05:15 21 Oktober 2020
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    Vor einigen Wochen warfen diverse US-Medien Russland vor, die tatsächliche Statistik zu seinen Corona-Opfern nicht preiszugeben. Zu niedrig schien die Zahl der Todesfälle im internationalen Vergleich. Die Fachzeitschrift „Forbes“ ist dem Fall nun selbst auf den Grund gegangen und hat dafür eine plausible Erklärung gefunden.

    Forbes ging auf die Berichte der Zeitungen „Financial Times“ und „New York Times“ ein, in denen zuvor behauptet wurde, Russland würde die Zahl der Coronavirus-Toten zu niedrig angeben. Im April seien nämlich 72 Prozent mehr Menschen in Moskau und Sankt Petersburg gestorben, als dies durchschnittlich in den letzten fünf Jahren der Fall war. Darin sah man einen direkten Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Laut Forbes ist damit aber nur belegt worden, dass die Zahl der Fälle, bei denen das Coronavirus als Todesursache nachgewiesen worden war, um das Dreifache niedriger sei als die allgemeine Statistik der Todesfälle – und von denen gebe es für den genannten Zeitraum durchschnittlich mehr. Dies könne man jedoch auch in jedem anderen Land beobachten, so Forbes.

    Entscheidend für die niedrige Virus-Mortalität in Russland sei die Tatsache, dass die russischen Behörden nur Fälle festgehalten hätten, bei denen Covid-19 primär als Todesursache aufgetreten sei. Eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll nahelegen, dass letale Fälle infolge von Begleiterkrankungen als „nicht durch Covid-19 verursacht“ zu gelten haben – und schließlich nicht in die Statistik aufgenommen werden sollten.  

    Das Zentrum für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford soll ebenfalls auf diesen Zusammenhang verwiesen haben. Es wäre verkehrt, die Ursache für den Tod eines Covid-19-Patienten sofort im Coronavirus zu sehen, so die Mediziner. So würden alle akuten Virus-Infektionen, darunter die saisontypische Grippe, zu einem Anstieg der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen – allerdings stelle die Grippe auch hier nicht Todesursache dar.

    Der Professor für Epidemiologie und Leiter des nationalen Krisenstabs Tschechiens, Roman Prymula, vertritt laut Forbes die Ansicht, dass Medienberichte über eine falsche Virusstatistik Sensationshascherei seien und darauf abzielen würden, Russlands Ansehen zu schaden.

    „Einige Länder führen mehr Tests durch und berücksichtigen auch symptomfreie Fälle. Andere wiederum führen weniger Tests durch und nur bei denen, die äußerst starke Symptome aufweisen. Daher ist es nicht überraschend, dass die Sterberate im zweiten Fall höher ist als im ersten“, sagte der Epidemiologe.

    Die Statistik der Covid-19-Toten in Moskau könnte für April ergänzt werden – von 639 auf 1561. Dann würde ein neues Registrierprinzip zur Anwendung kommen. Zuvor soll sich das russische Gesundheitsministerium hierbei an die Empfehlungen der WHO gehalten haben.

    mka/gs

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    Tags:
    Sterberate, Coronavirus, Russland