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    Einen sieben Meter dicken Betonschutz mit herkömmlichen Fliegerbomben anzugreifen, war wie einen Kampfpanzer mit Tennisbällen zu bewerfen: Die Briten verzweifelten an den Unterständen und Bunkern der Nazis in Frankreich und Norddeutschland. Da kam einem britischen Waffenbauer eine krasse Idee. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Barnes Wallis war in Großbritannien eine Legende. Der Waffenbauer hatte die berüchtigte Rollbombe entwickelt, die gegen Staudämme in Deutschland eingesetzt wurde. Nicht überraschend also, dass seine Expertise gefragt war, als es darum ging, eine Bombe zu erfinden, die die meterdicken Betonbauten der Nazis in Europa endlich bezwingen würde.

    Das Problem, das Wallis zu lösen hatte, stellt auch heutige Bombenentwickler vor Herausforderungen: Konventionelle Bomben, die auf oder knapp über dem Erdboden detonieren, verschwenden massig Kraft, weil ein guter Teil ihrer Explosionsenergie vom Zielobjekt abstrahlt. Aber Wallis hatte einen Einfall.

    Bombenangriff britischer Luftstreitkräfte auf U-Boot-Bunker in Bremen, November 1943
    © AP Photo
    Bombenangriff britischer Luftstreitkräfte auf U-Boot-Bunker in Bremen, November 1943

    Eine Riesenbombe mit gehärteter Nasenspitze, abgeworfen aus über 5000 Metern Höhe, würde durch die Gravitation knapp auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt und sich in den Erdboden hineinbohren, bevor sie explodiert. Der Trick war, „eine größtmögliche Ladung in die größtmögliche Tiefe in dem Medium (Erdreich oder Wasser) zu bringen, welches das Ziel umgibt oder berührt“, beschrieb Wallis sein Konzept laut „The National Interest“.

    Mit anderen Worten: Statt die Explosionsenergie der Bombe direkt für die Objektzerstörung zu nutzen, würde man der „Mutter Erde“ den Job überlassen, schreibt das Portal. Angewandt auf Bunker hieße das Konzept, die geballte Detonationskraft der Bombe würde über das Medium auf das Ziel einwirken, bevor der Beton einen Großteil der Explosionskraft absorbiert. Wie stark die Wallis-Bombe wirken würde, verdeutlichen Bilder einer jeden beliebigen Stadt nach einem stärkeren Erdbeben.

    Genannt wurde die Bombe „Grand Slam“ – „Großer Schlag“. Als Waffenträger wurden die britischen „Lancaster“-Bomber bestimmt. Die verfügten über eine größere Zuladung und einen größeren Bombenschacht als die amerikanischen Bomber B-17 oder B-24. Die Waffe war in der Tat gewaltig: über acht Meter lang und knapp zehn Tonnen schwer. Die „Lancaster“ mussten sogar extra umgebaut werden, um mehr Raum- und Gewichtreserven für die Bombe freizugeben.

    Was sie kann, zeigte die britische „Erdbeben“-Bombe am 27. März 1945 – beim Angriff gegen U-Boot-Bunker in der Nähe Bremens: die „Grand Slam“ bohrte sich durch einen sieben Meter dicken Betonmantel und hinterließ einen Trümmerhaufen, der den Unterstand unbenutzbar machte. Andere „Grand Slams“ wurden gegen massive Bahnüberführungen eingesetzt, wie etwa in Bielefeld.

    Nach dem Krieg übernahmen die Vereinigten Staaten die britische Idee und machten die Bombe – typisch Amerikaner, wie das Portal schreibt – noch größer: 1945 entstand die T-12 mit einem Gewicht von gut neunzehn Tonnen. Als Trägerplattform dafür war die sechsstrahlige B-36 „Peacemaker“ vorgesehen; beim Test wurde die Bombe von einer B-29 abgeworfen.

    Dieses Bombenkonzept schuf die Grundlage für die spätere „Mutter aller Bomben“: die GBU 43/B Massive Ordnance Air Blast (MOAB) der US Air Force. Die amerikanische Luftwaffe setzte diese Bombe gegen ein unterirdisches Tunnelsystem des Islamischen Staats in Afghanistan ein.

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    Tags:
    Royal Air Force, Kriegsmarine, Drittes Reich, U-Boot, Zweiter Weltkrieg