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    Zehntausende Tonnen Trotyl, Hunderttausende Mitarbeiter, unvorhersehbare Folgen und absolute Geheimhaltung – heute vor 75 Jahren, am 16. Juli 1945, fand der erste Atomwaffentest in der Welt statt. Auf dem Übungsgelände in Alamogordo (Bundesstaat New Mexico) wurde die Plutoniumbombe „Gadget“ gesprengt.

    Die Ergebnisse waren atemberaubend – sowohl für die Militärs als auch für die Forscher. Erstere freuten sich auf ihre neue Superwaffe, letztere waren aber darüber entsetzt, was für einen Dschinn sie da aus seiner Flasche herausgelassen haben. Über den Test der ersten Atombombe berichtet RIA Novosti in diesem Artikel.

    Jagd nach Forschern

    Im Jahr 1938 hatten die deutschen Physiker Otto Hahn und Fritz Straßmann herausgefunden, dass der Atomkern des Urans instabil ist und sich in zwei Teile spalten und dabei eine schier unglaubliche Menge Energie ausstoßen kann. Also ist eine Kettenreaktion möglich. Das ermöglichte die Entwicklung von Waffen, deren Stärke so gut wie uneingeschränkt wäre und die ganze Städte in Schutt und Asche legen könnten.

    Nazi-Deutschland war das erste Land in der Welt, das Forschungen auf diesem Gebiet begann. Die Forscher verstanden, dass Hitler mit solchen Waffen in seinen Händen die ganze Menschheit vernichten könnte. Im Sommer 1939 überzeugten Leo Szilard und Eugen Wigner den damals in den USA lebenden Albert Einstein, einen Brief an den US-Präsidenten Franklin Roosevelt zu schreiben und ihn vor der von Deutschland ausgehenden Gefahr zu warnen. 

    Das hatte Wirkung: Im Herbst 1939 wurde in Washington das Uran-Komitee gebildet, das die Aufgabe bekam, herauszufinden, ob Deutschland imstande wäre, prinzipiell neue Waffen zu entwickeln. Schon im November wurde Präsident Roosevelt informiert, dass das Dritte Reich intensiv an einer Atombombe arbeite, was enorm gefährlich wäre. Und dann wurde das Manhattan-Projekt ins Leben gerufen.

    Die US-Geheimdienste begannen eine regelrechte Jagd nach europäischen Forschern. Schon während des Zweiten Weltkriegs wurden aus der Alten Welt viele bekannte Physiker nach Amerika geholt, unter anderem Niels Bohr aus Dänemark, das damals von Deutschland okkupiert war. In die Strukturen des Dritten Reiches, die mit der Entwicklung der neuen Waffen verbunden waren, wurden intensiv Agenten integriert, die nach Informationen suchten und zudem Diversionen organisierten. So sprengten norwegische Antifaschisten, die in London ausgebildet worden waren, im Februar 1943 einen Betrieb in der Stadt Vemork, in dem schweres Wasser hergestellt wurde. Dadurch behinderten sie Hitler bei der Umsetzung seiner Pläne. 

    Zwei Typen von Bomben 

    Bis Juni 1944 beteiligten sich am Manhattan-Projekt etwa 130.000 Spezialisten, von denen sich mehr als die Hälfte mit Bauarbeiten beschäftigten, und fast 2000 Kriegsgefangene (später erreichte ihre Zahl 6000). Die Ausgaben beliefen sich auf zwei Milliarden Dollar (das entspricht heute etwa 20 Milliarden Dollar).

    Für diese enorm hohen Geldmittel wurde die Arbeit gleich in zwei Richtungen geführt: Es wurden Plutonium- und Uranwaffen entwickelt. Für die Lagerung des Waffenplutoniums wurde eine ganze Stadt gegründet: Hanford im Bundesstaat Washington, wo es drei spezielle Atommeiler gab. In Oak Ridge (Tennessee) wurde Uran angereichert. Die meisten Arbeiten wurden aber in Los Alamos (New Mexico) ausgeführt. Das Projekt wurde von General Leslie Groves und dem Physiker Robert Oppenheimer geleitet.

    Im Sommer 1945 hatten die Amerikaner schon drei fertiggebaute Bomben: die Plutoniumbomben „Gadget“ und „Fat Man“ und die Uranbombe „Little Boy“. Für eine Testexplosion wurde die Bombe „Gadget“ ausgewählt. Für den Test, der den Codenamen „Trinity“ bekam, wurde das Übungsgelände Alamogordo mitten in der Wüste gebaut. Die Einwohner der nahegelegenen Orte wurden darüber nicht benachrichtigt, damit sie das Geheimnis nicht lüften. Die Experten waren sich immerhin sicher, dass diesen Menschen nichts drohen würde. Aber niemand von ihnen wusste genau, wie stark die „Gadget“-Explosion sein könnte.

