17:11 24 November 2020
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    Über 300 deutsche Bomber nahmen in der Nacht zum 22. Juli 1941 Kurs auf den Kreml und die umliegenden Bezirke. Es war der erste große Luftangriff der Wehrmacht auf die Hauptstadt der UdSSR. Fünf Stunden dauerte die Attacke – und verfehlte das gesetzte Ziel.

    Die 2. Luftflotte der Wehrmacht hatte den Einsatz gut vorbereitet. Ein Geschwader von Heinkel-, Junkers- und Dornier-Bombern sollte Moskau in Schutt und Asche legen. Damit die Flugzeuge ihre Ziele fanden, waren Einsatzgruppen ins Hinterland der Sowjets entsandt worden, um dort Funksender und -empfänger entsprechend zu positionieren.

    Dass die Luftwaffe im Bomben europäischer Städte erfahren war, war der Sowjetführung überaus bewusst. Anfang Juli bereits wurden in Moskau Abwehrstrategien ausgearbeitet und Planspiele zur Luftverteidigung durchgeführt. Circa 1000 Fla-Geschütze, 300 Maschinengewehre und 600 Flutlichter hatte die sowjetische Flugabwehr in der Hauptstadt konzentriert. Mit den Lichtanlagen konnte ein Abschnitt von bis zu 40 Kilometern Tiefe ausgeleuchtet werden. Hinzu kamen über 100 Aerostate, die als schwebende Sperren auf der voraussichtlichen Flugroute der Bomber eingesetzt werden konnten.

    Das Jagdgeschwader der sowjetischen Luftstreitkräfte verfügte über rund 600 Kampfflugzeuge, deren Aufgabe darin bestand, die anfliegende Bomber-Armada in 200 bis 300 Kilometern vor Moskau aufzuhalten – noch bevor die Bomber die Flugabwehrstellungen und die schwebenden Absperrungen entdecken würden.

    Am 14. Juli hatte Hitler den Sturmbefehl gegeben, in den darauffolgenden Tagen wurden die Piloten für den Einsatz ausgesucht – in der Nacht zum 22. Juli startete die Bomberflotte. Vom Nachteinsatz versprach sich die Wehrmachtsführung größere Erfolgschancen für den Bombenangriff. Das Geschwader flog in Gruppen auf das Ziel zu, nach Zeit und Einsatzhöhe gestaffelt, jeweils einem Verbandsführer folgend. Die zuvor am Boden positionierten Funkmelder dienten hervorragend als Zielmarker.

    Beim Anflug der Bomber alarmierten die Sowjets das 11. Jagdgeschwader. Dessen Piloten trafen als Erste auf den Gegner. Die Bomber kamen ohne Begleitflugzeuge, als Schutz standen denen nur die Bord-MGs zur Verfügung. Hauptmann Konstantin Titenkow nahm einen Einsatzführer ins Visier und schoss die Maschine im zweiten Anflug ab. Führerlos zerstreute sich die Gruppe. Derweil eilte das 12. Jagdgeschwader der sowjetischen Luftstreitkräfte heran.

    Luftabwehr auf dem Dach vom Bolschoi-Theater, 21. Juli 1941
    © Sputnik / Naum Granowskij
    Luftabwehr auf dem Dach vom Bolschoi-Theater, 21. Juli 1941

    Die nachrückenden Bombergruppen versuchten, die Flutlichter und die Fla-Stellungen zu umfliegen. Deshalb fassten die Sowjets den Entschluss, mittels der Flugabwehrkanonen ein Sperrfeuer zu errichten. Ganze drei Flugabwehrbatterien kamen zeitgleich zum Einsatz: Das Kalkül war, dass kein Bomberpilot sich mit seiner Maschine durch den dichten Beschuss hindurchwage. In der Tat wichen die meisten Bomber vom vorgegebenen Kurs ab und warfen die Waffenlast nicht über dem Zielgebiet ab, sondern dort, wo es gerade möglich war.

    Auch auf die nachkommenden Bombergruppen wartete eine böse Überraschung: Um einer Vielzahl der Flutlichter zu entkommen, die eine Flächenausleuchtung sicherstellten, stiegen sie höher – auf 4500 Meter. Knapp bei Moskau angekommen, bereiteten sie den Bombenabwurf vor, während ein Funker meldete, die Flugroute werde von Aerostaten versperrt. Diese wurden normalerweise 2000 Meter tiefer eingesetzt, aber nicht in diesen Höhen. Wieder mussten die Einsatzgruppen ihre Bomben weit vor dem Ziel abwerfen und umkehren.

    Wrackteile einer abgeschossenen Ju 88 wurden im Moskauer Stadtzentrum ausgestellt, 30. Juli 1941
    © Sputnik / Alexander Krassawin
    Wrackteile einer abgeschossenen Ju 88 wurden im Moskauer Stadtzentrum ausgestellt, 30. Juli 1941

    Der erste große Luftangriff auf Moskau war abgeschlagen, doch einzelne Bomber hatten es durch die Abwehr geschafft und konnten Ziele in der russischen Hauptstadt angreifen. Neben zahlreichen Schäden an Wohnhäusern und der Infrastruktur hatte Moskau nach dem Angriff 600 tote Bürger zu beklagen. Schlimmeres hatte die sowjetische Flugabwehr durch beherzten Eingriff verhindern können. Die Luftwaffe verlor bei dem Sturmeinsatz 22 Bombenflugzeuge.

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    Tags:
    Luftwaffe, Moskau, Zweiter Weltkrieg