.com/WeCdrbddV1

    ​Laut den lokalen Behörden handelt es sich um ein Styrol-Leck in einer Fabrik von LG Polymers, das in den frühen Morgenstunden am Donnerstag aufgetreten ist. Styrol ist eine farblose, giftige Flüssigkeit, die zur Herstellung verschiedener Polymere verwendet wird. Das Einatmen der Dämpfe führt zu Kopfschmerzen; bei längerer Einwirkung kann es zu Leber- und Nervensystemkrankheiten kommen.

    ​Nach Informationen der Zeitung „Times of India“ ist ein achtjähriges Mädchen unter den Todesopfern. Insgesamt wird von acht Toten berichtet. Nach Angaben der Zeitung hatten rund 5000 Menschen nach dem Unfall Gesundheitsprobleme.

    ​Der Vorfall habe in einem Umkreis von drei Kilometern um die Fabrik Panik unter den Ortsbewohnern ausgelöst. Viele Menschen hätten das Bewusstsein verloren und auf der Straße gelegen. Andere hätten Atemprobleme bekommen.

    Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, ihre Häuser zu verlassen und sich in sichere Gebiete zu begeben. Auch wurde empfohlen, eine mit Wasser getränkte Gesichtsmaske zu tragen, um die Atemwege vor giftigen Dämpfen zu schützen. Die Katastrophenschutzbehörde hilft bei der Evakuierung von Menschen aus den gefährdeten Gebieten.

    ​Nach Angaben der Zeitung soll der Regierungschef des Bundesstaates zum Unfallort kommen.

    Inzwischen teilte der Eigentümer des Werks, das südkoreanische Unternehmen LG Chem, mit, der Gasaustritt im Werk von LG Polymers in Indien sei unter Kontrolle gebracht worden. Das Unternehmen untersuche die Ursache des tödlichen Unfalls und das Ausmaß des Schadens, hieß es.

    ​1984 kam es in Indien zu einer der schlimmsten Chemiekatastrophen in der Geschichte. Damals entwichen aus einer Pestizid-Fabrik in Bhopal Tonnen der hochgiftigen Verbindung Methylisocyanat und sie legten sich wie eine Decke über die Stadt. Nach Angaben von Menschenrechtlern starben mehr als 20.000 Menschen, Hunderttausende erkrankten.

    asch/ae/rtr/sna/dpa

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    Tags:
    Unfall, Chemiefabrik, Giftgas, Gas, Indien