15:59 25 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (98)
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    Der Vorsitzende der gemeinnützigen russischen Organisation „Nationale Medizinische Kammer“, Leonid Roschal, hat seinen deutschen Ärztekollegen vorgeschlagen, ein gemeinsames Expertenteam zur Aufklärung des Zustandes von Alexej Nawalny zu bilden.

    Laut Roschal „beschäftigt viele das Schicksal von Nawalny“, deshalb sollten Experten beider Länder die Ursache für seinen Zustand finden.

    „Lassen Sie uns in Ruhe zusammenkommen, russische sowie deutsche Spezialisten auf dem Gebiet der Toxikologie, und darüber beraten, ob eine Vergiftung vorliegt oder nicht. Denn sollte sich tatsächlich herausstellen, dass Nawalny vergiftet wurde, dann sind wir der Ansicht, dass in Russland ein Strafverfahren eingeleitet werden muss“, betonte Roschal.

    Er stellte klar, dass die Ursachen für Nawalnys Zustand noch immer nicht feststünden. Allerdings hätten die russischen Ärzte gute Arbeit geleistet und bei dem Patienten Schlimmeres verhindert. Roschal hob hervor, dass die russischen Mediziner während  Nawalnys Krankenhausaufenthalt in Omsk keine Giftspuren nachgewiesen hätten, die deutschen Ärzte jedoch schon.

    Die Nationale Medizinische Kammer ist der größte gemeinnützige Zusammenschluss im russischen Gesundheitswesen. Er setzt sich aus mehr als 150 medizinischen Organisationen aus ganz Russland zusammen.

    Befunde der Ärzte

    Der russische Regierungskritiker hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin er in ein küstliches Koma versetzt wurde. Nach anfänglicher Behandlung in einem Omsker Krankenhaus wurde Nawalny auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt. Nach Angaben der Charité ist sein Gesundheitszustand weiterhin ernst.

    Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Laut dem leitenden Toxikologen Sibiriens, Alexander Sabaew, wurden in Nawalnys „Entgiftungsorganen“ (Leber, Lungen, Nieren) keine Giftstoffe entdeckt. Im Falle einer Vergiftung jedoch müssten in den genannten Organen Giftspuren festzustellen sein. 

    mka/sna/gs

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    Tags:
    Russland, Deutschland, Ärzte, Alexej Nawalny