    Die Vorbereitung der Bombe auf den Test begann am 12. Juli 1945. Zwei Monate zuvor hatte man auf dem Übungsplatz 100 Tonnen TNT gesprengt, um die Messgeräte zu überprüfen. Der einsatzbereite Sprengsatz wurde auf die Spitze eines 30 Meter hohen Turms gehoben. Neun Kilometer südlich, nördlich und östlich wurden unterirdische Beobachtungsstellen eingerichtet. 16 Kilometer südwestlich vom Turm lag eine befestigte Kommandostelle, von der das Signal zur Detonation kommen sollte. Die meisten Beobachter befanden sich im Basislager, 30 Kilometer weit weg.

    „Wie ein Sonnenaufgang“

    Die Explosion wurde für den 16. Juli, 04.00 Uhr geplant. Das Experiment wäre wegen des Platzregens beinahe gescheitert – die Forscher fürchteten (und zwar zu Recht), dass der Regen und der Wind die Strahlenausbreitung noch intensiver machen würden. Zudem könnten sie die Beobachtung behindern. Am Ende wurde beschlossen, dass die „Gadget“ um 05.30 Uhr gesprengt wird. Der Countdown begann 20 Minuten vor der Explosion

    Die Forscher bekamen den Hinweis: Wenn der Countdown endet, sollten sie sich auf den Boden legen, mit dem Gesicht nach unten und mit den Füßen in Richtung der Explosion. Außerdem sollten sie die Augen schließen und mit den Händen zudrücken. Nach der Detonation durften sie aufstehen und auf den Rauchpilz gucken – durch spezielle Brillen mit verdunkelten Gläsern. Aber nach der Explosion vergaßen viele Beobachter die Anweisungen. 

    Mit einem solchen Effekt hatte niemand gerechnet. Die Explosionsstärke erreichte 21 Kilotonnen im Trotyl-Äquivalent. Der Krater war 76 Meter groß. Die Stoßwelle erreichte 160 Kilometer, und der Rauchpilz war zwölf Kilometer hoch.

    „Das war wie ein Sonnenaufgang“, schrieb der Korrespondent der „New York Times“, William Laurence, der einzige Reporter, der die Erlaubnis bekam, den „Trinity“-Test zu beobachten. „So etwas hat die Welt noch nie gesehen: Eine riesige grüne Super-Sonne, die blitzschnell in die Höhe von mehr als drei Kilometern gestiegen war und noch weiter stieg, bis sie die Wolken erreichte, beleuchtete mit einer unglaublichen Helligkeit die Erde und den Himmel.“ 

    Einen neuen Krieg verhindern

    Der „Trinity“-Test wurde als völlig erfolgreich anerkannt. Allerdings konnte er unmöglich geheimgehalten werden. Der Rauchpilz war aus einer Entfernung von 200 Kilometern zu sehen, in manchen Häusern wurden Fenster ausgeschlagen. Um den wahren Grund der Explosion zu verbergen, wurde über einen Brand in einem Munitionslager auf dem Übungsgelände berichtet. 

    Aber in Moskau wusste man Bescheid, was in Übersee in Wirklichkeit passiert war. Sowjetische Agenten hatten Informationen über den ganzen Verlauf des Manhattan-Projekts bekommen. In der Sowjetunion beschäftigte man sich auch intensiv mit der Entwicklung der eigenen Atomwaffen.

    Drei Wochen später warfen die Amerikaner die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ab. Die US-Militärführung war wirklich euphorisch und glaubte, unbesiegt zu sein. Aber die Forscher, die sich am Manhattan-Projekt beteiligten, waren alles andere als froh. Augenzeugen erzählten später, dass Robert Oppenheimer nach der „Gadget“-Explosion traurig  die „Bhagavad Gita“ zitierte: „Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ 

    Dennoch haben Atomwaffen die Menschheit nicht ausgelöscht. Mehr noch: Sie dienen inzwischen als größte Garantie dafür, dass es keinen neuen Weltkrieg geben wird. Die Supermächte verstehen zum Glück, dass es in diesem Krieg keine Sieger geben wird.

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    Tags:
    Atomwaffentest, Wasserstoffbombe, Nuklearwaffen, USA