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    Hollywood-Star Keanu Reeves feiert am Dienstag seinen 56. Geburtstag. In Potsdam-Babelsberg dreht er momentan den neuesten Film der legendären „Matrix“-Reihe. Doch ein Rückblick auf sein filmisches Schaffen verrät: Nicht erst seit seiner weltberühmten Rolle als „Neo“ gehört Reeves zu den Großkalibern der US-Kinobranche. Sputnik auf Spurensuche.

    Aktuell befindet sich Hollywood-Schauspieler Keanu Reeves in Berlin und Potsdam für Dreharbeiten zum neuen Teil der „Matrix“-Filmreihe. „Die Matrix-Stars sind in Berlin gelandet“, meldete Mitte Juni die Berliner Zeitung „B.Z.“. „Endlich liegt wieder Hollywood-Geruch in der Luft.“

    In Potsdam-Babelsberg starteten in diesem Sommer die Dreharbeiten zu „Matrix 4“, die momentan immer noch laufen. Der Film soll laut dem Produzententeam 2022 in die Kinos kommen. „Wir fühlen uns sehr wohl in Berlin, die Dreharbeiten laufen gut", sagte Reeves in einem Online-Interview mit der Nachrichtenagentur „AP" Mitte August. "Ich bin sehr dankbar dafür, wieder zu arbeiten. Und ich denke, jeder im Team liebt das Projekt."

    Neben Carrie Ann-Moss, die als „Trinity“ Filmgeschichte schrieb, spielt laut Medieninformationen auch Neil Patrick Harris – bekannt als Barney Stinson aus der TV-Serie „How I Met Your Mother“ – in dem Streifen an der Seite von Reeves.

    Keanu Reeves dreht aktuell „Matrix 4“ in Potsdam-Babelsberg

    Völlig überraschend war die Entscheidung, den neuen „Matrix“-Teil in Potsdam zu drehen, nicht. Das berichtete der „RBB“ bereits Anfang 2020. Lana und Lilly Wachowski, die bereits für die ersten Filme der Reihe als Regie-Team verantwortlich waren, „haben in Babelsberg neben ‚Cloud Atlas' auch (...) die Netflix-Serie ‚Sense8' gedreht.“

    Anfang Juli soll Reeves mit seiner Freundin, die ihn wohl bei den Dreharbeiten in Berlin und Potsdam moralisch unterstützt, in einem Restaurant in der Hauptstadt gesichtet worden sein. Das berichtete damals das Szene-interne Insider-Magazin „Hollywoodlife.com“.

    Obwohl derzeit die Studios des US-Filmzentrums Hollywood in Los Angeles (L.A.) im Lockdown geschlossen sind, war das neue Coronavirus nicht der Grund für das US-Filmteam, nach Deutschland zu kommen. Von vornherein planten die „Matrix“-Macher, Teile des neuen Kino-Films in Babelsberg zu realisieren. Doch die Pandemie unterbrach die Dreharbeiten in Potsdam zwischenzeitlich. Jetzt steht Keanu Reeves dort wieder vor der Kamera.

    Allerdings: Seine Figur „Neo“ in der bisherigen „Matrix“-Trilogie war nicht die einzige Rolle, mit der der kanadische Schauspieler zu Weltberühmtheit gelangte. Dies zeigt der folgende, filmhistorische wie biografische Rückblick.

    1964 in Beirut geboren, Kanadier, US-Filmstar

    Keanu Reeves erblickt am zweiten September 1964 interessanterweise in Beirut, der Hauptstadt des Libanon, das Licht der Welt. Sein Vater ist haiwaiianisch-chinesischer Herkunft, seine Mutter ein Tanz- und Showgirl in der orientalischen Metropole. Beide lernen sich in einem Beiruter Nachtclub kennen. Spätere Stationen der Familie sind Australien, Toronto (Kanada) – wo Keanu die kanadische Staatsbürgerschaft erhält – sowie die USA, unter anderem New York. Dort, nach der Scheidung, heiratete seine Mutter erneut, einen kanadischen Filmregisseur. Auch diese Ehe sollte unglücklich verlaufen und nicht lange halten.

