18:32 19 September 2020
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    Die Proteste wegen des Todes des Afroamerikaners George Floyd erschüttern derzeit die USA. Sie richten sich gegen Rassismus und unnötige Polizeigewalt. Diese bekommen auch die Journalisten vor Ort zu spüren. So etwa die Sputnik-Korrespondentin Nicole Roussell, die von Polizisten beschossen wurde. Nun erzählt sie, was genau vorgefallen ist.

    Nach eigenen Worten habe sie über die laufenden Proteste in Washington, D.C. berichtet, als die Polizei begonnen habe, mit Gummikugeln auf die Demonstranten zu schießen. Die Beamten hätten auch Tränengas eingesetzt. Sie habe den Polizisten ihren Presseausweis gezeigt, doch das habe die Ordnungshüter offenbar wenig beeindruckt. Die Polizisten sollen daraufhin Blendgranaten gegen sie eingesetzt haben – das habe bei ihr „sieben sehr schmerzhafte Striemen” an ihrer Hüfte und ihrem Oberschenkel hinterlassen. Sie habe sogar ein Gummigeschoss an der Wade abbekommen. Roussell schildert den Vorfall in Details.

    „Ich wiederholte, ‚ich bin Journalistin‘, und zeigte ihnen meinen Presseausweis. Ein Beamter in voller Montur sagte nur, ich soll zurücktreten. Ich ging also zurück und versuchte ihnen noch immer klar zu machen, dass ich von der Presse bin. Ein Bereitschaftspolizist hat mir dabei nur in die Augen geschaut, als er einige Sting Granaten nach mir warf“, schilderte die Korrespondentin.

    Damit sei der Übergriff aber noch nicht zu Ende gewesen. Die Polizisten hätten begonnen, die Demonstranten zurückzudrängen. Dabei sei sie von einem der Beamten umgeworfen worden.

    „Ich habe erneut gesagt, dass ich von der Presse bin, aber er hat mich zu Boden gestoßen und dann getreten. Ein Demonstrant half mir wieder auf die Beine. Und mein Kollege hat das alles aufgenommen.“

    Hartes Vorgehen gegen Journalisten

    Roussell bezeichnete den Vorfall als einen enormen Angriff auf den Journalismus und die Redefreiheit. Die Rechercheplattform Bellingcat hat mittlerweile mehr als 100 Übergriffe auf Journalisten gezählt. Der erste Übergriff auf einen Journalisten ereignete sich am vergangenen Freitag, als ein CNN-Reporter vor laufender Kamera festgenommen wurde.

    Einen Tag darauf wurden  eine Reporterin des Nachrichtensenders MSNBC und ihr Team von einem Polizisten mit Gummigeschossen von ihrem zugewiesenen Drehort verdrängt. Auch der Angriff auf die Fotografin Linda Tirado ist mittlerweile bekannt geworden. Sie wurde in Minneapolis von einer Gummikugel der Polizei im Gesicht getroffen. Das linke Auge musste mittlerweile entfernt werden.

    Am Sonntag wurde auch ein deutsches Fernsehteam der Deutschen Welle (DW) von Polizisten beschossen. Angaben zufolge soll es auch heute zu Angriffen auf ein DW-Team gekommen sein.

    Gewaltsame Festnahme

    Minneapolis und weitere US-Städte sind nach dem Tod des Afroamerikaners Floyd Schauplätze von Protesten, die teilweise in erbitterte Straßenschlachten umschlagen. Floyd war am Montag bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie Floyd zu Boden gedrückt mehrfach um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Für den 46-Jährigen kam aber jede Hilfe zu spät: Im Krankenhaus konnten die Ärzte nur seinen Tod feststellen.

    Alle vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten wurden entlassen, einer von ihnen wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Bei ihm handelt es sich um den weißen Polizisten, der sein Knie minutenlang auf den Hals von Floyd gedrückt hatte. Die Ermittlungen gegen die drei anderen Beamten dauern an.

    mka/gs/sna

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    Tags:
    US-Polizei, Angriff, Sputnik, Presse, Journalismus