06:24 21 September 2020
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    Die weißrussische Spezialeinheit der Polizei OMON hat in Minsk Proteste gegen den Staatschef Alexander Lukaschenko aufgelöst und Dutzende Menschen festgenommen. Auch zahlreiche Journalisten kamen vorübergehend in Gewahrsam.

    Die Sicherheitskräfte mit schwarzen Gesichtsmasken kesselten am Donnerstagabend den Unabhängigkeitsplatz ein, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur von der Stelle berichtete. Dort hatten sich Hunderte Menschen trotz eines Demonstrationsverbots friedlich versammelt. Sie riefen „Freiheit!“ und „Uchodi!“ („Hau ab!“). Die Menschenrechtsorganisation Wesna in Minsk sprach am Abend von rund 150 Festnahmen.

    Vor allem Männer wurden in Gewahrsam genommen und in Gefangenentransportern weggefahren. Die OMON-Leute waren mit großen grünen Mannschaftswagen ohne Nummernschilder in Hundertschaften angerückt. In Lautsprecherdurchsagen wurde vor der nicht genehmigten Demonstration gewarnt – und offen mit Gewalt gedroht wegen der Teilnahme an der Kundgebung.

    Während Männer abgeführt wurden, kamen die Frauen aus dem Kessel wieder frei: Sie zogen über die Straße Unabhängigkeitsprospekt und riefen „kaschdy den, kaschdy den!“ – zu Deutsch: „Jeden Tag, jeden Tag“. 

    Eingesperrt in einer Kirche

    Die Wut der Menschen in Minsk war spürbar, nachdem am Vorabend in der katholischen Kirche auf dem Unabhängigkeitsplatz 40 Minuten lang Menschen von OMON-Kräften festgehalten worden waren.

    Aus Protest gegen die Willkür rief die Demokratiebewegung in Belarus Gläubige aller Religionsgemeinschaften zur Kundgebung am Donnerstag gegen den Polizeistaat auf. Hunderte Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Sie sprachen laut Friedensgebete, als die Sicherheitskräfte einschritten.

    Seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August gibt es landesweit Proteste und Streiks in den Staatsbetrieben. Die Proteste richten sich gegen Lukaschenko, der das Land seit 26 Jahren mit harter Hand führt. Die Demonstrierenden fordern seinen Rücktritt und faire Neuwahlen. 

    mka/dpa/gs

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    Tags:
    Proteste, Festnahmen, Alexander Lukaschenko, Weißrussland