03:38 29 Oktober 2020
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    Nach Auffassung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein sind Minderheiten im deutschen Film weiterhin unterrepräsentiert, weswegen Filmschaffende nun bei der Beantragung von Fördermitteln eine verpflichtende Diversitäts-Checkliste ausfüllen müssen.

    Wie muss der moderne Film aussehen, um unsere Lebensrealität adäquat abbilden zu können? Geht es nach der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), braucht er dafür vor allem eines: mehr Diversität. Weg von den Stereotypen über Frauen und Männer, Weiße und Schwarze, Heteros und Schwule, und hin zu einer bunten Mischung, die alle einbezieht und deren Geschichten sie frei von Klischees erzählt. Als erste Filmförderung bundesweit hat die FFHSH deshalb einen verpflichtenden Diversitäts-Fragebogen eingeführt, den die Antragsteller ausfüllen müssen, wenn sie Fördermittel beantragen wollen.

    Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, sagt dazu:

    "Mehr Vielfalt filmen und Geschichten erzählen, die sonst ungehört bleiben: Wir wollen unsere vielfältige, multikulturelle Gesellschaft modern und in all ihren Facetten auf der Leinwand sehen. Auch unsere Fördernehmer wollen wir stärker für das Thema Diversität sensibilisieren. So wie wir vor einigen Jahren mit dem Grünen Drehpass das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda unserer Branche gesetzt haben, ist es jetzt höchste Zeit, unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. Unsere Diversity Checklist und die diversere Besetzung unserer Fördergremien sind dafür ein erster Schritt. Last but not least ist es ein offenes Geheimnis, dass Diversität und Kommerzialität keine Gegensätze sind."

    Im Fragebogen müssen die Antragsteller beispielsweise angeben, ob die Geschichte, die sie erzählen wollen, solche Themen aufgreift, wie Alltag in der dritten Lebensphase, Geschlechterrollen, Hautfarbe, Leben mit Behinderung, Migration, religiöse Fragen, sexuelle Identitäten oder sozioökonomischer Status. Darüber hinaus interessiert die Filmförderung, welchem Geschlecht die Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und weitere Teammitglieder angehören und ob auch Menschen anderer Hautfarbe oder mit Behinderung beschäftigt werden, ob eine Fassung für Hörgeschädigte vorgesehen ist und ob im Marketing gezielt unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen angesprochen werden.

    Manchmal gebe es durchaus inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers sei, räumt FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann ein. Diese Gründe wolle man aber nachvollziehen können, und die Erfahrung der letzten Jahre habe auch gezeigt, dass ein Film meist umso besser sei, je diverser er sei.

    Dass die Frage nach der Darstellung von Minderheiten bei Film und Fernsehen hochaktuell ist, zeigen die jüngsten Entwicklungen rund um die Bewegung „Black Lives Matter“. Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und den anschließenden Protesten gegen Rassismus hatten Streamingdienste und Fernsehsender reagiert und Filme und Serien aus dem Angebot entfernt, die als rassistisch wahrgenommen wurden, darunter der Hollywood-Klassiker „Vom Winde verweht“ und die beliebte britische Comedy-Serie „Little Britain“.

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