01:33 15 Juli 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    7617
    Abonnieren

    Ärzte des LMU Klinikums haben in einer Pilotstudie gezeigt, dass ein bestimmter Botenstoff bei Patienten mit schweren Covid-19 Verläufen erhöht ist und der Blutspiegel die Notwendigkeit eines Intensivaufenthaltes früh erkennen lässt. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

    Die COVID-19 Erkrankung könne für Patienten einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Die meisten Menschen erkranken nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 nur leicht und erholen sich rasch. Bei etwa fünf Prozent der Patienten komme es aber zu einem schweren Erkrankungsverlauf mit Atemnot, so die Wissenschaftler.

    Für Mediziner sei es sehr hilfreich früh zu erkennen, welchen COVID-19-Patienten ein Lungenversagen drohe. Einige von ihnen müssten auf der Intensivstation künstlich beatmet werden. Dagegen könnten Patienten ohne Risikomerkmale auf Normalstation oder sogar zu Hause behandelt werden. Somit könnten laut der Klinik Plätze auf Intensivstationen geschont und denjenigen zugewiesen werden, die sie wirklich brauchen.

    Röntgenbild der Lunge (Symbolbild)
    © Foto : Moscow News Agency/Handout via REUTERS
    In ihrer Studie haben Wissenschaftler nun sogenannte Biomarker gefunden, die genau diese Unterscheidung ermöglichen.Zusammen mit Kollegen des LMU Klinikums haben Dr. Tobias Herold und Dr. Tobias Weinberger, Oberärzte der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Campus Großhadern des LMU Klinikums, in einer Pilotstudie den klinischen Verlauf und die Laborparameter von 89 Patienten mit COVID-19 untersucht, die aufgrund der Schwere der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Von dieser Gruppe mussten 32 Patienten – größtenteils Männer – künstlich beatmet werden.

    Bei der Analyse der Patientendaten stellte sich heraus, dass sie alle erhöhte Werte eines Markers für Entzündungen aufwiesen – und zwar des Botenstoffs Interleukin-6, kurz IL-6.

    Mehr noch: „Ein IL-6-Wert von über 80 Pikogramm/Milliliter sowie ein CRP-Wert über 9,7 Milligramm/Deziliter während der Erkrankung sagte das spätere Lungenversagen mit hoher Genauigkeit voraus“, erklärt Dr. Tobias Herold.

    Das Risiko für ein Lungenversagen war für Patienten mit erhöhten Werten um ein Vielfaches gesteigert.

    Unklar sei weiterhin, ob IL-6 ein zentraler Faktor des ausufernden Krankheitsgeschehens in der Lunge sei oder lediglich ein Marker der Krankheitsaktivität, so die Forscher.

    Falls ersteres zutreffe, könnten Medikamente, die in diesen Entzündungsprozess eingreifen, den Erkrankungsverlauf positiv beeinflussen. Um dieser Frage nachzugehen, werde aktuell ebenfalls am LMU Klinikum eine weiterführende Studie durchgeführt. Hierbei werde versucht, den ausufernden Entzündungsprozess zu bremsen.

    sm/gs

    Zum Thema:

    „Trifft jedes Ziel in Russland“: Diese neuen Waffen entwickeln die USA
    „Wer glaubt denn, dass die Bundesrepublik wirklich verteidigt wurde?“ - Gysi in Wehrpflicht-Debatte
    Ein völkerrechtlicher Blick auf das Weltkulturerbe Hagia Sophia
    Tags:
    Covid-19, Biomarker, Blut