11:30 02 Dezember 2020
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    Am Dienstag hat das Schweizerische Bundesamt für Umwelt einen ersten Bericht über das Pilzbekämpfungsmittel Chlorothalonil veröffentlicht. Die Abbauprodukte dieses Pestizids wurden 2019 als gesundheitsgefährdend eingestuft. Der Bericht zeigt, dass durch die Konzentration der Abbauprodukte eine Verunreinigung des Grundwassers vorliegt.

    Die Schweiz bezieht 80 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser, welches durch den Regen in die Erde einsickert. Dabei sind viele dieser Flächen, in denen Regen einsickern kann landwirtschaftlich bebaut. Das wiederum hat zur Folge, dass gängige Pestizide ins Grundwasser gelangen. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) veröffentlichte am Dienstag einen Bericht, welcher die Konzentration des Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil im Grundwasser aufzeigt.

    Gesundheitsgefährdende Stoffe im Trinkwasser

    Dieser Bericht ist bedeutend, da der Effekt von Abbauprodukten von Chlorothalonil (Metaboliten) 2019 neu eingeschätzt wurde. Im Dezember letzten Jahres hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BVL) diese als Trinkwasser-relevant eingestuft. Das heißt, dass der Wirkstoff eine gesundheitsschädigende Wirkung zeigen kann, wenn eine gewisse Konzentration davon im Wasser zu finden sei.

    Daraufhin hat das Bafu Werte gesammelt, um die Konzentration der schädlichen Metaboliten im Grundwasser nachzuweisen. Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Orte eine Konzentration von mehr als 0.1 Mikrogramm per Liter aufweisen. Laut dem Bafu zählen diese Werte als eine „erhebliche Verunreinigung“ des Grundwassers.

    12 Kantone betroffen

    Dabei sind es besonders die Metaboliten R471811, R417888 und R419492, welche das Wasser verunreinigen. Vor allem R471811 sei großflächig in größeren Konzentrationen vorhanden, die 0.1 Mikrogramm und zum Teil sogar 1 Mikrogramm pro Liter überschreiten.

    Laut bisherigen Untersuchungen seien 12 Kantone von einer Beschmutzung betroffen. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2017 und 2018. Vorerst liegen Resultate jedoch nur von einem Bruchteil von der Messstellen. Im Sommer 2020 werden weitere Resultate von Messungen aus dem Jahr 2019 veröffentlicht.

    Kritik an Behörden

    Dagegen vorgehen will auch die neue „Trinkwasserinitiative“, deren Volksabstimmung nun voraussichtlich ins Jahr 2021 fällt. Franziska Herren, eine Promotorin der Initiative, sehe diese Resultate als erschreckend an, so die Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger: „Wir alle bezahlen also für die Pestizidbelastung in unserem Trinkwasser.“ Es seien schließlich die Steuergelder, welche die hochsubventionierte Landwirtschaft mitfinanzieren. Die hohe Belastung des Grundwassers mit den Metaboliten von Chlorothalonil zeigt somit die Dringlichkeit für die Initiative.

    Trotz dieses neuesten Stands bleibe jedoch das Trinkwasser für die Schweizer Gesamtbevölkerung ungefährdet. Der Konsum von Leitungswasser bestehe weiterhin bedenkenlos laut dem BVL. So äußerte sich der Leiter des Interkantonalen Labors, Kurt Seiler, zum „Tages-Anzeiger“. Aufgrund des Einsatzverbotes von Chlorothalanil solle nach Seiler die Belastung zurückgehen. Er strebe dennoch nach besserer Qualität des Trinkwassers und der künftigen Vermeidung von „großflächiger Kontamination“ von Pestiziden.

    lm

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    Tags:
    Grundwasser, Pestizide, Schweiz, Landwirtschaft