21:16 30 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (104)
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    Laut einer Sprecherin der Berliner Charité wird der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny immer noch im Hause behandelt. Damit dementiert die Klinik die zuletzt aufgetauchten Spekulationen, dass Nawalny womöglich in eine Militärklinik gebracht worden sei.

    „Herr Nawalny ist bei uns im Hause. Wir haben das vierte Statement auch deshalb herausgegeben, weil er bei uns im Hause ist. Auf einer Intensivstation bei der Charite, sonst hätten wir das Statement nicht herausgegeben“, sagte die Sprecherin gegenüber Sputnik am Donnerstagnachmittag.

    Am Mittwoch hatte die Charité im so genannten vierten Statement zum Zustand von Nawalny mitgeteilt, dass der 44-Jährige weiterhin auf einer Intensivstation behandelt und maschinell beatmet werde. Parallel hatte die Bundesregierung bekanntgegeben, dass bei Nawalny „der zweifelsfreie Nachweis” eines chemischen Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe erbracht worden sei. Eine toxikologische Untersuchung von Nawalny sei in einem Spezial-Labor der Bundeswehr durchgeführt worden, hieß es.

    Zuvor hatte etwa Wladimir Sergijenko, ein seit Jahren in Deutschland lebender Politologe mit ukrainischen Wurzeln, in seinem Beitrag in sozialen Netzwerken geschrieben, er verfüge über Angaben, dass Nawalny sich nicht mehr in der Berliner Charité befinden und vermutlich in eine Militärklinik gebracht worden sein könnte. Am Eingang in die Intensivstation seien üblicherweise „Wachmänner mit Drähten im Ohr“ gestanden, doch später, als der Patient zu verschiedenen Untersuchungen von Block zu Block transportiert worden sei, habe es keine Bewachung mehr gegeben, so Sergijenko.

    Bekannterweise stand der russische Oppositionelle seit seiner Ankunft in Berlin am 22. August unter dem Schutz des Bundeskriminalamts (BKA) - „aus humanitären Gründen“. Ob der Schutz weiter geleistet wird, wollte Sputnik vom BKA wissen, bekam aber keine Antwort auf die Anfrage und wurde an das Bundesministerium des Inneren weitergeleitet. Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte letzendlich gegenüber Sputnik, zu Schutzmaßnahmen äußere sich die Polizei grundsätzlich nicht -  ob im Fall Nawalny oder in anderen Fällen.

    Nawalny in Berlin

    Der bekannte Kreml-Kritiker und Blogger Alexej Nawalny war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt und kurz darauf das Bewusstsein verloren haben. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll, zu der sowohl verschiedene Arzneimittel als auch mehrere Kampfstoffe – darunter die der Nowitschok-Reihe – gehören.

    lk/ae

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    Klinik, Berlin, Kreml, Deutschland, Alexej Nawalny