09:42 22 Oktober 2020
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    Wer die aktuellen Corona-Maßnahmen, die Terror-Anschläge von „9/11“ oder das Internet-Lexikon „Wikipedia“ kritisch hinterfragt, der könnte als „Spinner“ auf der Internet-Seite „Psiram“ landen. Davor warnt Doku-Filmer Markus Fiedler im Sputnik-Interview. Er wirft der Plattform Rufmord vor: „Die Macher der Seite handeln rechtswidrig und illegal.“

    Recherchen im Internet zu politischen Aktivisten oder kritischen Wissenschaftlern können schnell zur selbsternannten Aufklärungs-Seite „Psiram“ führen. Diese anonym betriebene Website, die technisch über Server im europäischen Ausland läuft, liefert seit Jahren im Stile der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ Einträge über Menschen des öffentlichen Lebens. Und diffamiert und denunziert diese, was Kritiker der Informations-Plattform anlasten.

    Darunter Markus Fiedler. Der Filmemacher, Dokumentar-Filmer und Naturwissenschaftler kritisiert, „Psiram“ stelle sich dabei als ein scheinbar harmloses Angebot „zur Verbraucheraufklärung“ dar, wie er gegenüber Sputnik erklärte. In Wahrheit sei die Seite genau das Gegenteil. Sie betreibe Rufmord und verbreite gezielte Falschdarstellungen. Anhand des Eintrages zu seiner Person auf „Psiram“ könne er dies beweisen, so der Doku-Filmer.

    Betreibt „Psiram“ gezielt politische Zensur?

    Sputnik berichtete bereits Ende Mai über die Aktivitäten der umstrittenen Internet-Plattform und zitierte damals den Blog von Fiedler, wo dieser schrieb: „Meine Filme scheinen die Macher von ‚Psiram‘ zu stören.“ Selbst „vor plumpen Falschbehauptungen“ würden die anonymen Macher der Plattform dabei nicht zurückschrecken.

    „Ich bin nicht der typische Charakter, der auf ‚Psiram‘ auftaucht“, erklärte der Dokumentar-Filmer auf Nachfrage. „Üblicherweise tauchen dort Menschen auf, die alternative Heilmethoden praktizieren, beispielsweise Homöopathen. ‚Psiram‘ ist eine Seite, die ganz klar der Pharma-Industrie in die Hände spielt.“

    Die ominöse Internet-Seite betreibt laut ihm darüber hinaus gezielt politische Zensur. „Psiram ist als Quelle geeignet, um Hilfestellung zu liefern und zu ‚beweisen', dass bestimmte kritisch denkende Menschen angeblich 'gefährliche Verschwörungstheoretiker' sind.“

    „Ich erhielt meinen Psiram-Eintrag aufgrund kritischer Recherchen“

    Fiedler ist Biologe. „Also sollte man meinen, dass ich als Empiriker mit ‚Psiram‘ eigentlich ganz gut klar kommen sollte. Das Problem liegt aber darin, dass ich im politischen Teil der Wikipedia viele Recherchen unternommen habe.“ 

    Dabei konnte er herausfinden, „dass in der Wikipedia massive Meinungsbeeinflussung stattfindet über das Frisieren von Artikeln“, sagte er im Interview. „Artikel, also Einträge, werden dort immer in eine politische Richtung frisiert. Wenn es um Geopolitik geht, wird immer die Sichtweise der Nato und des transatlantischen Bündnisses dargestellt. Damit haben Sie das Problem, dass dort andere mehr östliche Sichtweisen – also russische oder chinesische Sichtweisen – gar nicht mehr vorkommen.“

    Seine Recherchen flossen in eine Dokumentation ein, die Fiedler vor einigen Jahren bei „KenFM“ in einem Interview präsentierte. Kurz darauf erhielt er selbst einen Eintrag auf „Psiram“ zu seiner Person.

