01:46 14 Juli 2020
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    Im Rahmen der Corona-Krise stellt die Eidgenössische Elektrizitätskommission fest, dass die Schweiz zu wenig Strom produziert. Schon seit längerem kämpft das Land mit Stromproduktionsengpässen – vor allem im Winter. Durch die Corona-Krise kristallisierte sich heraus, dass die unzureichende Eigenproduktion in Abhängigkeit resultieren könnte.

    Die Corona-Pandemie zeigte, dass jeder Staat „zuerst für sich“ schauen muss, wie er durch die Krise kommt. So schreibt es die Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in einem Artikel über die Stromversorgung des Landes. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) hätten die Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus aufgeschreckt: Die Grenzen wurden geschlossen, Lieferungen von Schutzmaterial haben es nicht ins Land geschafft und alle gut eingespielten Prozesse mit dem Ausland wurden außer Kraft gesetzt. All dies machte erneut deutlich, wie abhängig die Schweiz vom Ausland in puncto Stromversorgung ist.

    Abhängigkeit als Risiko

    Zu diesem Thema äußerte sich laut der NZZ auch der Geschäftsführer der Elcom, Renato Tami: „Die Erfahrungen der Corona-Pandemie haben die Elcom in ihrer Haltung bestärkt, dass die Schweiz beim Strom auf inländische Produktionskapazitäten abstellen soll“, so Tami. Er fügte hinzu, dass das Risiko eines Wegfalls von Kernenergie durch Importe nicht in Kauf genommen werden darf. „Sonst setzt man sich dem Risiko aus, dass man vom Ausland abhängig und erpressbar wird“, argumentiert Tami.

    Schon seit dem Jahr 2000 herrscht in der Schweiz im Winter ein konstanter Strommangel. In Winter des Jahres 2016/17 betrug der Mangel gar zehn Terawattstunden – ein Betrag, der der Jahresproduktion des AKW Leibstadt entspräche. Zu Zeiten von Corona konnte sich die Schweiz auch nur ganz knapp über Wasser halten: Durch den Lockdown sank der Stromgebrauch um zehn Prozent und somit kam es zu keinem Stromengpass.

    Importbedarf unvermeidbar?

    Die Elcom veröffentlichte eine Studie, in der sie vier Szenarien der Schweizerischen Stromversorgung beschrieb. Diese wurden im Blick auf das Jahr 2030 angefertigt. In jedem Szenario benötige es dem zusätzlichen Import von Strom aus dem Ausland. In den zwei als „wahrscheinlich“ eingestuften, würden zwischen 5,2 und 5,9 Terawattstunden fehlen, während in den „Stressszenarien“ ein Bedarf von bis zu zwölf Terawattstunden anliegen würde.

    Der Präsident der Elcom, Werner Luginbühl, äußerte sich folgendermaßen dazu:„In diesen Szenarien fehlt so viel Energie, dass eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit nicht mehr ausgeschlossen werden kann“, so Luginbühl. „Wir kommen zum Schluss, dass wir auf mittlere Sicht, was die Winterproduktion betrifft, keine Entwarnung geben können.“

    Noch gebe es zu dieser Studie viele Faktoren, die Unsicherheiten darstellen. So haben die Wissenschaftler der Elcom damit gerechnet, dass Frankreich seinen AKW-Park ausbaut und die Schweiz diesen Strom importieren kann. Auch die erhöhte Strommenge durch Dekarbonisierung im Verkehr und bei Gebäuden sei nicht in die Studie eingeflossen.

    Ersatz der Atomkraftwerke

    Da die Schweizer AKWs vom Netz gehen sollen, stellt sich zunehmend die Frage, wie man mittels Inlandstromproduktion den Strombedarf künftig decken soll. So erhalte man zum Beispiel bei der Photovoltaik mit dem geplanten Ausbau bis 2030 eine Ausbeute von lediglich 0,5 Terawattstunden im Winter. Auch beim Summieren der Erträge von Photovoltaik, Wind- und Wasserkraftwerken komme man 2034 nur auf 5,2 Terrawatt – laut Luginbühl deutlich zu wenig.

    Befürchtet wird ein enormer Anstieg an Importbedarf nach dem Wegfall der AKW. Wie aber die Exportwilligkeit des Auslands zur Schweiz steht in der Zukunft, sei unsicher. Auch die Investitionen in die Winterproduktion würden kaum genügen. Die Elcom berichtete der NZZ deswegen von einem gesetzlich verankerten Ausbauziel von fünf bis zehn Terawattstunden. Die Entscheidung, ob dieser Ausbau mit Photovoltaik oder Gas erfolgen soll, habe die Elcom noch nicht entschieden.

    lm

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    Tags:
    Coronavirus, Schweiz, Stromausfall, Stromversorgung