22:46 12 Juli 2020
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    Eine WDR-Journalistin hat Valéry Giscard d’Estaing angezeigt. Ann-Kathrin Stracke wirft dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten sexuelle Belästigung nach einem Interview in Paris vor.

    Wie 1.wdr am Mittwoch berichtete, hatte Stracke im Dezember 2018 Giscard d’Estaing für einen Beitrag zum 100. Geburtstag von Helmut Schmidt interviewt. Das Interview in Paris sei zuerst sehr gut verlaufen, sagte Stracke gegenüber dem WDR. Als sich das Fernsehteam und der ehemalige Staatspräsident nach dem Gespräch für ein Gruppenfoto aufstellten, habe der damals 92-Jährige sie mehrmals berührt.

    „Während des Fotos ist die Hand von Monsieur Giscard d’Estaing auf meine Taille gewandert. Dann Richtung linke Gesäßhälfte. Und dort verharrt“, sagt Ann-Kathrin Stracke. „Ich habe versucht, die Hand wegzudrücken. Es ist mir nicht gelungen“, so Stracke.

    Der Kameramann des WDR-Teams habe ihr aus der Situation geholfen: Er habe absichtlich einen Lampenschirm fallen lassen.

    Strafanzeige nach Protestschreiben

    Nach der Dienstreise bezeugte Strackes Kollege die Belästigung – und gab sie später auch bei einem Anwalt zu Protokoll. Der Sender schickte nach eigenen Angaben im Juni 2019 ein Protestschreiben an das Pariser Büro von Giscard d’Estaings. Darin heißt es unter anderem: „Wir können nicht tolerieren, dass unsere Mitarbeiter mit solchen Situationen konfrontiert werden.“ Einen Monat später hieß es aus dem Pariser Büro Giscard d’Estaings, man habe den Protestbrief zur Kenntnis genommen.

    Mitte März stellte Ann-Kathrin Stracke in Frankreich gegen den ehemaligen Staatspräsidenten Strafanzeige. Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, zitiert 1.wdr die Reporterin.

    „Ich habe mehr als drei Mal überlegt, ob ich das tue.“ Sie habe sich dazu entschlossen, mit dem Geschehen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Ich finde, die Menschen sollen das wissen.“

    Der WDR hat Giscard d’Estaing danach um eine Stellungnahme gebeten. Sein Anwalt teilte am Montag dieser Woche mit: „Das Büro des Präsidenten erklärt, keine Kenntnisse von dieser gerichtlichen Initiative zu haben und bittet mich, Ihnen mitzuteilen, dass es folglich keine Reaktion abgibt.“ Bürochef Olivier Revol sagte in einem Telefonat mit der Süddeutschen Zeitung, es tue Giscard d'Estaing sehr leid, wenn die Vorwürfe stimmen sollten. Revol wies auf das hohe Alter Giscard d'Estaings hin.

    leo/ae

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    Tags:
    Anzeige, Vorwurf, sexuelle Belästigung, Präsident, Journalistin, WDR