15:55 21 September 2020
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    Das hatte es im Zweiten Weltkrieg bis zum 11. August 1943 nicht gegeben. An dem Tag flohen zwei Sowjetsoldaten mit einem Flugzeug aus deutscher Kriegsgefangenschaft. Doch am Ende der Flucht gerieten sie in die Hände des NKWD (Vorläufer des KGB – Anm. d. Red.).

    121 Kampfeinsätze hatte der 19-jährige Unterleutnant Nikolai Loschakow bis Mai 1943 geflogen. Zwei gegnerische Flugzeuge hatte er abgeschossen. Aber sein 122. Einsatz wurde dem Jagdpiloten zum Verhängnis: Am 27. Mai wurde Nikolai mit seiner Jak-1B über dem besetzten Gebiet bei Leningrad abgeschossen. Zwar konnte er sich mit seinem Fallschirm aus der Maschine retten, aber damit begann für ihn die eigentliche Tortur.

    Von der Wehrmacht gefangengenommen, erzählte der junge Offizier bei allen Verhören immer wieder die gleiche Geschichte: Er sei neu bei der Truppe, der Einsatz sei sein erster gewesen, er wisse noch gar nichts über sein Geschwader, über die Zahl der Flugzeuge usw. Für die Deutschen war der Rotarmist aber auch ohne diese Informationen wertvoll. Nikolai wurde als Hilfskraft einer Luftwaffeneinheit zugeteilt. Der Sowjetoffizier witterte seine Chance – und er sollte rechtbehalten.

    An seinem neuen Einsatzort angekommen, einem deutschen Fliegerhorst bei Pskow, lernte Nikolai einen Leidensgenossen kennen: Iwan Denissjuk, Unteroffizier der sowjetischen Panzertruppe. Bei der Hitler-Luftwaffe war der Kriegsgefangene für die Flugzeugbetankung zuständig. Gemeinsam machten sie sich daran, einen Fluchtplan auszuarbeiten.

    Nikolai hatte seinen Kameraden angehalten, sich die Anordnung der Anzeigen im Cockpit deutscher Flugzeuge zu merken und anschließend aufzuzeichnen. Später entwendete Iwan in einem Waschraum eine Wehrmachtsuniform, die er danach sorgfältig in einem Gebüsch versteckte. Bis sich am 11. August 1943 eine Fluchtgelegenheit ergab.

    Auf dem Flugplatz war soeben eine 156er Fieseler (auf dem Titelbild - Anm. d. Red.) gelandet, auch „Storch“ genannt. Auf die Crew und die Wachmannschaften wartete das Abendbrot, in der Zeit musste Iwan das Flugzeug auftanken… Der Start klappte auf Anhieb, die „Storch“ braucht nur wenige Meter Anlauf.

    Bis man am Boden begriffen hatte, dass das Flugzeug entführt wurde, verging genügend Zeit, in der die beiden Rotarmisten die deutschen Flaks hinter sich lassen konnten. 300 Kilometer waren bis zum sowjetisch kontrollierten Gebiet zurückzulegen. Dort trafen Nikolai und Iwan auf sowjetisches Flak-Feuer. Der Pilot wurde verletzt, konnte die Maschine aber landen.

    Was folgte, waren zermürbende Verhöre beim NKWD. Die beiden Geflohenen wurden des Vaterlandsverrats beschuldigt. Denissjuk hielt dem Druck nicht stand und räumte seine Schuld ein. Das Urteil lautete auf 20 Jahre Gulag. Loschakow beteuerte seine Unschuld und verwies auf das Parteibuch, das er in der Gefangenschaft insgeheim habe erhalten können. Er bekam nur drei Jahre. 1945 wurde Nikolai vorzeitig entlassen und 1959 rehabilitiert. Iwan kam sieben Jahre nach der waghalsigen Flucht aus dem Straflager frei.

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    Tags:
    Sowjetunion, Kriegsgefangene, Zweiter Weltkrieg