02:34 06 Dezember 2020
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    Die Zeitung „The New York Times“ hat neue Details zu der angeblichen Verschwörung zwischen der radikalen afghanischen Bewegung „Taliban“ veröffentlicht: Der einstige Drogenschmuggler Rahmatullah Azizi soll als Vermittler zwischen den beiden Parteien fungiert haben, berichtet die Zeitung unter Verweis auf US- und afghanische Beamte.

    Demnach hatte Azizi, ein Mann in seinen 40ern, einige Aufträge für den Bau von Straßenabschnitten in Kundus erhalten, die von den US-geführten Koalitionstruppen angebotenen worden seien. Später habe er begonnen, regelmäßig nach Russland zu reisen. Nachdem er „eine Basis in Russland etabliert“ habe, sei sein Wohlstand erheblich gestiegen, schreibt die Zeitung unter Verweis auf seine Verwandten und Nachbarn.

    Vor etwa sechs Monaten habe der afghanische Sicherheitsdienst Dutzende Verwandte und Mitarbeiter von Azizi bei durchgreifenden Razzien verhaftet. Azizi sei zu dem Zeitpunkt aus Afghanistan geflüchtet. Bei einer Durchsuchung in einem seiner Häuser in Kabul sei etwa eine halbe Million US-Dollar in bar entdeckt worden.

    Die Zeitung will Details zu Azizis Vermittlerrolle im Kopfgeldplan in „einem Dutzend Interviews“ bestätigt haben. Zu den Befragten sollen „US-amerikanische und afghanische Beamte, die über den Geheimdienst und die Razzien, die dazu führten, Bescheid wussten, seine (Azizis – Anm. d. Red.) Nachbarn und Freunde sowie Geschäftspartner“ gehören, die wegen des Verdachts einer Beteiligung verhaftet wurden. Sie alle hätten unter der Bedingung der Anonymität gesprochen.

    In den Geheimdienstberichten sei Azizi als ein wichtiger Mittelsmann zwischen dem russischen militärischen Nachrichtendienst und Militanten bezeichnet worden, die mit den Taliban in Verbindung stehen würden und Angriffe durchgeführt hätten, so die Zeitung. Er gehöre zu denjenigen, die Bargeld in Russland eingesammelt hätten. Es soll dabei um mehrfache Zahlungen von Hunderttausenden US-Dollar gehen.

    Das Geld soll über das sogenannte Hawala-Finanzsystem – ein informelles Zahlungsverfahren – über verschiedene Umwege nach Afghanistan gelangt sein.

    Bei seinen Razzien in Büros mehrerer Hawala-Geschäftsleute in der Hauptstadt Kabul und in Kundus im Norden des Landes vor etwa sechs Monaten habe die afghanische Sicherheitsbehörde mehr als ein Dutzend Personen festgenommen. Die Büros seien verdächtigt worden, mit dem Kopfgeldplan in Verbindung zu stehen.

    „Das Ziel der Operation war Rahmat (Azizi – Anm. d. Red.), der lange Zeit zwischen Russland hin- und herpendelte und sagte, er arbeite dort, aber niemand wisse, was er tue“, zitiert die Zeitung den stellvertretenden Vorsitzenden des Provinzrats von Kundus, Safiullah Amiry. Damals sei Rahmat jedoch „bereits geflohen“.

    „Nach dem, was ich von den Sicherheitsbeamten hörte, war das Geld über Rahmat aus Russland gekommen“, sagte Amiry.

    Laut afghanischen Beamten sollen Kopfgelder im Wert von bis zu 100.000 US-Dollar pro getöteten Soldaten der US- oder Koalitionstruppe angeboten worden sein. Unklar bleibe, wie das Geld an Militante verteilt worden sei, die für die Taliban Angriffe durchgeführt hätten und auf welcher Ebene die Koordinierung erfolgt sei.

    Umstrittene Berichte von „New York Times“

    Die Zeitung „The New York Times“ hatte am vergangenen Freitag unter Verweis auf Mitarbeiter der US-Geheimdienste, die anonym bleiben wollten, behauptet, dass die russische Militäraufklärung Terrorkämpfern, die mit den Taliban verbunden seien, eine Belohnung für Angriffe auf US-Soldaten in Afghanistan angeboten hätte. US-Präsident Donald Trump sei darüber informiert worden, hieß es. In dem entsprechenden Beitrag wurden jedoch keinerlei Beweise angeführt.

    Später berichtete die Zeitung in einem weiteren Artikel unter Verweis auf drei Quellen, dass US-Beamte elektronische Daten über Finanzüberweisungen von einem angeblich vom russischen Militärgeheimdienst kontrollierten Bankkonto auf ein Konto, das mit den Taliban in Verbindung stehen soll, abgefangen hätten. Diese Tatsache soll einer der Beweise dafür sein, dass Russland angeblich Terrorkämpfern in Afghanistan Belohnungen für die Tötung von US-Militärangehörigen angeboten habe.

    „Ein weiterer Schwindel, der mit Russland verbunden ist“

    Die russische Botschaft in Washington verlangte von den US-Behörden eine angemessene Reaktion auf die Bedrohungen, die aufgrund der Nachrichten über Russland und Afghanistan Diplomaten zukommen. Das russische Außenministerium bezeichnete den Artikel der „New York Times“ als „Fake“. Auch die Taliban-Bewegung wies die besagte Behauptung als nicht wahrheitsgemäß zurück.

    Der US-amerikanische Präsident, Donald Trump, teilte diesbezüglich mit, dass der US-Nachrichtendienst diese Informationen für nicht vertrauenswürdig halte und sie ihm deshalb nicht zur Verfügung gestellt habe. „Möglicherweise handelt es sich um einen weiteren Schwindel, der mit Russland verbunden ist. Möglicherweise will die ‚New York Times’ die Republikaner mit Hilfe von Fake News in ein schlechtes Licht rücken“, twitterte Trump dazu.

    Das Weiße Haus, das Pentagon sowie die US-Nachrichtendienste ließen verkünden, es gebe im Moment keine Bestätigung der NYT-Berichte. Trump sei über derartige Erkenntnisse nicht informiert worden, hieß es.

    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, bezeichnete die Berichte der „New York Times“ über Russlands angebliche „Verschwörung“ mit den Taliban als Lüge. Seine Antwort auf die Frage von Journalisten, ob Trump dieses Thema im Laufe dieses Jahres auf irgendeine Art mit Wladimir Putin diskutiert habe, war negativ.

     

    asch/ae

     

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    Tags:
    Vermittler, The New York Times, New York Times, Belohnung, Tötung, US-Soldaten, US-Militär, USA, Taliban, Afghanistan, Russland