20:11 24 November 2020
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    Ein deutsches Ärzteteam ist nach Sibirien eingeflogen worden und nach Angaben von Reuters in dem Krankenhaus in Omsk eingetroffen, wo der russische Blogger Alexej Nawalny derzeit behandelt wird. Die deutschen Ärzte haben Angaben zufolge keine Bedenken für einen Transport des russischen Regierungskritikers von Sibirien nach Berlin.

    „Die eingeflogenen deutschen Ärzte haben erst vor einigen Minuten Zugang zu Nawalny erhalten“, sagte der Vertraute von Nawalny, Leonid Wolkow, in einer Pressekonferenz in Berlin.

    Die NGO Cinema for Peace Foundation soll eine in Deutschland gecharterte Spezialmaschine mit Ärzten nach Omsk geschickt haben, um den Blogger von dort aus nach Berlin für eine Behandlung in der Charité zu transportieren. 

    Wolkow fügte hinzu, es sei eine „positive Entwicklung“, dass die Ärzte zu Nawalny hineindurften, und gebe Grund zur Hoffnung, dass sein Transport aus dem Land doch noch möglich werde. Er betonte, Nawalnys Familienangehörige hätten noch immer keine Diagnose und keine Analyse bzw. verlässliche Angaben zu seinem Zustand erhalten. In diesem Zusammenhang würden sie den russischen Behörden Vertuschungsarbeit vorwerfen.

    „Unsere Forderung bleibt die Gleiche: Wir müssen ihn an einen Ort bringen –  nach Berlin in die Charité –, wo unabhängige Analysen über seinen Zustand vorgenommen werden können“, sagte Wolkow.

    Überdies wandte er sich an die internationale Gemeinschaft: „Wir bitten alle darum, sich dafür (den Transport von Nawalny ins Ausland – Anm. d. Red.) einzusetzen, weil das wirklich notwendig ist."

    Es sei noch immer unklar, welche Ursache dazu geführt habe, dass ein junger und sportlicher Mann fast gestorben und daraufhin ins Koma gefallen sei und schließlich an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden musste.

    Nawalny transportfähig 

    In Bezug auf Nawalnys Transportfähigkeit haben die deutschen Ärzte keine Zweifel, sagte der Filmproduzent Jaka Bizilj, der den Flug der Spezialmaschine mit organisiert hatte. Die Mediziner hätten den Oppositionellen zuvor untersucht. Sie würden nun einen Befund schreiben und diesen den Behörden übergeben. 

    Die russischen Ärzte hielten den 44-Jährigen für nicht transportfähig. Sie behaupteten zugleich, dass die deutschen Experten dem zugestimmt hätten. Bizilj zufolge soll der Rettungsflieger vorerst in Omsk bleiben – wie lange, das war am Freitag unklar.

    Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch schrieb bei Twitter, den deutschen Ärzten sei es nach deren Angaben dank der Ausrüstung ihres Flugzeuges möglich, Nawalny „sofort sicher nach Berlin zum Universitätsklinikum Charité zu bringen“. 

    Verdacht auf Vergiftung

    Nawalny war am Donnerstagmorgen von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt haben, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet ist. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben. Derzeit befindet sich der Mann auf der Intensivstation, liegt im Koma und muss künstlich beatmet werden. Laut den Ärzten ist sein Zustand ernst, aber stabil.

    Das Umfeld von Nawalny geht von einer Vergiftung aus. Laut Jarmysch wurde dem Blogger etwas „in den Tee gemischt“, denn das sei das Einzige gewesen, was er am Morgen zu sich genommen habe. 

    Der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, teilte mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien. Angaben zufolge würden derzeit fünf Arbeitsdiagnosen untersucht. Die Omsker Ärzte geben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben.

    Bundesregierung setzt sich ein

    Die Bundesregierung setzt sich für eine bestmögliche medizinische Versorgung des möglicherweise vergifteten russischen Regimekritikers Alexey Nawalny ein.

    „Die wichtigste Priorität ist natürlich, dass das Leben von Herrn Nawalny gerettet werden kann und dass er genesen kann”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.„Wir wünschen, dass ihm jede medizinische Hilfe, die ihn hoffentlich retten kann, auch zukommt”, so Seibert. Der schwere Verdacht einer Vergiftung stehe im Raum. Die Umstände des Falles müssten vollständig und transparent aufgeklärt werden, so Seibert weiter. 

    mka/rtr/dpa/gs

     

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