14:36 13 August 2020
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    Bei ihren Ermittlungen zur Stuttgarter Krawallnacht will die Polizei auch das Umfeld der Verdächtigen und deren familiären Hintergrund beleuchten. Laut einem Polizeisprecher haben die Ausschreitungen in der Nacht zum 21. Juni ein bisher ungekanntes Aggressions- und Gewaltpotenzial offenbart.

    Da gehöre es selbstverständlich zur Aufarbeitung dazu, herauszufinden, mit wem man es zu tun habe, und das Umfeld der Verdächtigen sowie in unklaren Fällen auch einen möglichen Migrationshintergrund zu ermitteln, sagte der Polizeisprecher am Sonntag.

    Einen Bericht von der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“, die Polizei wolle Stammbaumforschung betreiben, wies der Sprecher zurück. „Aber wir betreiben natürlich keine Ahnen- oder Stammbaumforschung“, sagte er. Ein Sprecher der Stadt schrieb am Sonntag bei Twitter, der Begriff gehöre nicht zum Wortschatz der Stadt beziehungsweise der Polizei. Weder er noch weitere Zuhörer einer Gemeinderatssitzung könnten sich daran erinnern. Man werde nun das Protokoll der fraglichen Sitzung auswerten.

    In dem Bericht hatte es geheißen, Polizeipräsident Franz Lutz habe im Gemeinderat angekündigt, dass die Polizei auch bei Verdächtigen mit deutschem Pass mit Hilfe der Landratsämter Stammbaumrecherche betreiben werde.

    „Skurriler Vorschlag“

    Die angebliche Stammbaumrecherche löste bei einigen Politikern Kritik aus. „Das verstört mich nachhaltig“, twitterte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Vor allem die Grünen lehnen das Vorhaben ab.

    „Es ist wichtig, die Hintergründe der Gewalttaten von Stuttgart zu ermitteln und aufzuklären“, erklärte Robert Habeck. „Wenn es aber stimmt, dass die Stuttgarter Polizei dafür ‚Stammbaumrecherche‘ betreiben will, wäre das in keinster Weise akzeptabel.“

    ​Schon der Verdacht, dass die Polizei Menschen nach Herkunft oder Aussehen unterschiedlich behandle, schade ihrem Ansehen, argumentierte Habeck in einem weiteren Tweet.

    „Mir fehlen immer noch die Worte“, sagte der Grünen-Politiker Cem Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Polizeipräsident solle seinen „skurrilen Vorschlag“ sofort aus der Welt schaffen.

    Der Bundesvorsitzende der Berufsvereinigung „PolizeiGrün“, Oliver von Dobrowolski, äußerte sich dazu wie folgt: „Eigentlich bin ich mal zur Polizei gegangen, um strafbare Hintergründe zu ermitteln. Nicht für rassistische Stammbaumforschung. Es ist unerträglich, wie sehr eine rechtsstaatliche Polizeiarbeit zurücksteht für anachronistischen Unfug.“

    Krawallnacht in Stuttgart

    In Stuttgart war es in der Nacht zum 21. Juni zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Randalierer hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an den Randalen beteiligt oder hatten dabei zugeschaut. 32 Polizisten wurden verletzt. Inzwischen seien 40 Verdächtige ermittelt. 14 säßen in Untersuchungshaft, sechs weitere Haftbefehle seien außer Vollzug gesetzt worden, hieß es.

    mka/dpa/gs

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    Tags:
    Krawalle, Rassismus, Polizei, Stuttgart