    Vor diesem Hintergrund besuchte Keanu bereits als Jugendlicher eine Theater- und Schauspiel-Schule. Im Alter von 17 Jahren brach er die High School und damit seine reguläre Schullaufbahn endgültig ab, um Darsteller zu werden. Erste Bühnenerfahrungen sammelte er in Theaterstücken von Shakespeare, meist an kanadischen Häusern. Ab 1979 war er in verschiedenen Low-Budget-Produktionen und Fernsehfilmen US-amerikanischer oder kanadischer Produktion zu sehen.

    „Bill und Ted“ reisen durch die Zeit, „Gefährliche Brandung“ und „Speed“

    Ende der 1980er Jahre sorgte er zunächst durch seine Rollen in Kinofilmen wie „My Private Idaho“ und „Bill & Ted's verrückte Reise durch die Zeit“ für erste Achtungserfolge – bis ihm schließlich der erste internationale Erfolg mit „Gefährliche Brandung“ (1991) gelang. In dem Thriller spielt er an der Seite von Patrick Swayze einen FBI-Agenten, der sich „undercover“ in die Surfer-Szene einschleust, um dort eine kriminelle Bande von Bankräubern zu enttarnen. Für diese Rolle erhielt Reeves 1992 einen MTV-Movie-Award. Zwei Jahre später verkörperte er in der britisch-französischen Produktion „Little Buddha“ den „Siddhartha“. Eine historische Figur, die den Buddha repräsentiert, den angeblichen Begründer der buddhistischen Weltreligion.

    Doch die Karriere von Reeves, der laut eigener Aussage auch begeisterter Motorradfahrer sein soll und früher Bassgitarre in seiner Rock-Band „Dogstar“ gespielt hatte, sollte erst noch richtig in Fahrt kommen.

    Im spannungsgeladenen Action-Thriller „Speed“ gelang ihm 1993 der endültige Durchbruch. Ein entführter Bus, der auf den dichtbefahrenen Straßen von L.A. eine bestimmte Fahrgeschwindigkeit nicht unterschreiten durfte, da er sonst explodiert. An der Seite von Sandra Bullock versucht Reeves – mitunter in atemberaubenden Stunts – das Desaster abzuwenden. Der Film war sehr erfolgreich und spielte laut der Filmdatenbank „IMDB“ weltweit in den Kinos etwa 350 Millionen US-Dollar ein, davon 121 Millionen allein in den USA. Deutschlands Kinospielhäuser zählten damals rund drei Millionen Besucher, die sich den Film angeschaut hatten.

    Mit Al Pacino „Im Auftrag des Teufels“: „Trump Tower“ als Kulisse

    Die Filmographie, also die Liste der Spielfilme, in denen Reeves seitdem aufgetaucht ist, wirkt lang und umfasst etliche Produktionen. Zu viel, um alle aufzuzählen.

    Was allerdings auffällt, sind seine Engagements für Kinofilme, in denen Themen und Fragestellungen der späteren „Matrix“-Reihe scheinbar bereits vorweggenommen wurden. Dazu zählt auch seine Rolle als Buddha. Ein weiteres Highlight seines Schaffens in dieser Hinsicht ist „Vernetzt – Johnny Mnemonic“ (1995). Ein Science-Fiction-Film im Genre „Cyber-Punk“, in dem Keanu Regionen seines Gehirns zu einem Datenspeicher umfunktionieren lässt, um als „Kurier“ wertvolle Daten sicher zu transportieren. Allerdings verliert er dabei einen Teil seiner persönlichen Erinnerungen.

    „Im Auftrag des Teufels“ war ab 1997 ein weiterer großer Erfolg für ihn an der Seite von Alt-Star Al Pacino, der darin den Diablo höchstpersönlich spielt und Reeves in seiner Rolle als junger Staatsanwalt mit verführerischen Aktionen sowie tief-philosophischen Fragen konfrontiert. Kleine Randnotiz: Das Penthouse im „Trump Tower“ des heutigen US-Präsidenten Donald Trump an der Fifth Avenue in New York diente damals als Kulisse für den Film.

