17:09 18 September 2020
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    Archäologen und Historiker von der  Universität Southampton haben eine Untersuchung eines tödlichen Seedramas vom Jahr 1917 eingeleitet: Damals versank vor der Küste von Yorkshire das bekannte deutsche U-Boot UC-47.

    Es wurde im November 1917 von der britischen Royal Navy versenkt, was einen entscheidenden Wendepunkt im Seekrieg dieses epischen Konflikts symbolisierte. Nun wollen Archäologen erstmals die ganze Geschichte ihres Untergangs enträtseln.

    Mithilfe von zwei ferngesteuerten unbemannten modernen U-Booten konnten sie feststellen, dass sich das U-Boot in einer Tiefe von 48 bis 51 Metern befindet. Außerdem wurden erste Video- und Sonar-3D-Bilder des U-Bootes erstellt.

    „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, wie gut das Wrack erhalten ist“, schilderte Dr. Rodrigo Pacheco-Ruiz vom Zentrum für Meeresarchäologie gegenüber der britischen Zeitung „The Independent“.

    Die Unterwasserbilder zeigen den Schaden, der dem Schiff zugefügt wurde, als es von einem Schiff der Royal Navy, dem Patrol Boat P57, gerammt und dann wiederholt mit Wasserbomben attackiert wurde.

    „Wir hoffen, dass wir im weiteren Verlauf unserer Untersuchung allmählich mehr Licht in dieses längst vergessene Todesdrama der Nordsee bringen können“, sagte der historische Berater des Projekts, Stephen Fisher.

    Die Untersuchung enthüllt jedoch auch eine Reihe von politischen Details über das längst vergessene deutsche U-Boot.

    Sowohl während des Ersten Weltkriegs als auch nach seinem Ende glaubten hochrangige deutsche Marinebeamte, dass es der königlichen Marine kurz nach dem Untergang gelungen war, sich geheime Papiere aus dem Wrack zu beschaffen. Die Deutschen nahmen an, dass Taucher der königlichen Marine in das Schiff eingedrungen waren und sich wichtige Geheimdienstinformationen, einschließlich einer detaillierten Karte der deutschen Minenfelder, zu Eigen gemacht hatten.

    Die Untersuchung unter der Leitung des Archäologen Dr. Rodrigo Pacheco-Ruiz hat nun die ungefähre Tiefe des Wracks im November 1917 (48-51 Meter) bewertet – was darauf hindeutet, dass ein Eindringen von Tauchern in das Schiff äußerst unwahrscheinlich war.

    die lettische Hauptstadt Riga
    © Sputnik / Sergej Melkonow
    Aus historischen Dokumenten gehe hervor, dass die HMS P57 mehrere Tage lang das U-Boot mit Wasserbomben attackierte.

    Es sei wahrscheinlich, dass die Royal Navy dies tat, weil es nicht möglich war, sich Zugang zum versunkenen U-Boot zu verschaffen. Die einzige Möglichkeit, geheime Informationen zu erlangen, bestand darin, das U-Boot wiederholt in die Tiefe zu treiben - in der Hoffnung, dass zusätzliche Löcher entstehen könnten und infolgedessen wichtige Dokumente an die Oberfläche gelangen würden.

    Obwohl es keine britischen Aufzeichnungen über eine solche Aktion zum Sammeln von Informationen gibt, wussten hochrangige deutsche Marinebeamte davon (auch wenn sie fälschlicherweise annahmen, dass die entscheidenden Papiere von Tauchern der britischen Kriegsmarine geborgen worden waren).

    Aber woher wussten sie davon? Deutsche Historiker planen nun in Zusammenarbeit mit der University of Southampton eine Durchsuchung der deutschen Archive, um eine Antwort zu finden.

    Es sei denkbar, dass die deutsche Marine auf irgendeine Weise die Informationen durch Abhören der Funkkommunikation der Royal Navy während des Krieges oder nach dem Krieg von britischen Marinequellen erhalten habe.

    Der am 30. August 1916 erstmals eingesetzte UC-47 galt zum Zeitpunkt seines Untergangs als einer der effektivsten in der deutschen Flotte. Die Besatzung des U-Bootes versenkte 56 Handelsschiffe und Kriegsschiffe, acht weitere wurden beschädigt. Das deutsche U-Boot UC-47 hatte eine Verdrängung von 502 Tonnen und eine Länge von 51,85 Metern. Die Besatzung des U-Bootes bestand aus 26 Personen.

    sm/ae

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    Tags:
    U-Boot, Geheimnis, Archäologen