00:21 12 Juli 2020
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    Eine immense Rolle in der Verbreitung von Informationen in der Corona-Krise hat Daniel Koch gespielt – der Delegierte des Bundesamts für Gesundheit. Der sogenannte „Mr. Corona“ tritt von seinem Posten nun zurück. Am Mittwoch dankte ihm die Schweizer Bundesregierung dafür, dass er trotz anstehender Rente weiterhin dem Bundesrat zur Seite stand.

    Das Schweizer „Gesicht der Corona-Krise“ tritt zurück. Als Leiter der Abteilung für Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG) war Koch bei allen Medienkonferenzen des Bundesrates von Anfang an dabei. Das, obwohl der Delegierte schon Ende März seinen Rücktritt wahrnehmen wollte. Bei der Übergabe an seinen Nachfolger Stefan Küster trat Koch jedoch nicht vollkommen zurück, sondern setzte sich als Delegierter des BAG für Covid-19 ein. Er stand „dem Bundesrat in der Krise weiterhin zur Seite“ – so schreibt es die Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“.

    Letzte Konferenz

    Nun tritt Koch, Ende Mai statt Ende April, von seinem Posten vollkommen zurück. Am Mittwoch fand seine letzte Sitzung statt, in der Gesundheitsminister und Bundesrat Alain Berset Koch explizit für seinen Dienst dankte. Die wissenschaftlichen Kenntnisse, seine Fähigkeit zur Vereinfachung, seine bescheidene Ruhe wie auch sein Humor wären eine enorme Hilfe gewesen in einer solchen Krise.

    Insgesamt hätte Koch an allen Bundespressekonferenzen des Schweizer Bundesrats teilgenommen sowie auch an 21 Medienkonferenzen auf Fachebene. Auch das BAG dankte dem langjährigen Abteilungsleiter für den „Pandemie-Marathon“ auf allen vier Landessprachen. Seit 2002 arbeitete Koch bei verschiedenen Abteilungen des BAG. Genauso sprach Koch auch seinen Dank an sein Team und alle Fachleute aus, die bei der Bewältigung der Corona-Krise mitgeholfen haben.

    Trotz Ruhm auch Zweifel

    “Plötzlich so bekannt zu werden, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig“, sagt Daniel Koch in einem Interview mit dem „Schweizer Radio und Fernsehen“(SRF). Er sehe sich selbst nicht als Star, auch wenn ihn mittlerweile ein Großteil der Schweizer auf den Straßen erkennen würde. Es gebe sogar T-Shirts mit seinen Zitaten zu kaufen.

    Doch trotz seiner mittlerweile großen Popularität gab es auch kritische Momente in der Karriere Kochs. Es gibt auch Beispiele, für die Koch viel Kritik geerntet hat. So beispielsweise als er behauptet hätte, dass Kinder nicht zu den Treibern dieser Pandemie gehören würden, oder dass es kein Problem für Großeltern darstellen würde, ihre Enkel zu umarmen. Auf die Frage des SRF, ob er nicht doch auch manchmal Zweifel hatte, antwortete Koch:

    „Man hat immer Zweifel. Es wäre nicht gut, wenn man nicht zwischendurch hinterfragen würde, was man sagt und macht. Aber: Ich bin nicht Virologe, ich bin ein Mann der öffentlichen Gesundheit und habe eine gewisse Erfahrung.“

    Er bestätigte dem SRF auch, dass er bei nicht so positiven Resultaten der neusten Entwicklungen länger im Dienst geblieben wäre. Doch nun, da er seine Rente antreten kann, sehe er es nicht als eine gute Idee, wieder zurückzukehren – gerade in Hinsicht auf eine zweite Welle.

    lm

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    Tags:
    Rente, Schweiz, Bundesrat, Coronavirus