22:10 24 November 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (115)
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    6556 neue Ansteckungen am 1. Juli: Der Rückgang von Neuinfektionen mit dem Coronavirus setzt sich in Russland sichtlich fort. Pandemiebedingte Einschränkungen lässt das Land schrittweise hinter sich…

    Die Ängste der ersten Pandemiewochen, als das Ausmaß der Gefahr noch unermesslich war, sind vergangen. Auch die mentale Erschöpfung wegen des Lockdowns lässt bei den Menschen allmählich nach. Ärzte mahnen zwar noch, achtsam zu bleiben, warnen vor der zweiten Pandemiewelle, doch zumindest eine Zwischenbilanz lässt die gegenwärtige Lage zu: Was lehrt uns Corona gesellschaftlich und politisch?

    Eine Epidemie ist kein rein medizinisches Problem. Sie ist eine Prüfung für Staat und Gesellschaft, ein Check-up für die Belastbarkeit nicht nur des Gesundheitswesens, sondern einer Vielzahl an Institutionen – des gesamten Systems. Das Coronavirus ist eine Herausforderung, wie die Menschheit sie seit langem nicht zu bewältigen hatte: 10,4 Millionen Infektionsfälle sind in der ganzen Welt festgestellt worden, über eine halbe Million Menschen sind gestorben. Russlands Anteil an dieser traurigen Statistik beläuft sich auf über 650 Tsd. Infizierte und circa 9,5 Tsd. Tote. Das Land steht auf Platz 3 bei der Zahl der Erkrankten (näherhin bei der Zahl der erkannten Ansteckungen) und auf Platz 12 bei der Zahl der Toten. Die Sterblichkeitsrate in Russland ist mit 1,4 Prozent eine der niedrigsten der Welt.

    Hinter dem tristen Zahlenwerk verbirgt sich eine gewaltige Anstrengung staatlicher Einrichtungen. Man nehme nur die Anzahl erkannter Infektionen: Die Zahl bedeutet in erster Linie die hohe Wirksamkeit des behördlichen Diagnoseverfahrens – von der Herstellung der Tests bis zum weitläufigen und engmaschigen Netz der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Viele europäische Länder mit katastrophalen Sterblichkeitswerten – Spanien: über 11 Prozent; Großbritannien und Italien: circa 14 Prozent; Belgien: fast 16 Prozent; Frankreich: über 18 Prozent – machen keinen Hehl daraus, dass für die schlimme Lage ausbleibende Massentests ursächlich waren, zurückzuführen einzig auf fehlende Ressourcen.

    Mitten in der Pandemie ist ein gesellschaftlicher Streit darüber entbrannt, welche Wirtschafts- und Sozialordnung sich unter dem Druck einer extremen Belastung als die bessere erweist. Was wird mit der präzedenzlosen Krise besser fertig: eine Plan- und Kommandowirtschaft mit ausgebauten Systemen der sozialen Sicherung oder das marktorientierte und auf Eigeninitiative gestützte Wirtschaftsmodell?

    Eins hat das Coronavirus eindrücklich gezeigt: wie sinnlos diese Gegenüberstellung ist. Die Vereinigten Staaten – Hochburg des globalen Kapitalismus – konnten über Wochen nicht mal die Versorgung mit dem Nötigsten (einschließlich Klopapier) sicherstellen, schafften es aber, zügig ein leistungsfähiges Testsystem für COVID-19 zu organisieren (was ihnen im Kampf gegen das Virus freilich wenig nützte). Umgekehrt: Schweden – das Land mit der vorbildlichsten Marktwirtschaft Europas – handelte im Verzicht auf Quarantänemaßnahmen einzig nach dem Grundsatz „Möge der stärkere überleben“ und sieht sich jetzt in einer verglichen an Nachbarländern mehr als düsteren epidemiologischen Lage.

    Maßgeblich ist also nicht die Wirtschaftsordnung, sondern die leitenden Grundsätze in Politik und Gesellschaft – die Fähigkeit zum kompetenten Multitasking selbst im schwierigsten Umfeld unter Einsatz aller verfügbaren Ressourcen. Die Corona-Krise zeigt, dass Russland das kann.

    Das russische Gesundheitswesen ist prompt auf die Behandlung der neuartigen Krankheit umgestellt worden. Krankenhäuser sind von null auf neugebaut worden. Landesweit ist die Herstellung aller erforderlichen Ausstattung und Ausrüstung hochgefahren worden, vom einfachen Mund-Nase-Schutz bis zum Beatmungsgerät. Damit versorgt Russland nicht nur sich selbst: auch der Export alles Notwendigen hat zugenommen. Zeitgleich entwickeln russische Forscher mit Hochdruck Impfstoffe gegen COVID-19, erste Labortests an Probanden finden bereits statt. Eigene Präparate zur Behandlung der Lungenkrankheit hat Russland bereits in der Produktion.

    Zur Bewältigung dieser Aufgaben hat die russische Regierung alle Ressourcen mobilisiert, die verfügbar waren: von der Armee bis zu Freiwilligen. Ärzte und Pfleger sind Russlands neue Helden – man kennt die Namen derer, die im direkten Kontakt mit dem Virus für die Gesundheit der Menschen kämpfen.

    Nebenher zeigen Meinungsumfragen wiederholt, wie reif die russische Gesellschaft geworden ist: Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen sind für viele Familien in Russland auch finanziell hart. Doch Menschen gehen die notwendigen Schritte aus Verständnis mit. Die Gesellschaft hat sich nicht spalten lassen, hat sich auf Provokateure und Panikmacher nicht eingelassen. Es ist ein Gefühl von Zusammenhalt da. Die russische Gesellschaft ist im Frieden geblieben und erntet die Früchte: Menschenleben, die gerettet wurden.

    Derweil sieht es wie unvorstellbarer Irrsinn aus, was auf der Westseite des Atlantiks vor sich geht: Massendemonstrationen arten in Gewalt aus, während das Virus weiter um sich greift (2,6 Millionen Amerikaner sind mit COVID-19 infiziert, 130 Tsd. bereits verstorben). Fachleute prognostizieren eine Zuspitzung der Katastrophe auf bis zu 100 Tsd. Neuinfektionen pro Tag. Die zweite Pandemiewelle, vor der zu warnen die Ärzte nicht müde werden, wird offenbar ausgerechnet in den Vereinigten Staaten zur Wirklichkeit. Hingegen in Russland: Erfolge im systematischen Kampf gegen das Virus. Wer darin einen Ausdruck der tiefen Umwälzungen sieht, die die Welt erfasst haben, dürfte schließlich Recht behalten.

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    Testsystem, Spanien, Impfstoff, Sterberate, Coronavirus, Frankreich, Belgien, Italien, Deutschland, USA, Russland