20:14 03 Juli 2020
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    Vor dem Angriff auf Sowjetunion wollte Deutschland durch Hitlers Stellvertreter in der Partei, Rudolf Hess, Großbritannien eine Reihe von Voraussetzungen zur Kooperation in der Nachkriegszeit vorlegen. Der russische Historiker Wladimir Makarow stellt seine Thesen vor.

    Am 10. Mai 1941 unternahm Hess allein einen Flug nach Großbritannien. Die Dokumente über dieses Ereignis, das als eines der Haupträtsel des Zweiten Weltkrieges gilt, hat London immer noch nicht völlig freigegeben. Historiker sind sich jedoch einig, dass Hess die Briten von einem Friedensschluss mit Deutschland vor seinem Angriff auf die Sowjetunion überzeugen wollte. 

    Makarow führt Abschnitte aus den in russischen Archiven aufbewahrten Aussagen des Adjutanten von Hess, Karlheinz Pintsch, an. Die Thesen für deutsch-britische Verhandlungen seien demnach Folgende gewesen: Deutschland würde den Anspruch auf seine Kolonien in Afrika aufgeben; es würde freiwillig seine Seestreitkräfte reduzieren und die britische Seeherrschaft akzeptieren; es wäre nicht an einer britischen Niederlage interessiert und bereit, den englischen Status als Weltmacht zu unterstützen; zudem wäre es bereit, Großbritannien bei der Bewältigung der Nachkriegskrise Hilfe zu leisten.

    Gleichzeitig wollte Deutschland von Großbritannien die Rückgabe der nach 1918 im Ausland eingefrorenen deutschen Privatvermögenswerte verlangen, die bei den Reparationszahlungen nicht angerechnet wurden. England wäre verpflichtet, auf Kosten dieser Vermögenswerte Rohstoff an Deutschland zu liefern; Deutschland wäre verpflichtet, die „Bolschewisierung“ Europas zu verhindern und könnte Handlungsfreiheit im Osten bekommen. 

    „Der Sinn der Aussagen von Hess lag darin, dass die ganze damalige Politik der deutschen Regierung hauptsächlich auf die Vorbereitung eines Krieges ausgerichtet war“, so Makarow. 

    In diesem Zusammenhang führt er Worte von Hess an: „Die im Westen gebundenen Kräfte, die gegen Russland eingesetzt werden könnten, werden freigesetzt.“

    Die Ausarbeitung dieser Vorschläge und den Flug von Hess nach Großbritannien hätte Hitler genehmigt. 

    1939 hätte es einen „seltsamen Krieg“ zwischen Großbritannien und Deutschland gegeben. Im Falle eines Krieges im Osten würde Hitler der Kriegsgefahr an zwei Fronten ausgesetzt (in der Folge geschah genau dies). „In dieser Hinsicht sah der Versuch, separate Verhandlungen zwischen den Nazis und den Briten zu erreichen, ganz logisch aus“, erklärte Makarow. 

    ao/sb/sna

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    Tags:
    der Zweite Weltkrieg, Verhandlungen, Großbritannien, Deutschland, Rudolf Heß, Adolf Hitler