00:54 29 November 2020
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    Vor dem Hintergrund der starken Antirassismus-Bewegung nach dem gewaltsamen Mord am Afroamerikaner George Floyd in den USA wollen nun einige auch in Deutschland bekannte US-Marken ein Zeichen setzen. Man wolle sich keiner ethnischen Stereotype mehr bedienen, heißt es. Das könnte zum Trend werden. Ein Überblick.

    Angesichts der aktuellen Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA geraten auch Unternehmen stärker unter Druck, sich dem gesellschaftlichen Wandel anzupassen.

    Ein TikTok-Video kursiert in den USA in den sozialen Medien und sorgt für viel Unmut. Sängerin Kirby erklärt darin, wie man „ein nicht rassistisches Frühstück zubereitet“: „Haben Sie gewusst, dass der Name Tante Jemima der Slangname eines Plantagenverkäufers ist?“, fragt sie. „Haben Sie gewusst, dass der Gründer Chris Rutt, ein weißer Mann, <...> die ehemalige Sklavin Nancy Green als ‘seine eigene’ Tante Jemima engagierte, wo sie herumging, Pfannkuchen machte und den Menschen Geschichten über den guten alten Süden erzählte? Und danach konnten sie eine Schachtel Tante Jemima mit nach Hause nehmen und dann das Gefühl haben, eine eigene Mammy (abwertende Bezeichnung und Anrede für schwarz-afrikanische Kindermädchen – Anm. d. Red.) zu haben. Jetzt reicht es! Schwarze Leben zählen, Leute! Auch beim Frühstück!“ Die Reaktionen auf die Aufnahmen waren gespalten und reichten von völliger Zustimmung bis zum Unverständnis für die Radikalität der Botschaft. 

    Nun hat das „Pepsi“-eigene Lebensmitteunternehmen Quaker Oats eingeräumt, dass die Herkunft der über 130 Jahre alten Marke „Aunt Jemima“ tatsächlich auf einem rassistischen Stereotyp beruhe. Marketingchefin Kristin Kroepfl zeigte sich in einer Erklärung am Mittwoch reumütig. Die gesamte Produktpalette von Backmischungen bis Frühstückspfannkuchen und Sirup soll nun einen neuen Anstrich bekommen, vor allem was das Logo anbetrifft. In den Augen der Kritiker wird eine schwarze Frau klischeehaft als Maskottchen im Stil einer freundlichen Dienerin abgebildet.

    Generell will Pepsi nun die Verpackung und den Markennamen komplett umkrempeln. „Wir müssen unsere Marken genau unter die Lupe nehmen und sicherstellen, dass sie unsere Werte widerspiegeln und die Kundenerwartungen erfüllen“, erklärte die Quaker-Managerin Kroepfl. Das Unternehmen bemühte sich schon in den 1960ern um das Problem, als es das Kopftuch am Kopf der Tante Jemima durch ein kariertes Stirnband ersetzte. Ende der 1980er folgten noch Perlenohrringe und ein Spitzenkragen.

    Auch der US-Lebensmittelkonzern Mars kündigte an, seine Reismarke Uncle Ben's „weiterzuentwickeln“. Das Markenzeichen des Produkts zeigt den Kopf eines älteren schwarzen Mannes mit weißen Haaren. Mars erklärte, Haltung beim Bemühen zeigen zu wollen, rassistische Vorurteile und Ungerechtigkeiten zu beenden. Als globaler Konzern habe man eine Verantwortung. Was genau an der Marke geändert werde, sei noch nicht klar. Mars ziehe alle Möglichkeiten in Betracht. Rassismus habe keinen Platz in der Gesellschaft.

    Die Debatte in den sozialen Netzwerken wird mittlerweile immer hitziger. „Sie möchten Tante Jemima wegen ihres ‘subtilen Rassismus’ streichen, aber nicht die Planned Parenthood (The International Planned Parenthood Federation – ein internationaler Dachverband im Bereich der Bevölkerungspolitik, der unter anderem die Forderungen nach der Bekämpfung der „Überbevölkerung“ unterstützt – Anm. d. Red.), die Millionen ungeborener schwarzer Babys geschlachtet hat und buchstäblich von einem Theoretiker der weißen Überlegenheit  gegründet wurde, wegen ihres eklatanten Rassismus? Doof. Einfach doof“, beklagte sich der superbekannte 17-jährige US-Aktivist CJ Pearson. „Tante Jemimas ist nun arbeitslos und Colin Kaepernick  (US-Football-Spieler und Aktivist der BlackLivesMatter-Bewegung – Anm. d. Red.) ist zur Unterzeichnung eines Vertrages gekauft worden. Was für eine Woche für den schwarzen Fortschritt... und es ist erst Mittwoch“, räumte der Schauspieler Cyrus McQueen ein. „Das Unternehmen wusste immer, dass Tante Jemima rassistisch war. <...> Sie wussten, dass es rassistisch war und beschlossen, die Marke trotzdem jahrzehntelang zu behalten. Denn es war immer akzeptabel, offen vom Rassismus zu profitieren“, legte die Influencerin „5'7" Black Male“ nach.

    Kürzlicher Rassismus-Eklat bei Volkswagen

    Ende Mai sollte sich auch der deutsche Autogigant Volkswagen für die Fehler bei der Erstellung des Werbevideos für den Gold 8 entschuldigen - nach massiven Protesten in den sozialen Netzwerken wegen einer vermutlich rassistischen Botschaft. Neben den Fehlern seien auch grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz im Spiel gewesen, hieß es. Der bisherige Stand sei, dass bei der Aufnahme des Videos „keinerlei rassistische Intentionen eine Rolle gespielt haben“.

    In dem wenige Sekunden langen Werbespot war im Vordergrund eine große weiße Hand zu sehen, die einen schwarzen Mann im Hintergrund in ein Lokal namens „Petit colon“, also „Kleiner Kolonialist, zerrt“. Ganz kurz erscheint auch die Buchstabenfolge „NEGER“. 

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    Tags:
    George Floyd, Rassismus