19:40 05 Dezember 2020
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    Russland hat im Juli erste klinische Tests mit Impfstoffen gegen COVID-19 abgeschlossen. Laut Bloomberg sollen Top-Manager russischer Unternehmen bereits im April einen COVID-19-Impfstoff erhalten haben. Man habe sie als Versuchskandidaten für den Test des neuen Impfstoffes ausgewählt, sagte der Ex-Sanitätsoberarzt Onischtschenko gegenüber Sputnik.

    Hunderte Personen sollen laut Bloomberg die Testversion eines Corona-Impfstoffes bekommen haben, die das Gamaleya-Forschungsinstitut für Epidemiologie und Mikrobiologe entwickelt hatte. Es soll aber keine Beweise dafür gegeben. Der Staatsduma-Abgeordnete und frühere Chef-Sanitätsarzt Gennadi Onischtschenko sagte jedoch, dass die Autoren der Notiz sich von Wunschdenken hätten leiten lassen. Er verstehe, über welches Programm einer „Impfung der Elite“ gegen COVID-19 die Autoren von Bloomberg geschrieben hätten. Er merkte an, dass es sich dabei höchstwahrscheinlich um Geschäftsleute gehandelt habe, die sich zu Beginn der COVID-19-Impfstoffstudie als Freiwillige gemeldet hätten.

    „Ja, ich kenne einen Geschäftsmann, der sich hat impfen lassen. Ich hatte ihm auch gesagt, er solle lieber nichts überstürzen. Denn er hat eine ganze Reihe von Begleitkrankheiten, hat sich aber für die Impfung entschieden, weil er Geschäfte machen musste. Er gehört zur Corona-Risikogruppe und hat sich deshalb impfen lassen. Das Blutserum von Patienten wurde ebenfalls verwendet“, sagte Onischtschenko. 

    In Russland wurde ein Corona-Impfstoff erst ab Mitte Juni an Menschen getestet. Das Mittel, das den Eliten im April verabreicht worden sei, sei kein Impfstoff im üblichen Sinne des Wortes gewesen, sagte Gennadi Onischtschenko. Er sei sich sicher, dass die Teilnehmer dieses Programms den Impfschutz nicht früher als andere Bürger Russlands bekommen haben. „Sie wurden als Versuchskandidaten für den Test des neuen Impfstoffes gewählt, wofür wir ihnen dankbar sein sollten.“  

    Der ehemalige Sanitätsoberarzt Russlands Gennadi Onischtschenko (Archivbild)
    © Sputnik / Nina Sotina
    Der ehemalige Sanitätsoberarzt Russlands Gennadi Onischtschenko (Archivbild)
    „Horrorgeschichten über eine überlegene Position der Eliten sind hier unangemessen. Ich hätte auch geimpft werden können, hatte aber eine nüchternere Sicht auf dieses Thema. Ich wäre nur eine Person gewesen, die ein Fremdprotein verabreicht bekommen hat, das eindeutig eine bestimmte Reaktion auslöst, einschließlich des Immunsystems. Nennen wir es Rücksichtslosigkeit der Eliten. Sie sind Freiwillige, sie haben selbst darum gebeten, weil sie arbeiten mussten“, sagte Onischtschenko. 

    Experten sagen eine zweite, stärkere Welle des Coronavirus im Herbst voraus. Es kommt darauf an, ob Menschen nach der Infektion immun sind und ob das Virus mutiert. Man geht davon aus, dass eine Herdenimmunität erst dann erreicht ist, wenn über 50 Prozent der Bevölkerung eine Infektion mit COVID-19 überstanden haben. Diese Zahl wurde in keinem Land erreicht. Allerdings hat nicht jeder, der die Krankheit durchgemacht hat, Antikörper gebildet; das heißt, es gibt keine Garantie dafür, dass man nicht erneut krank wird. Daher wird viel vom Impfstoff selbst sowie von der Vorsicht der Menschen abhängen. 

    „Moskau war der intensivste Infektionsherd. Natürlich spielt auch die Tatsache eine wichtige Rolle, dass wir heute dem Corona-Impfstoff, der jetzt getestet wird, recht optimistisch entgegensehen. Am 3. August wird den Geimpften eine Blutprobe entnommen, um die Immunantwort auf den Impfstoff zu prüfen, der im Rahmen klinischer Studien verwendet wurde“, so der Ex-Sanitätsoberarzt Onischtschenko. 

    Russlands Verteidigungsministerium hat zusammen mit dem nationalen Gamaleya-Forschungsinstitut für Epidemiologie und Mikrobiologie erfolgreich die klinische Testphase eines Impfstoffes gegen Covid-19 abgeschlossen. Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums zeigen die vorhandenen Ergebnisse eindeutig, dass durch die Impfung eine Immunantwort gebildet wurde. Nach der Auswertung aller Daten soll der Impfstoff staatlich registriert werden.

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    Vakzine, Impfstoff, Russland, Bloomberg, Coronavirus, Covid-19