    „Ich hatte damals meinen neuen Film ‚Zensur' vorgestellt, in dem sich ein nicht unerheblicher Teil mit dem Thema ‚Psiram' beschäftigt“, berichtete Filmemacher Fiedler. „Ein Tag vor Premiere meines Films ist mein eigener Eintrag auf ‚Psiram‘ erschienen. Die wollten etwas schneller sein. Ich habe ‚Psiram‘ als das ausgemacht, was es ist: Nämlich eine unseriöse Seite im Internet, die vorwiegend von dieser sogenannten Skeptiker-Bewegung betrieben wird und wo Leute aus dem vorgeblich linksradikalen Spektrum unterwegs sind, die sich allerdings wie Rechtsradikale verhalten, die imperiale Politik der USA und Israels gutheißen – und alle Kritiker dieser Politik denunzieren und herunterputzen. Wahlweise als rechtsradikale oder antisemitische Verschwörungstheoretiker.“

    Beispielsweise wie im Fall des Schweizer Historikers und Politologen Daniele Ganser, der in seiner vielbeachteten wissenschaftlichen Arbeit Nato-Geheimarmeen aufgedeckt hat.

    Die Dokumentation „Zensur“ von Fiedler beginnt mit folgendem Zitat: „Um eine Möglichkeit der freien Meinungsbildung gewährleisten zu können, müssen die verfügbaren Medien ein Mindestmaß an inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung der jeweils abweichenden Meinung bieten. Wir informieren uns heute über das Internet. Es gibt keinen Beirat, der über das Internet wacht.“ Der Film kann laut eigener Darstellung „nachweisen, dass im Fall von Daniele Ganser gezielt Rufmord auf Wikipedia betrieben wurde. Dieser Zustand dauert weiter an. (...) Warum wird hier aggressiv gegen einen Vertreter der Friedensbewegung vorgegangen?“

    Daniele Ganser und Dirk Pohlmann: Weitere Geschädigte durch „Psiram“ 

    Solche der Nato kritisch gegenüberstehenden Akteure seien Plattformen wie „Psiram“ oder Wikipedia „ein Dorn im Auge“, betonte Fiedler im Sputnik-Gespräch. „Daniele Ganser wird dort mit allen möglichen Begriffen diffamiert: Als Verschwörungstheoretiker. Er wird assoziiert mit Holocaust-Leugnern und Rechtsradikalen. Das sind ganz miese Methoden. Er (Ganser, Anm. d. Red.) darf sich als Historiker scheinbar noch nicht einmal mehr mit Zeitzeugen unterhalten. Mitten in meiner Wikipedia-Recherche tauchte dann ‚Psiram‘ auf: Als digitaler und anonym betriebener Rufmordpranger, der kritisch denkende Menschen denunziert. Dort können die (namentlich unbekannten, Anm. d. Red.) Autoren alles Mögliche über andere Menschen verbreiten. Bar jeder Faktenlage wird dort jemand wahlweise als rechtsradikal oder als Faschist bezeichnet.“

    Auch Fiedlers Kollege „und Mitstreiter Dirk Pohlmann (Geheimdienst-Experte und Politologe, Anm. d. Red.) wird dort heruntergeputzt.“ Der Filmemacher vermutet, der Grund liege bei ihren gemeinsamen kritischen Recherchen zum Wikipedia-Komplex, die regelmäßig auf Fiedlers YouTube-Kanal in der Serie „Wikihausen“ besprochen werden.

    Strukturen und Macher hinter „Psiram“ enttarnt?

