18:40 25 November 2020
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    Wegen des faktischen Berufsverbots aufgrund der Corona-Pandemie befinden sich viele Prostituierte in Deutschland in einer Notlage. Berufsverbände sprechen sich für eine möglichst baldige Lockerung unter Sicherheitsauflagen aus. Wie kann das funktionieren?

    Die Corona-Pandemie trifft das älteste Gewerbe der Welt mit aller Härte, denn die verhängten Maßnahmen kommen einem Berufsverbot gleich – viele der geschätzt 100.000 Prostituierten sind derzeit ohne Einkommen, manche deswegen auch wohnungslos. „Die Situation ist katastrophal, die Pandemie verschärft Probleme wie Armut, mangelnden Gesundheitsschutz und Wohnungslosigkeit“, bestätigt Susanne Bleier-Wilp, Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD). Die Hilfe, die aus einem Notfallfonds von 25.000 Euro aus privaten Spenden geleistet werden konnte, war ein Tropfen auf den heißen Stein. Bleier-Wilp fordert daher, dass der Staat aktiv wird.

    Einzelne Stiftungen und Anlaufstellen versuchen, den in Not geratenen Frauen mit „Care-Paketen“ zu helfen, die Lebensmittel und Hygieneartikel enthalten. Doch auch das kann den oft bitterarmen, aus Rumänien oder Bulgarien stammenden Frauen nicht dauerhaft helfen.

    Betrieb unter Auflagen?

    Ob und wann die Lockerungen der Corona-Maßnahmen für die Prostituierten kommen, ist unklar. Der BesD vertritt die Ansicht, der Betrieb könnte unter Auflagen durchaus wieder aufgenommen werden.

    „Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, die nun erst einen verstärkten Umgang mit Hygiene erlernen müssen, gehören vorbeugende Maßnahmen gegen Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu unserem Arbeitsalltag. Sexarbeitende sind gewohnt und in der Lage, mit dem Thema Infektionsschutz verantwortungsvoll umzugehen“, gibt Undine de Rivière vom BesD zu bedenken.

    Dazu, wie Sexarbeit trotz Corona-Pandemie wieder möglich sein soll, hat der Berufsverband ein Maßnahmenpaket erstellt. So sollen am Arbeitsplatz ausreichend Handdesinfektionsmittel und Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt und konsequent angewendet werden. An den erotischen Dienstleistungen sollen nie mehr als zwei Personen beteiligt sein und die Kunden müssen zwecks Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wenn Kunden sich weigern, die Sicherheitsmaßnahmen zu befolgen, oder wenn sie Symptome einer Atemwegserkrankung oder Fieber zeigen, sollen diese von der erotischen Dienstleistung ausgeschlossen werden.

    Leitfaden für Sicherheitsmaßnahmen

    Für Sexarbeit in Wohnungen, Wohnwagen und im Rahmen von Haus- und Hotelbesuchen sieht der Leitfaden identische Empfehlungen vor. So soll nur nach Termin gearbeitet und zuvor mit dem Kunden per Telefon oder E-Mail über die Sicherheitsmaßnahmen gesprochen werden. Arbeitsräume, Sanitärräume und etwaige Arbeitsgeräte wie Sexspielzeug müssen vor jedem neuen Kundenkontakt gesäubert werden, die Betten frisch bezogen, Handtücher und Kleidung gewechselt werden. Das Duschen und Händedesinfektion vor und nach dem Akt gehören genauso dazu wie das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes und der Verzicht auf Oralverkehr.

    Auch die Arbeit auf dem Straßenstrich soll laut dem Berufsverband möglich sein, hier würden aber andere Regeln gelten. Falls nach der Anbahnung der eigentliche Akt in einem Stundenzimmer stattfinde, würden hier die gleichen Regeln gelten wie für die Prostituierten, die in Wohnungen, Wohnwagen oder Hotels arbeiten. Einige Strichplätze hätten zudem Hygiene-Konzepte für Verrichtungsboxen. Jedoch seien die auf dem Straßenstrich arbeitenden Frauen oft Angehörige marginalisierter Gruppen, die über keinerlei finanzielle Mittel verfügen, um einen Vorrat an Atemschutzmasken, Desinfektionsmitteln usw. zu kaufen.

    „Die auf dem Straßenstrich mitzuführenden Dinge müssen von den Beratungsstellen vor Ort oder den Beratungsstellen/Gesundheitsämtern mit aufsuchender Beratung zur Verfügung gestellt werden. Dies sollte nicht zu Lasten der knappen finanziellen Mittel der Beratungsstellen fallen, sondern aus öffentlichen Mitteln getragen werden“, appelliert der Verband.

    Offizielle Anleitungen oder weiter Verkehr im Verborgenen?

    Zur Anbahnung der Dienstleistung sollen sich die Prostituierten auf dem Straßenstrich nun nicht mehr ins Fahrzeugfenster hineinlehnen. Was die anzubietenden Dienstleistungen und die Verwendung von Atemschutzmasken angeht, gelte für sie das Gleiche wie für die Kolleginnen. Duschen und Wechseln der Kleidung nach jedem Kundenkontakt ist unter diesen Bedingungen freilich nicht zu leisten. Der Verband empfiehlt das Mitführen und regelmäßige Anwenden von Handdesinfektionsmittel sowie nach Möglichkeit das Wechseln der Kleidung einmal täglich. Zur Aufnahme der Kontaktdaten wird empfohlen, sich das Autokennzeichen zu notieren.

    Branchen-Insider sagen: Trotz Verbots und strenger Kontrollen der Bordelle geht das Geschäft mit der käuflichen Liebe auch in Corona-Zeiten im Verborgenen weiter. Nach Ansicht eines Virologen, den die DPA anonym zitiert, kann das katastrophale Folgen haben. Er sagt: Wenn überhaupt, dann können Prostitutionsstätten erst wieder eröffnet werden, wenn ein Corona-Impfstoff da ist. Für ein generelles Sexkaufverbot hatte sich zuletzt die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier ausgesprochen.

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    Sexarbeit, Coronavirus, Deutschland, Prostituierte, Prostitution