12:23 06 Juli 2020
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    Es gibt immer mehr Belege dafür, dass das Coronavirus bereits im Dezember in Europa im Umlauf gewesen ist. Bestätigt sind Fälle aus Frankreich und Italien. Dies belegt auch eine neue Studie aus London. Das würde den zeitlich unterschiedlichen Kurvenverlauf in verschiedenen Ländern erklären. Über den Virus-Ursprung sagt dies jedoch noch nichts aus.

    Das neuartige Coronavirus war womöglich bereits im Dezember 2019 in Europa angekommen. Dies bestätigen Fälle aus Frankreich und Italien, die nachträglich dem Coronavirus zugeordnet werden konnten. Eine Studie der Universität von London, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Virus wohl schon Ende 2019 von einem Tier auf den Menschen übersprang und sich dann nicht nur in China, sondern weltweit in rasendem Tempo ausbreitete.

    Erster bestätigter Fall in Frankreich am 27. Dezember

    Eine am Montag veröffentlichte Studie aus Paris zeigt, dass es in Frankreich schon Ende 2019 und damit knapp einen Monat früher als bislang bekannt die erste Covid-19-Infektion gegeben hat. Laut der französischen Forscher habe man alte Proben an einer Klinik in Paris von damaligen Patienten mit Atembeschwerden nochmals analysiert. Dabei habe eine Probe mit dem Datum 27. Dezember nun angeschlagen. Bislang waren die ersten positiven Tests in Frankreich auf den 24. Januar datiert worden. Die Probe vom 27. Dezember 2019 wurde einem Mann entnommen, der Corona-ähnliche Symptome hatte und über 15 Tage hinweg krank war. Auch seine Kinder erkrankten. Wo er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, sei bis jetzt unklar.

    Auch in Italien war Corona wohl schon im Dezember unterwegs

    Ähnliche rückwirkende Untersuchungen wurden in Italien angestellt. So berichtet die italienische Zeitung „Il Post“: „Heute wird es als wahrscheinlich angesehen, dass das Coronavirus seit Dezember in der Lombardei verbreitet ist."
    Von Oktober bis Dezember hatte es in der Lombardei eine signifikant höhere Zahl von Grippeerkrankungen und Lungenentzündungen gegeben.

    Dies würde erklären, warum das Virus in manchen Ländern, wie gerade Italien oder Frankreich bereits Mitte März zu hohen Infektionszahlen führte, während die Kurve in anderen Ländern zu dem Zeitpunkt noch flach verlief.

    Auch Großbritannien wohl schon im Februar betroffen

    Zuvor war man davon ausgegangen, dass es erst im Januar zu ersten Infektionen in Europa kam. Großbritannien ergriff erst Ende März Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Inzwischen gelten jedoch auch für Großbritannien erste Corona-Fälle zumindest bis Februar zurückgehend als wahrscheinlich. So berichtet Kári Stefánsson, Gründer der isländischen Virenanalyse-Firma „deCODE Genetics“ in einem Interview für die „Science Museum Group“: „Das Virus hatte sich im Vereinigten Königreich schon viel früher und weiter als bisher angenommen verbreitet. Möglicherweise kamen von dort sogar schon früher Infizierte als aus den Alpen. Wir wissen es nicht genau, aber diese Fälle könnten bereits im Februar aufgetreten sein.

    WHO fordert Untersuchung möglicher früher Corona-Fälle

    Der offizielle Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Christian Lindmeier, hat nun diese Woche in Genf alle Staaten dazu aufgeforderte, ähnliche Krankheitsfälle von Ende 2019 nachträglich auf eine Coronavirus-Infektion hin zu überprüfen. Es sei möglich, dass sich noch mehr Patienten mit Lungenentzündung als frühe Corona-Fälle entpuppen, sagte Lindmeier. Diese Fälle zu entdecken, würde dazu beitragen, dass die Welt sich ein „neues und klareres Bild“ des Ausbruchs machen könnte.

    Sprung von Tier auf Mensch wohl Ende 2019

    Wissenschaftler der University of London haben nun das Genom von mehr als 7500 Sars-CoV-2-Viren analysiert. Im Fachblatt „Infection, Genetics and Evolution" berichtet das internationale Forscherteam, wie sich anhand des Erbgutes der Viren erkennen lässt, wie sich der Erreger weltweit ausgebreitet hat. So kursierte der gemeinsame Vorfahre aller untersuchten Sars-CoV-2-Viren wohl schon Ende vergangenen Jahres. Die Forscher schließen aus ihrer Untersuchung des Erbgutes, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Erreger erst dann den Sprung auf den Menschen schaffte. Die Wissenschaftler halten theoretisch sogar einen etwas früheren Zeitpunkt für die „Stunde Null“ für möglich: „Phylogenetische Schätzungen lassen vermuten, dass die Pandemie zwischen dem 6. Oktober und 11. Dezember begann, was dem Zeitraum entspricht, in dem das Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist.", heißt es in der Studie. Allerdings konnten die Forscher anhand des Genoms nicht ausmachen, wo genau die Pandemie ihren Anfang nahm.

    Wo hat das Virus seinen Ursprung?

    Bisher ging man davon aus, dass die ersten Fälle der bis dahin unbekannten Lungenkrankheit im Dezember 2019 in der chinesischen Metropole Wuhan auftraten. Die chinesischen Behörden vermuten, dass der Ausbruch auf einen Markt für wilde Tiere zurückzuführen ist. Am 31. Dezember unterrichtete China die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die neue Lungenkrankheit.

    US-Außenminister Mike Pompeo hatte wiederholt gemutmaßt und in einem Interview sogar von „überwältigenden Hinweisen“ gesprochen, dass der neuartige Erreger aus einem Forschungslabor in Wuhan stamme. Die US-Geheimdienste widersprachen jedoch, Beweise zu haben, dass das Virus „menschengemacht“ sei.

    Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump China vorgeworfen, schwere Versäumnisse beim Ausbruch des Coronavirus zugelassen zu haben. Das Virus hätte in China gestoppt werden können, bevor es sich weltweit ausgebreitet habe. China müsse zur Verantwortung gezogen werden, sollte sich herausstellen, dass die Volksrepublik für den Ausbruch verantwortlich sei, so Trump.

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    Tags:
    Herkunft, Frankreich, Coronavirus, Wuhan