19:33 10 Juli 2020
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    Ein 61-jähriger afroamerikanischer Bergmann aus dem US-Bundesstaat Kentucky, William Johnson, hat sich zehn Jahre lang nach dem Zweiten Weltkrieg als Adolf Hitler ausgegeben und in Hundertern von Briefen an die US-Bürger die Pläne zur Eroberung der USA, der Welt und zuletzt auch des Weltraums angekündigt. Darüber berichtet das Portal „Daily Beast“.

    Mitte 1945, nur wenige Monate nachdem Adolf Hitler in seinem Bunker Selbstmord begangen hatte, tauchten Gerüchte auf, dass der deutsche Diktator überlebt und sich zusammen mit seiner Geliebten Eva Braun außerhalb Deutschlands versteckt hätte, hieß es bei „Daily Beast“. Einer Umfrage zufolge glaubten 1947 etwa 45 Prozent der Amerikaner daran. Die Leute behaupteten, Hitler bei den Neonazi-Treffen in Kolumbien, auf einem U-Boot in Argentinien und in Brasilien gesehen zu haben. 

    Zwischen 1946 und 1956 gingen Briefe an einige Amerikaner im Namen Hitlers ein, die mit „Furrier Nr. 1“ (engl. Kürschner) unterschrieben waren. Dabei gab der Autor an, dass er trotz der falscher Schreibweise seines Titels und der englischen Sprache Adolf Hitler sei. Er und Eva Braun hätten überlebt, ein Lager in Kentucky eingerichtet, um einen „neuen Aufstand“ zu planen und die Vereinigten Staaten, dann die Welt und schließlich den Weltraum zu erobern.

    Um den Plan umzusetzen, seien in Kentucky und Idaho 116 geheime Fabriken zur Herstellung von Atombomben sowie unsichtbaren und stillen Raumschiffen gebaut worden, schrieb der vermeintliche Hitler. Zugleich seien 36.000 Deutsche dabei, die Tunnel in Richtung Washington zu bauen, hieß es.

    Viele von Johnsons Briefen wurden mit weiteren Decknamen unterschrieben, darunter „Eva Hitler“, „Eva Braun“, „Admiral Kesselring, Stabschef“ (Kesselring war tatsächlich ein Generalfeldmarschall). Manche Briefe kamen von einem „Hitler-Assistenten A. von Boguslowski“. 

    Spende für Gegenleistung 

    Alles verliefe nach Plan, berichtete „Furrier Nr. 1“, aber er brauche Hilfe in Form von großzügigen Spenden. Als Gegenleistung für finanzielle Unterstützung bot er seinen Top-Gebern prominente Posten unter dem neuen Regime an - darunter die Titel „Furrier Nr. 2“ und „Furrier Nr. 3“. Andere Anhänger, so der Pseudo-Führer, würden mit „königlichen Palästen“ und „diplomatischen Ämtern“ belohnt werden.

    Bis 1956 schickten die Empfänger der Briefe an den „Furrier Nr. 1“ mindestens 11.000 Dollar; die tatsächliche Summe konnte nach Angaben der Behörden bei fast 15.000 Dollar liegen (mehr als 140.000 Dollar bzw. über 120.000 Euro - unter Berücksichtigung der Inflation). Einer der Mitwirkenden sei ein 70-jähriger Maurer aus Virginia namens Huber gewesen, der in der ersten Hälfte der 1950er Jahre starb. Nach Hubers Tod fanden seine Verwandten Dokumente für Geldtransfers in Höhe von insgesamt 4.000 Dollar und mehrere hundert Briefe vom „Furrier Nr. 1“.

    In einer der Botschaften erhielt Huber den Titel „Furrier Nr. 2“ sowie den Posten des Befehlshabers der Nazi-Armeen im künftigen Staat, der die gesamte Erde sowie den Weltraum abdecken sollte. Außerdem stellte sich heraus, dass Huber sich mit dem Betrüger getroffen hatte, der sich jedoch mit seinem richtigen Namen vorstellte und versprach, Vermittler bei Kontakten mit Hitler zu sein.

    Entlarvung

    Am 11. August 1956 wurde der „Furrier Nr. 1“, der Bergmann und Baptistenprediger auf Teilzeitbasis, festgenommen. Der Mann bekannte sich schuldig, bestritt jedoch die Vorwürfe, zum persönlichen Vorteil gehandelt zu haben. Laut Johnson war er ein Privatdetektiv und versuchte, die subversiven Aktivitäten bestimmter Organisationen aufzudecken, die eine Revolution in den USA vorbereiteten. Zugleich behauptete er, das Geld im persönlichen Auftrag des damaligen FBI-Direktors John Hoover gesammelt zu haben. Die genaue Anzahl Johnsons krimineller Vorgehen konnte nie herausgefunden werden. Er wurde des Betrugs mithilfe der Post beschuldigt und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

    Ein halbes Jahrhundert nach dem Skandal wurde sehr wenig über William Johnson veröffentlicht, berichtet „Daily Beast“.  Es habe keine Erwähnungen in der Presse gegeben, in den Dokumenten und Archiven sei sein Name auch nicht aufgetaucht. Johnsons Geschichte sei später in mehreren Büchern kurz erwähnt worden. Es habe jedoch keine Informationen über eine solche Person und seinen Fall in den Archiven der Polizei von Kentucky und des FBI gegeben, merkte der Schriftsteller Keven McQueen an, der sich mit Johnsons Persönlichkeit befasste.

    pd/mt

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