21:53 19 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (91)
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    Ein Flugzeug, an dessen Bord der russische Kreml-Kritiker und Blogger Alexej Nawalny war, ist am Donnerstag umgehend in der Stadt Omsk gelandet. Die Maschine war auf dem Weg von Tomsk nach Moskau.

    Die Pressesprecherin der Anti-Korruptions-Stiftung (Fonds zur Bekämpfung der Korruption), Kira Jarmysch, twitterte am Donnerstag:

    „Alexej hat eine toxische Vergiftung. Derzeit fahren wir mit der Rettung ins Krankenhaus.“

    Sie teilte mit, dass der Blogger am Morgen von Tomsk in Richtung Moskau unterwegs gewesen sei. Während des Fluges habe er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt.

    Die Stiftung geht davon aus, dass dem Mann etwas „in den Tee gemischt wurde“.

    „Das war das Einzige, war er am Morgen getrunken hat. Die Ärzte meinen, dass das Gift durch die heiße Flüssigkeit schneller absorbiert wurde.“

    Später teilte die Pressesprecherin mit, dass Nawalny auf der Intensivstation sei. Sie verwies unter anderem darauf, dass man vor einem Jahr bereits versucht habe, den russischen Regierungskritiker zu vergiften, als er sich in einer Haftanstalt befunden habe.

    Alexej Nawalny sei im Koma, sein Zustand sei ernst. Laut dem Pressedienst des lokalen Gesundheitsministeriums behandeln ihn Ärzte aller Fachrichtungen. 

    Der Pressedienst der russischen Fluggesellschaft S7 teilte gegenüber Sputnik mit, dass Nawalny an Bord des Flugzeuges nichts gegessen oder getrunken habe.

    Kira Jarmysch teilte später mit, dass Nawalnys Ehefrau ins Krankenhaus gekommen sei. „Julia Nawalnaja ist auch da. Sie darf (ihn) nicht besuchen, weil ,der Patient keinen Besuch genehmigt hatʻ. Das sagen sie.“

    Sie twitterte unter anderem, dass Nawalny am Vortag keinen Alkohol getrunken und keine Medikamente eingenommen habe. 

    Der 1976 geborene Oppositionelle Alexey Nawalny ist der Gründer des „Fonds zur Korruptionsbekämpfung“, der seit 2011 tätig war. Im Juli 2020 verkündete Nawalny die Auflösung des Fonds.  

    Im Oktober 2019 wurde die Stiftung auf die Liste der „ausländischen Agenten“ gesetzt. Laut den Ermittlungen wurden auf Konten des Fonds und seines Direktors Iwan Schdanow 140.000 Rubel aus Spanien und etwa 3000 Rubel aus den USA überwiesen. Der Fonds hätte das Geld aus dem Ausland rückerstatten können. Da dies nicht geschah wurde er als ausländischer Agent eingestuft.

    Im August 2019 hatte das Ermittlungskomitee eine Ermittlung zur Geldwäsche durch den Fonds eingeleitet. Es gehe um eine Milliarde Rubel. Demnach sollen Mitarbeiter des Fonds und andere Personen, die mit der Organisation verbunden sind, von 2016 bis 2018 Beträge in Rubel und ausländischer Währung von Drittpersonen erhalten haben. Das Geld war demnach auf illegale Weise erworben worden.   

    2016 hatte Nawalny seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 angekündigt. Die Russische Wahlkommission hat im Dezember 2017 seine Registrierung unter Verweis auf seine Vorstrafe abgelehnt. Nawalny wurde mehrmals auf Grund verschiedener Gesetzesverstöße sowie wegen Veruntreuung verurteilt und bestraft. 2013 wurde er der Veruntreuung für schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Später wurde diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

    ak/sna/ae

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    Flugzeug, Krankenhaus, Alexej Nawalny, Omsk, Russland