11:49 06 Juli 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    7178
    Abonnieren

    Der frühere Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, hat in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News die Vorwürfe des US-Außenministers Mike Pompeo zurückgewiesen, der Boltons Memoiren-Buch mit den Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden verglichen hatte.

    In seinem Buch „Der Raum, in dem es geschah: Memoiren aus dem Weißen Haus“, das am Dienstag erschienen ist, beschreibt Bolton seine Arbeit im Weißen Haus in den Jahren 2018 und 2019. Bolton schilderte recht offen Verhandlungen auf höchster Ebene, unter anderem auch mit der russischen Seite, an denen er teilgenommen hat, und lieferte Details zu einigen Klausurtagungen im Weißen Haus, die er als Trumps Berater beobachtet hatte.

    US-Außenminister Mike Pompeo verglich die Veröffentlichung des Buches mit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden, der 2013 eine Reihe von geheimen Materialien über US-Geheimdienstprogramme, die im Internet spionieren, preisgegeben hatte.

    Diesen Vergleich wies Bolton entschieden zurück.

    „Das ist völliger Unsinn“, äußerte er. „Aber auf der anderen Seite wurde der Präsident vor Monaten zitiert, als er mich als Verräter bezeichnete, sodass die Tatsache, dass Pompeo das tut, seinem Kurs entspricht.

    „Ich bin mit einem ziemlich guten Gedächtnis gesegnet“

    Nach Verlassen des Weißen Hauses habe er den Sicherheitsvorschriften gemäß alle offiziellen Aufzeichnungen vernichtet, so Bolton. Sein 500-seitiges Buch habe er auf Grundlage seiner Erinnerungen geschrieben.

    Dies sei seinem guten Gedächtnis zu verdanken:

    „Ich bin mit einem ziemlich guten Gedächtnis gesegnet“, sagte Bolton.

    Seine Notizen, die er während seiner Tätigkeit im Weißen Hause gemacht habe, habe er in Taschen verbrannt. Diese Aufzeichnungen mussten nach seiner Ansicht nicht aufbewahrt werden: „Viele andere Menschen folgten dem gleichen Muster.“

    Üblicherweise seien die Notizen an den Wochenenden vernichtet worden, sodass er keine Aufzeichnungen mehr gehabt habe, als er das Weiße Haus verlassen habe.

    Der letzte Strohhalm

    Als Bolton über die Gründe für seinen Rücktritt im September 2019 sprach, bestätigte er, dass der „letzte Strohhalm“ Trumps Wunsch gewesen war, die Anführer der afghanischen radikalen Taliban-Bewegung zur  Unterzeichnung eines Friedensabkommens  in der Residenz Camp David in der Nähe von Washington einzuladen.

    „Ich wollte diese Treffen (mit den Taliban) nicht, und ich wollte kein Abkommen, und nun schien es, als könnten wir beides bekommen“, schrieb Bolton in seinem Memoiren zur Vorbereitung des Camp-David-Treffens im September 2019, das Trump so sehr gewollt hatte und dessen Abhaltung schließlich gescheitert war.

    Der US-Präsident gab später bekannt, dass er die Zusammenkunft abgesagt habe, nachdem sich die Taliban zu einem Autobombenanschlag bekannt hatten, bei dem im September in Kabul ein US-Soldat, ein rumänischer Soldat und zehn Zivilisten getötet worden waren.

    Klage der Trump-Regierung gescheitert

    In der vergangenen Woche hatte die US-Regierung versucht, den Vertrieb von Boltons Buch gerichtlich zu verbieten, mit der Begründung, er habe darin geheime Informationen preisgegeben. Der Richter verbot den Verkauf der Memoiren nicht, stimmte aber zu, dass Bolton gegen das Verfahren zur Koordinierung des Manuskripts mit den Behörden verstoßen hatte, und räumte ein, dass der Ex-Berater durchaus geheime Informationen preisgegeben haben könne. Nach Ansicht des Gerichts wird Bolton nun Ruhm und Geld erhalten, wenn in dem Buch keine geheimen Informationen enthalten sind. Falls es derartige Angaben allerdings doch geben sollte, werde Bolton strafrechtlich verfolgt werden.

    Trump begrüßte dies und versprach, dass Bolton einen hohen Preis für die Gesetzesverletzung zahlen werde.

    asch/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Iranischer Militärführer: Revolutionsgarden haben „Raketenstädte“ zur Abwehr von Aggressionen
    Atlantikküsten-Pipeline in den USA wird nicht gebaut
    Für US-Truppen: Deutschland zahlte fast eine Milliarde Euro in zehn Jahren
    Tags:
    Edward Snowden, Vorwürfe, Enthüllungsbuch, Michael Pompeo, Mike Pompeo, John Bolton, USA