01:50 05 August 2020
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    Am Freitagmorgen postete die SVP ein Bild, das für die sogenannte Begrenzungsinitiative werben soll. Schockierend dabei ist die Abbildung im Hintergrund: Ein Foto vom Holocaust-Mahnmal in Berlin. Die Partei habe sich mittlerweile entschuldigt und versucht nun klarzustellen, dass es sich dabei um einen Fehler handelt.

    Die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist gerade dabei, für die von ihnen lancierte „Initiative für maßvolle Einwanderung“ zu werben. In einem Bild, dass die Zürcher SVP am Freitagmorgen auf den sozialen Netzwerken teilte, soll ihnen jedoch ein Fehler unterlaufen sein. Die Inschrift bildet den Text ab: „Mit einem Ja zur Begrenzungsinitiative wird die Schweiz nicht weiter zubetoniert!“ Auf dem Hintergrund abgebildet war jedoch ein schwarz-weißes Foto vom Berliner Holocaust-Mahnmal.

    ​Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde der Tweet wieder gelöscht. Viele Politiker, Autoren und Menschen des öffentlichen Lebens griffen dieses Bild auf. So schrieb auch der freie Journalist Réda El Arbi in seiner Antwort, dass er es für unwahrscheinlich gehalten habe, dass das Bild mit Absicht gewählt worden sei. „Aber schon, dass die Typen, immerhin Rechtspopulisten, das Denkmal nicht kennen, sagt alles, was man über die Partei wissen muss“, so El Abri. Viele Twitter-Nutzer verlangten eine Entschuldigung und eine Erklärung.

    Ein Fehler und keine Provokation

    Der Parteisekretär der SVP, Martin Suter, meinte auf Anfrage der Schweizer Zeitschrift „Tages-Anzeiger“, dass ein Fehler unterlaufen sei. So soll die Person, welche die Werbung gestaltet habe, das Mahnmal nicht als solches erkannt haben. Selbst Suter prüfte den Beitrag ohne zu realisieren, dass die Werbung das Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin abbildete. Zudem sagte Suter zum „Tages-Anzeiger“: „Wir sind sehr sensibilisiert auf dieses Thema. Wir wollten damit sicher nicht provozieren und das Sommerloch in den Medien füllen.“

    Später folgte auch auf Twitter eine öffentliche Entschuldigung. Dieser zufolge handelte es sich um einen Fehler bei der internen Freigabe von mehreren Posts. Ihnen sei nicht bewusst gewesen, was das Symbolbild darstelle.

    Kritik auch aus dem Inneren

    Dabei komme die Kritik nicht nur von außen – selbst intern werde die Werbung heftig verurteilt. Der „Tages-Anzeiger“ schreibt, dass der SVP-Nationalrat Claudio Zanetti auch in der Vergangenheit die Bildsprache der SVP kritisiert hatte. Auch jetzt habe er erbost davon geredet, dass es gewisse Dinge gebe, die man wissen müsste. „Es hätte unglaubliche Konsequenzen, wenn man derartige Fehler einfach mit Unwissenheit entschuldigen könnte“, so Zanetti.

    Auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) kritisierte die Werbeaktion in seiner Stellungnahme – nahm jedoch auch die Entschuldigung der Partei an. Der Generalsekretär des SIG schreibt dazu:

    „Die Verwendung dieses Bildes in diesem Kontext ist selbstverständlich völlig deplatziert. Es ist gut, dass die SVP Kanton Zürich den Fehler offenbar schnell eingesehen und sich entschuldigt hat.“

    Wie kommt die SVP zum Bild?

    Bisher ist noch nicht vollständig bekannt, wie die SVP überhaupt auf das Bild gekommen ist. Laut Suter solle das Bild aus einem Bildarchiv stammen. So hätten die Gestalter bei „Adobe Stock Fotos“ den Suchbegriff „Beton“ eingegeben und dieses Bild gefunden. Doch auch diese These scheint in den Augen der Webgemeinde zu bröckeln: Es gibt mehrere Videos auf Twitter, welche die Suchergebnisse für „Beton“ zeigen – das verwendete Bild werde demnach nicht gefunden oder mit vielen Tags ausgestattet, die auf den Inhalt verweisen.

    Kein Einzelfall

    Tatsächlich sei dies nicht der erste Fall gewesen, bei dem die SVP für Empörung im Netz gesorgt hatte. Schon öfter haben Beiträge von Parteimitgliedern oder Werbebilder zu Zeiten von Abstimmungskämpfen schockiert. Ein häufig angeführtes Beispiel stammt aus dem Jahr 2012 – Alexander Müller, damals ein Mitglied des Zürcher SVP-Vorstands, schrieb einen Tweet mit dem Inhalt: „Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht ... diesmal für Moscheen.“ Müller wurde schließlich rechtskräftig vom Bundesgericht wegen Rassendiskriminierung verurteilt.

    Ebenfalls wurde die SVP schwer verurteilt, als sie ein Plakat mit einem Apfel, der von Würmern gefressen wurde, abbildete. Während sich auf dem Apfel ein Schweizer Kreuz befand, stand in der Überschrift: „Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?“ Auch stellte man Ausländer in früheren Plakaten als schwarze Schafe oder Ratten dar. Dazu schrieb die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus: „Vor dem Hintergrund der Massenmorde, die unter Hitler und Stalin als ‚Vernichtung von Ungeziefer‘ galten, wecken SVP-Plakate, auf denen Gegner als Ratten und Raben abgebildet werden, schlechte Erinnerungen.“

    lm

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    Tags:
    Twitter, Mahnmal, Holocaust-Mahnmal, Denkmal, Werben, Schweizerische Volkspartei (SVP)