16:12 29 Oktober 2020
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    Stasi ist nicht mehr, doch die Resterampe gibt was her: Simon Menner hat aus dem Stasi-Archiv Fotos gezogen, die die Arbeit des DDR-Überwachungsapparates zeigen. Staatsangestellte beim Verkleiden und verborgenem Handzeichen-Dialog: Einst Geheimes wirkt nun skurril. Und beim BND? Das Pendant zur Stasi zeigt sich bedeckt - in Menners neuer Schau.

    Der Gegenspieler zeigt sich nämlich gar nicht: Wurde Simon Menner doch der Zugang zu den Bildarchiven des Bundesnachrichtendienstes verweigert. Verständlicherweise - ist die Unternehmung ja heute noch aktiv. Zeugnisse aus der Zeit vor „einig Vaterland“ ließen die eine oder andere Aktion womöglich selbst suspekt erscheinen. Und so sei das geöffnete Stasi-Archiv nur ein Teil der von Paranoia in Atem gehaltenen Zeit des Kalten Krieges, so Fotograf Menner.  

    „Eigentlich gäbe es in Deutschland die perfekte Möglichkeit diesen Moment der Geschichte zu hinterleuchten. Zwei miteinander unversöhnlich ringende Systeme, entstanden aus einer einheitlichen Kultur. Aber das Archiv im Westen bleibt geschlossen und dadurch wird unser Blick auf die Geschichte gestört. Die eine Seite können wir untersuchen, die andere Seite versteckt sich bis heute hinter dem Deckmantel der Geheimhaltung. Das hinterlässt zwangsläufig Spuren beim Versuch der Aufarbeitung“. 

    „Die Firma“ Ost wie West

    Er habe die  Möglichkeit gehabt, intensiv im Archiv der Stasi nach genau der Bildkultur zu suchen, die sich im geheimen Agieren ausbildet. Er wolle in seiner Ausstellung „Die Firma“ aber auch seinen– gescheiterten – Versuch zeigen, dies im Archiv des BND zu wiederholen: „Vielleicht sind genau die Leerstellen, die ich zwangsläufig präsentieren muss, aufschlussreich und entlarvend“.

    Verstörend bizarr und skurill

    • Agentenselfie
      Agentenselfie
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Aus einem Kurs für das Ankleben falsche Bärte
      Aus einem Kurs für das Ankleben falsche Bärte
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      Aus einem Seminar für Verkleidungsvarianten
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Aus einem Kurs für das Übermitteln geheimer Zeichen
      Aus einem Kurs für das Übermitteln geheimer Zeichen
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Agent wird zum Ritter der Abhörabteilung geschlagen
      Agent wird zum Ritter der Abhörabteilung geschlagen
      © Foto : Simon Menner und BStU
    • Kostümparty eines hochrangigen Stasioffiziers
      Kostümparty eines hochrangigen Stasioffiziers
      © Foto : Simon Menner und BStU
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    © Foto : Simon Menner und BStU
    Agentenselfie

    Seine Funde im Stasi-Archiv hingegen werfen einen grellen Scheinwerferspot auf die heimlichen Unternehmungen. Und lassen sie auch in einem recht fragwürdigen Licht erscheinen. Denn die fotodokumentierten Aktionen des gleichermaßen straff organisierten wie gefürchteten ostdeutschen Überwachungsorgans wirken wunderlicherweise geradezu unprofessionell bis komisch.  

    Verkleidung schien ein großes Thema zu sein. Den Klassenfeind auszuspionieren wurden fantasiereiche Wege begangen: Bizarr wirken etwa die Kostümierungen als sonnenbebrillter „Westtourist“ mit weißen Westler-Turnschuhen, Allwetterhütchen und JVC-Technik unterm Arm – vermeintlich „coole“ Wessi-Posen inklusive. Da sind die detaillierten Anleitungen fürs falscher Bart-Ankleben nur ein weiteres skurriles Detail im Schnüffler-Handbuch.

    Etliche Aufnahmen von Teenager-Zimmern sind hingegen verstörendes Zeugnis von generalstabsmäßig geplant durchgeführten Wohnungsdurchsuchungen. War der Madonna-Fan pro-westlich eingestellt? Die Stereo-Anlage Leuchtturm anti-sozialistischer Propaganda? Die Match-Box-Spielzeugkiste kapitalistisch-subversive Jugendgefährung oder Opas Schnapsregal imperialistisch, da zu bunt?

    „Davor“-Polaroidbilder von verwühlten Betten und überquellenden Wohnzimmerschränken dienten dazu, die „ordnende“ Hand des Staates zum „Danach“ der Vertuschung zu lenken - auf dass den Ausgespähten nichts auffalle und auch das Kuscheltier wieder seinen unverdächtig angestammten Platz einnehme. Viele Bürger erfuhren erst nach der Wiedervereinigung von dem Einbruch in ihre Privatsphäre.

    Mit der Vernissage am 18. Juni eröffnet die bis zum 24. Juli dauernde Ausstellung „Die Firma - Über die Bildkultur von Überwachungssystemen“ von Simon Menner. Zu sehen in der Fotogalerie Friedrichshain in Berlin. Bereits im Jahr 2013 erschien Menners Buch „Top Secret – Bilder aus den Archiven der Staatssicherheit“ beim Hatje Cantz Verlag, 128 Seiten, 166 Abbildungen. ISBN 978-3-7757-3620-6. 

     

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    Tags:
    Ausstellung, Überwachung, Spionage, Bundesnachrichtendienst (BND), MfS, Stasi