    1999: Die „Matrix“-Saga beginnt ...

    Kurz vor der Jahrtausendwende dann der nächste große Paukenschlag in der Karriere von Keanu: Mit den Wachowski-Brüdern, die heute durch Geschlechtsumwandlung Schwestern sind und aktuell in Potsdam-Babelsberg drehen, bringt Reeves 1999 unter anderem an der Seite von Laurence Fishburne („Morpheus“) den ersten Teil der „Matrix“-Saga heraus.

    Sprüche wie „Folge dem weißen Kaninchen“, „Ich werde dir zeigen, wie tief der Kaninchenbau reicht“ oder die Wahlmöglichkeit zwischen der blauen und der roten Pille sind seitdem zu geflügelten Worten und Symbolen der Pop-Kultur geworden. Der Film zahlte sich auch finanziell mehr als aus und spielte in den Kinos weltweit rund 463 Millionen US-Dollar ein, davon circa 171 Millionen in den Vereinigten Staaten. Auch die Nachfolger „Matrix: Reloaded“ und „Matrix: Revolutions“, die beide 2003 in die Kinos kamen, sollten an diesen Erfolg anknpüfen bzw. ihn noch übetreffen. Fakt ist: Mit seiner Rolle als „Neo“ trug sich Keanu Reeves endgültig in die cineastischen Geschichtsbücher ein.

    Für diese Rolle und vor allem für seine in der Film-Reihe gezeigten Kampfsportkünste, Stunts und Action-Szenen erhielt Reeves mehrere Auszeichnungen und Preise der Branche. Im Januar 2005 erhielt er einen Stern mit der Nummer 2277 auf dem berühmten Gehweg des „Hollywood Walk of Fame“. In Offenburg wurde er im November 2008 mit dem deutschen Film-Preis „Bambi“ in der Kategorie „Bester Schauspieler international“ ausgezeichnet.

    „A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm“ (2006) war in jener Zeit ein weiterer Film mit ihm, der eine ähnliche Richtung einschlug. Neben Robert Downey Jr, dem heutigen „Marvel“-Star („Iron Man“, „Avengers“) ist Reeves in dem Streifen zu sehen, der nachträglich per Rotoskopie digitalisiert wurde und so einen Comic-haften Charme ausstrahlt – doch dabei stets recht düster bleibt.

    Düster und voller Action: „John Wick“

    Nach vielen weiteren Projekten startete Keanu Reeves dann ab 2014 mit seiner actionbeladenen Rolle als „John Wick“ die nächste einschlägige Filmreihe. Bisher gibt es zwei gelungene Fortsetzungen dieser Serie, in der Reeves den ehemaligen Auftragskiller Johnathan Wick mimt. Dieses Werk ist dem Genre Neo-Noir-Actionfilm zuzurechnen, das unverkennbar durch die düster gehaltenen „Matrix“-Filme inspiriert ist.

    Neben „Matrix 4“ im Studio Babelsberg steht in diesem Jahr noch ein weiterer Höhepunkt auf seiner Agenda: Als Ted kehrt er in „Bill & Ted 3: Face the Music“ zurück. Nach den ganzen Zeitreisen in ihrer Jugend wollen es die in die Jahre gekommenen Schulfreunde nun noch einmal wissen – und einen Rock-Song schreiben, der zum Radio-Hit werden soll. Filmbranchendienste können den Kinostart-Termin für diesen Film in Deutschland aktuell noch nicht nennen.

    Am Dienstag feiert Keanu Reeves seinen 56. Geburtstag. Ob er sich dazu einen Tag frei in Berlin von den „Matrix“-Dreharbeiten nehmen konnte, ist nicht überliefert.

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    Tags:
    Film "The Matrix", Keanu Reeves, Hollywood