14:12 21 September 2020
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    Gegessen ist nicht immer auch verdaut. Das zeigt ein Käfer mit einer ganz besonderen Exit-Strategie: Vom Frosch gefressen, macht er sich im Inneren sofort auf den Weg zum Hinterausgang, über den er die Amphibie lebend wieder verlässt. Die Strategie wurde im Videoformat eingefangen und lässt sich hier im Zeitraffer verfolgen.

    „Regimbartia attenuata“ wäre ein Wasserkäfer unter vielen und würde wahrscheinlich nur Insektenforscher interessieren, sein Dasein in der Fachliteratur und seinen Heimatgewässern fristen, wenn der kleine Käfer nicht über eine ganz besondere Gabe verfügen würde, die ihn zu einem Superhelden unter den Chitinträgern macht: seine ungewöhnliche Exit-Strategie, wenn ihn sein Fressfeind, der Frosch, verschlingt.

    Statt in Panik zu geraten, entwickelt der Käfer eine faszinierende Disziplin, die ihn die Tortur des Verdauungstraktes mindestens fünf Arten der quakenden Amphibien überstehen lässt. Diese Wanderungen des Käfers schildert und erklärt der japanischen Ökologe Shinji Sugiura in einer am Montag veröffentlichten Studie und gibt auch eine Statistik bei: sagenhafte 90 Prozent der Käfer kommen nach rund sechs Stunden Darmspaziergang zum Hinterausgang wieder raus.

    Aber genug der Worte und kommen wir zum eigentlichen Anliegen: 

    Für den Versuchsaufbau nahm der Ökologe die Froschart „Pelophylax nigromaculatus“, der er die Käferart vorsetzte. Dabei überlebten die Käfer die Reise nicht etwa, weil sie an die extremen PH-Werte und Sauerstoffmangel in Magen und Darm adaptiert waren, sondern weil sie sich aktiv auf den Weg machten und der Aufenthalt einfach nicht lange genug währte, damit die Säfte des Froschs sie verdauen konnten. Im Schnitt waren das sechs Stunden, aber ein wahrer Sprinter unter den Käfern soll bereits nach sieben Minuten an der Froschrückseite wieder das Licht der Welt erblickt haben.

    Damit das aber klappt, muss der Wunderkäfer laut Sugiura einen weiteren Trick anwenden:

    „R. Attenuata kann nicht durch die Öffnung kommen, ohne dass der Frosch angeregt wird, diese zu öffnen, denn sein Schließmuskel hält diese geschlossen“, erklärt Sugiura die Problematik. „Käferindividuen wurden stets mit dem Kopf nach vorne ausgeschieden, weshalb die Vermutung naheliegt, dass R. attenuata den Hinterausgang stimuliert und den Frosch dazu nötigt, Kot auszuscheiden“, lautet die naheliegende Lösung aus Sicht des Forschers.

    Dass aber die Beinchen der Käfer eine entscheidende Rolle spielen, hat der Ökologe ebenfalls im Versuch demonstriert: Wenn er diese den Käfern mit Wachs verklebte, dann dauerte die Reise zwischen 38 und 150 Stunden und was dann herauskam, lebte nicht mehr. Die Käfer mit intaktem Bewegungsapparat dagegen erfreuten sich nach ihrer Darmflucht noch eines langen Käferlebens.

    Die Studie wurde am Montag in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht. Weiterhin zu klären bleibt, was genau der Käfer auf seiner Froschtour macht und ob es noch weitere Käfer gibt, denen die Evolution eine so ausgefuchste Überlebensstrategie in die Wiege gelegt hat.

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    Tags:
    lustig, Kurioses, kurios, Evolution, Käfer, Frosch, Biologie