00:25 10 Juli 2020
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    Das Deutsche Historische Museum wirbt mit dem Slogan „Zeigen Sie uns Ihre Bilder!“ um fotodokumentierte Wendeschicksale. Amateure aus der Ex-DDR sollen am Projekt „Biografie und Geschichte. Private Fotografie in Ostdeutschland 1980-2000“ teilnehmen. Der eine oder andere mag darin eine –späte– Anerkennung sehen. Statt der Rentenanpassung vielleicht.

    Das Deutsche Historische Museum (DHM) lädt in Kooperation mit der Stiftung Reinbeckhallen dazu ein, am Forschungs- und Dokumentationsprojekt „Biografie und Geschichte. Private Fotografie in Ostdeutschland 1980-2000“ teilzunehmen. In der ersten Phase können Amateurfotografen den Projektverantwortlichen bei „Albensichtungen“ ihre Aufnahmen des ostdeutschen Alltags der Jahre 1980 bis 2000 zeigen und erklären. Die Gespräche werden aufgezeichnet und finden in Groß- und Kleinstädten in ganz Ostdeutschland statt, so das DHM.

    Ausgewählte Alben und Gesprächsaufzeichnungen werden anschließend in die Sammlung des DHM aufgenommen. Damit erweitert das Museum seine fotografische Sammlung, die bisher nur wenige private Fotografien aus ostdeutschen Kontexten enthalte, kommentierte das Museum.

    Von Jugendweihe über Republikgeburtstag bis hin zum letzten Arbeitstag  

    Anhand der privaten Aufnahmen und Kommentare sollen die biografischen und familiären Brüche, aber auch Kontinuitäten in Ostdeutschland vor und nach der „Wende“ aufgezeigt werden. Die gesammelten Quellen würden wissenschaftlich ausgewertet und stünden dann auch nach dem Projektende für weitere Forschung und Ausstellungen zur Verfügung.

    Kein Bild sei uninteressant und keines unwichtig, und ein Schuhkarton voll ungeordneter Aufnahmen könne da ebenso interessant sein wie drei gerahmte Hochzeitsbilder oder ein halber Regalmeter mit Alben, so die Stiftung Reinbeckhallen. Ob Jugendweihe oder Ostseereise, Demonstration und Kleingarten, Republikgeburtstag oder Weihnachtsfest, das neue Auto und der letzte Arbeitstag, der Westbesuch oder welcher aus dem Osten war: Man möge seine Erfahrungen und Geschichten erzählen.  

    Das Vorhaben, initiiert von dem Fotohistoriker Friedrich Tietjen und der Kulturhistorikerin Sophie Schulz, wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Schulz hat bereits ein ähnlich gelagertes Projekt betreut: Für das 100-jährige Bestehen des einstigen Gutsdorfes Klein-Machnow im Brandenburgischen stellte sie für das Heimatmuseum Schnappschüsse von Silvesterfeiern und Tanzabenden in Jugendclubs für die Schau „100 Jahre Feiern“ zusammen.

    Ob den Westdeutschen und ihrem Blick durch die Amateurlinse ein ähnliches Projekt im renommierten DHM vergönnt sein wird, ist nicht bekannt. Noch im vergangenen Jahr wurde ihnen mit der Ausstellung „Das exotische Land“ mit Reportagefotos von Stefan Moses ein kleines Denkmal gesetzt: Dem typisch westdeutschen Hausfrauenchic mit Vorkriegsperlenkettchen und bierselig-patriotischer Lederhosenbeinigkeit im Nachhall der ausgestreckten Rechten zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Der Münchener Profi-Fotograf portraitierte ab Herbst 1989 auch die Ostdeutschen für seine Serie „Abschied und Anfang“, Bilder der Bevölkerung eines untergehenden Staates. Jetzt ist sie aber selbst gefragt: Die ostdeutsche Amateurliga.

     

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    Tags:
    Porträt, Geschichte, Wende, DDR