    Dies seien nicht die einzigen Falschaussagen auf der unseriösen Internet-Plattform. Beispielsweise würde „Psiram“  über Fiedler behaupten, „ich hätte relativiert, was der Volkslehrer Nikolai Nerling zum Holocaust gesagt hat. Das ist völliger Schwachsinn, eine Unterstellung und Falschbehauptung. Letztlich ist das eine Unverschämtheit. ‚Psiram‘ lebt von diesen Faktenverdrehungen.“

    Wie Fiedler durch Recherchen herausgefunden hat, gibt es Verbindungen von „Psiram“ unter anderem zu den „Ruhrbaronen“ und der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) – Organisationen, die sich gerne als skeptisch und besonders rational gerieren. Knut J. und Jens B. sind laut ihm Mitglieder dieser Skeptikerbewegung, „die bei ‚Psiram‘ sehr aktiv sind“. J. habe als Grafiker das Psiram-Logo entworfen. Und B. schreibe als Autor unter Pseudonym sowohl für „Psiram“ als auch für Wikipedia. „Dieser Jens B. ist jetzt Mitglied der Satire-Partei ‚Die Partei‘ und Schatzmeister der Partei im Kreisverband in der Region Hannover. Das ist insofern interessant: Wir haben hier jemanden aus einer demokratisch gewählten Partei, der sich auf einer grundgesetzwidrigen und völlig illegalen, also strafrechtlich relevanten Internet-Seite herumtreibt und dort Fehlerkorrekturen macht.“

    Unterstellung von „Psiram“: „Anti-Corona-Demos sind rechtsradikal“

    Ebenso werden auf „Psiram“ Teilnehmer der aktuellen Proteste und Demonstrationen gegen die staatlichen Einschränkungen aufgrund des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 diffamiert, also bewusst schlecht dargestellt. „Es geht um Menschen aus der bürgerlichen Mitte, die in die rechtsextreme Ecke gestellt werden.“ „Psiram“ unterstütze diese Falschdarstellung „mit einem scheinbar objektiven Artikel, der im Wikipedia-Stil verfasst ist“.

    Dabei „wird der Begriff Verschwörungstheorie semantisch mittlerweile so benutzt: Wenn Sie sagen, jemand ist ein Verschwörungstheoretiker, meinen Sie damit eigentlich: Der ist ein Spinner. Jetzt können Sie jemanden als Spinner titulieren, ohne es ihm direkt an den Kopf zu werfen. Wenn jemand zu Ihnen sagt, Sie seien Verschwörungstheoretiker, schwingt automatisch mit, Sie seien gleichzeitig auch rechtsradikal und antisemitisch. Das ist dieser Dreiklang, der mit ein paar Derivaten ständig im Mainstream läuft.“

    Terror-Anschläge vom 11. September 2001: „Physikalische Beweise liegen vor“

    Dass bei den „9/11“-Terror-Anschlägen in New York nicht alles so ablief, wie von der offiziellen Version behauptet, „ist dem physikalischen Beweis zugänglich“, betonte Fiedler. Auch wenn „Psiram“ diesen Sachverhalt anders darstellen möchte.

    „Wenn ich ein Gebäude (konkret das World Trade Center Gebäude WTC 7, Anm. d. Red.) betrachte, das im freien Fall einstürzt, dann gibt es ein Problem mit der Statik. Vor allem, wenn die sichtbare Front des Gebäudes symmetrisch einstürzt. Das Problem dabei ist: Dies würde unter natürlichen Umständen nie so stattfinden. Laut offizieller Darstellung soll es ja so gewesen sein, dass sich im Gebäude ein Feuer unsymmetrisch verteilt und die Stahlträger erhitzt hat. Und dann wäre das gesamte Gebäude – über 200 Meter in der Höhe – symmetrisch eingefallen. Alle 82 Stahlsäulen im Gebäude hätten also gleichzeitig in exakt derselben Sekunde ihre Integrität (und Stabilität, Anm. d. Red.) verlieren müssen. Das kann so nicht sein. Daran sehen wir, an der offiziellen Darstellung der Ereignisse rund um 9/11 ist etwas oberfaul. Inzwischen wurde das auch von der Fairbanks-Universität in Alaska in einer Simulation bestätigt.“ Dies werde natürlich bei „Psiram“ komplett unterschlagen.

