14:51 07 Juli 2020
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    Zwei führende britische Unternehmen haben angekündigt, hohe Summen an Vertreter ethnischer Gruppen in Großbritannien (BAME) zu zahlen. Zuvor hatte die University College London (UCL) anhand einer eigenen Datenbank aufgedeckt, dass beide Firmen von der Sklaverei in der Kolonialzeit erheblich profitiert hatten.

    Laut „Telegraph“ betrifft das die größte Pub-Kette Großbritanniens Greene King und die internationale Versicherungsbörse Lloyd’s of London.

    Demnach belegen Informationen aus der Datenbank der UCL, dass diese Unternehmen in die koloniale Sklaverei des britischen Imperiums verstrickt gewesen seien. Das Unternehmen Greene King soll Anfang des 19. Jahrhunderts von Benjamin Greene gegründet worden sein. Greene habe zu einem der 47.000 Menschen gehört, die wegen der Abschaffung der Sklaverei finanziell entschädigt worden seien. Die damalige britische Regierung soll ihn mit 500.000 Pfund Sterling abgefunden haben, nachdem er sich bereit erklärt habe, auf drei ihm gehörende Plantagen in Westindien zu verzichten.

    Auf der offiziellen Internetseite von Green King, so Telegraph weiter, seien diese Zusammenhänge mit der Sklaverei nicht angegeben. Am Mittwochabend soll der Generaldirektor des Unternehmens, Nick Mackenzie, jedoch mitgeteilt haben, dass die Angaben auf der Webseite schon am nächsten Tag aktualisiert würden.

    „Unverzeihlich“

    „Es ist unverzeihlich, dass einer unserer Gründer aus der Sklaverei Nutzen gezogen und sich im 19. Jahrhundert gegen ihre Abschaffung ausgesprochen hat“, erklärte Mackenzie. Der Generaldirektor versprach, das Unternehmen werde „erhebliche Investitionen zugunsten der BAME (ethnische Gruppen) tätigen und die ethnische Vielfalt in den Firmen unterstützen“.

    Auch der Mitbegründer der Versicherungsbörse Lloyd’s of London, Simon Fraser, soll damals entschädigt worden sein: Für seinen Verzicht auf kolonialen Besitz in Dominica erhielt er 400.000 Pfund Sterling. Ein Sprecher von Lloyd's of London bedauerte, dass das Unternehmen mit dem Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert so eng verwoben gewesen sei.

    „Das war eine schreckliche und beschämende Zeit in der englischen Geschichte, also auch unserer Geschichte, und wir verurteilen die unverzeihlichen Taten, die damals begangen wurden“, sagte der Sprecher. Lloyd’s of London wolle in Zukunft  Organisationen fördern, die einen Beitrag zur stärkeren Integration von Schwarzen und ethnischen Minderheiten leisten.

    Laut Telegraph sind die besagten Firmen nur zwei von insgesamt neun britischen Unternehmen, die von solchen Entschädigungen auf direkte oder andere Weise profitiert haben. Dazu gehören auch Großunternehmen wie Royal Bank of Scotland, Barclays Bank, HSBC und Lloyds Banking Group.

    Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt ist es in den vergangenen Wochen in den USA zu Massenprotesten gekommen. Sie richten sich gegen Polizeigewalt, rassistisch motivierte Übergriffe und die anhaltende Diskriminierung von Afroamerikanern. Die Proteste haben inzwischen auch einige europäische Länder erfasst – darunter Großbritannien und Frankreich. 

    mka/gs

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    Tags:
    Rassismus, Sklaverei, Großbritannien