12:35 06 August 2020
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    Sommer 1953 – die Konfliktparteien im Koreakrieg haben gerade erst einen Waffenfrieden unterzeichnet. Doch noch am selben Tag, dem 27. Juli, schießt die US Air Force buchstäblich quer: Vier amerikanische Jagdflieger attackieren eine sowjetische Il-12, eine zweimotorige Transportmaschine, im Luftraum über China. Die Quittung dafür folgt prompt.

    Das sowjetische Flugzeug hielt sich beim Überflug aus Port Arthur nach Wladiwostok, wie Historiker nachgewiesen haben, an die vorgegebene Route: über chinesischem Gebiet, bis zu 300 Kilometer entfernt von der Grenze zwischen China und Korea. Der Abschuss kann also unmöglich auf eine Zufallsbegegnung oder ein Missverständnis im koreanischen Luftraum zurückzuführen sein. Amerikanischen Kampfpiloten war es ohnehin untersagt, den chinesischen Luftraum zu befliegen.

    Warum genau die amerikanische Luftwaffe auf die wehrlose sowjetische Maschine schoss, ist bis heute nicht hinreichend belegt, lässt sich aber erraten. Einige Historiker vermuten, die Amerikaner wären Informationen nachgegangen, wonach sich an Bord der Il-12 Mitglieder der sowjetischen Militärführung befunden hätten. Denen galt der Angriff eigentlich. Tatsächlich starben 21 Menschen, die meisten von ihnen Militärärzte.

    Zwei Tage später, im japanischen Meer, nahe der Insel Askold: Ein amerikanisches Spionageflugzeug RB-50G „Superfortress“ stürzt ab; von den 17 Besatzungsmitgliedern überlebt nur ein Soldat (ein amerikanisches Schiff rettet ihn aus dem Wasser).

    Aus dem Bericht des Oberbefehlshabers der sowjetischen Seestreitkräfte, Nikolai Kusnezow, an den sowjetischen Verteidigungsminister weiß man, dass die amerikanische RB-50G am Morgen jenes 29. Juli über sowjetischen Hoheitsgewässern entdeckt worden war. Circa fünf Minuten später, also etwa um 07 Uhr 05, waren zwei MiG-17 der sowjetischen Luftwaffe mit dem Befehl gestartet, das amerikanische Aufklärungsflugzeug abzufangen.

    Nach der Darstellung der USAF sei das Aufklärungsflugzeug, ohne das Feuer vorher eröffnet zu haben, überraschend beschossen worden. Laut dem Bericht des sowjetischen Oberbefehlshabers trug sich jedoch Folgendes zu:

    „Bei der Annäherung zwecks Erkennung wurden unsere Jäger von dem Flugzeug, das die Grenze verletzt hatte, beschossen. Beim führenden Jagdflugzeug wurden die linke Tragfläche und der vordere Rumpfteil beschädigt. Daraufhin wurde das amerikanische Flugzeug abgeschossen.“

    Die eingesetzten sowjetischen Kampfpiloten seien mit Ehrenorden ausgezeichnet worden.

    Dass zwischen dem Abschuss der Il-12 am 27. Juli 1953 und dem Abschuss der RB-50G zwei Tage später eine Verbindung bestand, räumte die Sowjetführung offiziell niemals ein. Experten sind sich allerdings weitgehend einig, dass es für die sowjetischen Kampfpiloten eine Sache der Offiziersehre war, die unberechtigt abgeschossene Transportmaschine und die dabei getöteten Kameraden zu rächen. Das sei man den Toten schuldig gewesen.

    Ein ehemaliger russischer Geheimdienstler, Pawel Lewschow, Chef der Aufklärung der sowjetischen Marineflieger der Pazifikflotte, sagte vor wenigen Jahren im Interview mit der Zeitschrift „Rodina“: „Das entschlossene Vorgehen am 29. Juli führe ich auf den Abschuss der Il-12 zurück. Dies war die Quittung der pazifischen Flieger für den Abschuss unserer Transportmaschine. Es ist nämlich so, dass die Flüge der Amerikaner an unseren Grenzen in den Jahren System hatten. Man hatte dies lange Zeit hingenommen und sie nicht abgeschossen. Aber an dem Tag, tja…“

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    Tags:
    Koreakrieg, US Air Force USAF, MiG-17, UdSSR, Sowjetunion, Kalter Krieg