    Die umstrittene Internet-Plattform lässt in ihrem Eintrag zum „11. September“ diese Studie der US-Universität völlig weg.

    „Außerdem zu negieren, also zu verneinen, dass Leute aus der US-Administration oder den US-Sicherheitsorganen etwas mit 9/11 zu tun haben könnten, würde man im besten Falle als naiv bezeichnen. Das zu unterschlagen, würde ich im wissenschaftlichen Zusammenhang grob fahrlässig nennen. Wir wissen aus der Vergangenheit ganz klar, dass immer wieder Akteure aus Sicherheitsorganen des Staates an übelsten Machenschaften beteiligt waren. Ich will hier nur mal kurz das Attentat auf John F. Kennedy anreißen, wo wir inzwischen ziemlich genau wissen, das Einiges ziemlich faul gelaufen ist.“

    Verbindungen zur Amadeu-Antonio-Stiftung

    Es gibt laut Fiedler mehrere Artikel auf dem Internet-Auftritt der Amadeu-Antonio-Stiftung, „die dezidiert auf ‚Psiram‘ verweisen mit aktiver Verlinkung“. Die Stiftung selbst sei höchst umstritten. „Sie betreibt ganz klar im Internet Zensur. Die Stiftung will vorgeblich ‚Hate Speech' unterbinden, sie definiert nur alles Mögliche als ‚Hate Speech'. Darunter von der Verfassung gedeckte Meinungsäußerungen. Laut Amadeu-Antonio-Stiftung dürften Sie verschiedene Aussagen, die vollkommen durch Artikel 5 Grundgesetz gedeckt sind, gar nicht mehr tätigen. Dort werden abstruse Themen gemeinsam mit realen Verschwörungen wie 9/11 als ‚abwegige Verschwörungstheorien' dargestellt. Das heißt: Diese Stiftung wird jährlich mit mindestens sechsstelligen Summen vom Staat finanziert – nämlich vom Familienministerium und dem umstrittenen Projekt ‚Demokratie leben' – verweist aber auf einen absolut illegalen Internet-Pranger. Und (vom Gesetzgeber her, Anm. d. Red.) passiert nichts.“

    Dies sei umso unverständlicher mit Blick auf den wissenschaftlichen Beirat der Amadeu-Antonio-Stiftung. „Darin sitzen Politiker, Juristen, Journalisten und Verfassungsschützer. Also Leute, die sich mit der Verfassungs- und Gesetzeslage eigentlich auskennen müssten – aber es ist ihnen offensichtlich egal. ‚Psiram‘ wird von solchen Leuten genutzt, um ihre Agenda durchzuziehen. Und diese Agenda ist nichts Gutes: Hier soll offensichtlich freie Meinungsäußerung unterbunden werden.“ Kein Eintrag auf „Psiram“ sei fehlerfrei, gab Fiedler außerdem zu bedenken.

    „Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist bestens in die Leitmedien der Presseorgane, zum Beispiel  ‚Stern' und ‚Spiegel', vernetzt und verfügt über einen Bundestags-Hausausweis für Lobby-Vertreter“, erzählt sein Doku-Film „Zensur“. „Und die Stiftung erhält viel Geld vom Staat für ihre Arbeit. Die Stiftung als Werkzeug der Meinungszensur. Sie ist unter anderem auch mit dem Rufmord-Portal ‚Psiram' vernetzt. Es ist damit sicher, dass es hier gegenseitige Sympathien gibt, eventuell sogar Bekanntschaften zwischen den Akteuren beider Internet-Seiten. Auch die Vorgehensweise auf Psiram.com gleicht frappierend den Methoden der Stiftung. (...) Diese Seiten verlinken sich gegenseitig.“ Es werde offensichtlich Meinungsmanipulation „durch eine kleine miteinander vernetzte Gruppe“ im Internet betrieben.

    Das Radio-Interview mit Markus Fiedler zum Nachhören:

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